Die Frage klingt simpel: Nehme ich einen Website-Baukasten oder WordPress? Die meisten Vergleichsartikel berechnen die monatliche Abo-Gebühr, zeigen Screenshots und erklären, welcher Baukasten leichter zu bedienen ist. Was dabei regelmäßig fehlt: Was kostet Sie der günstige Baukasten in drei Jahren? Und was passiert, wenn Sie wechseln wollen?

Ich bin Dawid Dudzinski, WordPress-Entwickler mit 13 Jahren Erfahrung und über 120 realisierten Projekten für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland und Polen. Ich habe Kunden erlebt, die nach zwei Jahren mit Wix oder Jimdo frustriert zu mir kamen - nicht wegen der Bedienung, sondern wegen der Folgekosten. Dieser Artikel zeigt, was Sie wissen müssen, bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden.

Was Sie bei Baukästen wirklich besitzen

Bei Wix, Jimdo oder IONOS MyWebsite Now kaufen Sie kein Produkt. Sie mieten Zugang zu einer Plattform. Ihre Inhalte, Bilder und das Design liegen auf den Servern des Anbieters - unter den Bedingungen des Anbieters. Solange Sie zahlen, ist alles gut. Sobald Sie aufhören oder wechseln wollen, beginnt das Problem.

Bei WordPress ist das grundlegend anders. Die WordPress-Software ist Open Source. Ihre Datenbank, alle Ihre Inhalte, Ihre Bilder und Ihr Theme gehören Ihnen. Sie können die gesamte Website auf einen USB-Stick ziehen, einem anderen Hoster übergeben oder einem neuen Entwickler aushändigen. Niemand kann Ihnen den Zugang entziehen.

Wix, Jimdo und IONOS erlauben keinen vollständigen Daten- und Design-Export. Ein Anbieterwechsel bedeutet in der Praxis einen kostenpflichtigen Neuaufbau Ihrer Website.

Die Export-Realität je Anbieter

Viele Nutzer merken erst beim Wechsel, was Export bei Baukästen tatsächlich bedeutet. Hier die nüchterne Realität:

Wix: Exportiert Blog-Beiträge als RSS-Feed. Das Design, die Seiten, Formulare, Produktseiten - nichts davon verlässt die Plattform in einem verwertbaren Format. Wix-Webseiten können nicht zu WordPress konvertiert werden, ohne alles manuell nachzubauen.

Jimdo: Der Export ist noch eingeschränkter. Jimdo erlaubt keinen strukturierten Export von Seiteninhalten. Wer wechseln will, beginnt von null.

IONOS MyWebsite Now: Kein vollständiger Export des Website-Designs möglich. Inhalte lassen sich teilweise manuell kopieren.

Squarespace und WordPress.com (gehostet): Bieten die besten Export-Optionen unter den Baukästen, aber auch hier ist der Export unvollständig verglichen mit einer selbstgehosteten WordPress-Installation.

Selbstgehostetes WordPress: Vollständiger Export per Klick oder per FTP-Zugriff auf alle Dateien. Migration zu einem anderen Hoster dauert bei einem erfahrenen Entwickler oft unter zwei Stunden.

Eigentum und Portabilität im Vergleich

MerkmalWix/Jimdo/IONOSWordPress (selbstgehostet)
Daten exportierenEingeschränkt oder nicht möglichVollständig, jederzeit
Design übertragenNicht möglichVollständig portierbar
Hoster wechselnNicht möglichJederzeit, ohne Datenverlust
Zugang nach Abo-EndeVerlorenVollständig erhalten
Code anpassenNicht möglichVollzugriff
Eigene Domain verknüpfenJa (meist im höheren Tarif)Ja, standardmäßig

Der ehrliche Drei-Jahres-Kostenvergleich

Die monatliche Abo-Gebühr ist nur der sichtbare Teil der Kosten. Rechnen wir realistisch durch, was KMU in Deutschland über drei Jahre tatsächlich zahlen.

Szenario: Informationswebsite mit 10-15 Seiten, keine E-Commerce-Funktion

Wix (Core-Tarif, Jahresvertrag 2026): Ca. 17 Euro monatlich, also ca. 204 Euro jährlich. Über drei Jahre: ca. 612 Euro. Dazu kommt: keine Möglichkeit, günstigere Hosting-Angebote zu nutzen, keine eigenen Backup-Strategien, kein Zugriff auf Server-Logs. Wenn Sie nach drei Jahren wechseln wollen, zahlen Sie Agenturkosten für den Neuaufbau: realistisch 1.200 bis 3.500 Euro.

WordPress (Shared Hosting, z.B. All-inkl oder Raidboxes Starter): Hosting ca. 7-15 Euro monatlich, Domain ca. 1 Euro monatlich gerechnet. Über drei Jahre: ca. 300-600 Euro. Einmalige Einrichtungskosten durch einen Entwickler: 800-2.000 Euro je nach Komplexität. Wechsel zu einem anderen Hoster jederzeit möglich - ohne Neuaufbau.

612 EuroWix-Abokosten über 3 Jahre (Core-Tarif)
1.200-3.500 EuroTypische Neuaufbaukosten beim Wechsel von Wix/Jimdo
15-30 Euro/MonatManaged WordPress Hosting in Deutschland (z.B. WPspace)
0 EuroMigrationskosten WordPress zu neuem Hoster bei eigenem Zugriff

Bei einem Online-Shop sieht die Rechnung noch deutlicher aus. Wix eCommerce kostet 2026 zwischen 23 und 52 Euro monatlich, der Business Elite-Tarif ab 124,95 Euro monatlich. WooCommerce auf WordPress ist ab dem Hosting-Preis realisierbar - die Software selbst ist kostenlos.

Einen ausführlichen Überblick zu Gesamtkosten einer professionellen Website - inklusive Entwickler-Stundensätze und Pflegeaufwand - finden Sie in meinem Artikel Was kostet eine professionelle Firmenwebsite 2026?

SEO-Grenzen: Wo Baukasten-Websites an ihre Decke stoßen

Für ein KMU, das langfristig über Suchmaschinen gefunden werden will, ist die SEO-Funktionalität der Website entscheidend. Hier zeigen Baukasten-Plattformen strukturelle Schwächen.

Wix und Jimdo erlauben Basis-SEO: Seitentitel, Meta-Beschreibungen, Alt-Texte. Was fehlt, sind die Möglichkeiten, die professionelles SEO heute erfordert: volle Kontrolle über Schema.org-Markup (strukturierte Daten), individuelle Hreflang-Implementierung für mehrsprachige Seiten, Core Web Vitals-Optimierung auf Server-Ebene, eigene Redirects ohne UI-Einschränkungen und Zugriff auf Robots.txt und Sitemap-Konfiguration.

Mit WordPress und einem Plugin wie Rank Math oder Yoast SEO haben Sie vollständigen Zugriff auf all diese Parameter. Ich setze Rank Math bei meinen Projekten standardmäßig ein - die Kombination aus Schema-Generator, Redirect-Manager und detaillierter Keyword-Analyse ist in keinem Baukasten auch nur annähernd nachbildbar.

SEO-Funktionen: Was WordPress kann, Baukasten oft nicht

  • Vollständiges Schema.org-Markup (FAQ, Breadcrumb, LocalBusiness, Product)
  • Hreflang für mehrsprachige Seiten ohne Workarounds
  • Individuelle Robots.txt und Sitemap-Konfiguration
  • Zugriff auf .htaccess und Server-Header für Caching und Weiterleitungen
  • Core Web Vitals-Optimierung auf Hosting-Ebene (LiteSpeed Cache, Redis)
  • Custom Post Types und eigene URL-Strukturen ohne Einschränkungen
  • Technische Audits mit vollständigem Crawl-Zugriff

In der Praxis merken KMU diese Grenzen spätestens dann, wenn sie beginnen, Content-Marketing zu betreiben. Ein Baukasten mit 20-30 Blog-Artikeln und begrenzten SEO-Einstellungen verliert gegen eine gut gepflegte WordPress-Website, die dieselben Themen abdeckt.

Skalierungsgrenzen: Was passiert, wenn Ihr Unternehmen wächst

Ein Baukasten ist auf Einfachheit ausgelegt. Das ist für den Start gut. Wenn Ihr Unternehmen wächst, stoßen Sie an strukturelle Grenzen, die kein Plugin und kein Upgrade beheben kann.

Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis: Ein Handwerksbetrieb aus Hamburg startete 2022 mit Jimdo - schnell, günstig, ausreichend für fünf Seiten. 2024 wollten der Inhaber Angebote automatisch generieren, ein Buchungssystem integrieren und einen Produktkatalog für Materialien aufbauen. Jimdo konnte das nicht liefern. Der Wechsel zu WordPress kostet ihn mehrere Wochen Umbauzeit und rund 2.400 Euro - weil die Jimdo-Daten manuell übertragen werden mussten.

Mit WordPress hätten diese Funktionen nachgerüstet werden können, ohne die bestehende Website neu aufzubauen.

Vorteile

  • Sehr schneller Start, ohne technische Kenntnisse
  • Niedrige monatliche Einstiegskosten
  • Kein Hosting-Management notwendig
  • DSGVO-konform bei deutschen Anbietern (Jimdo, IONOS)

Nachteile

  • Kein vollständiger Daten- und Design-Export möglich
  • Wechsel bedeutet kostenpflichtigen Neuaufbau
  • SEO-Möglichkeiten strukturell begrenzt
  • Skalierung auf individuelle Funktionen nicht möglich
  • Langfristig teurer als WordPress bei wachsenden Anforderungen
  • Abhängigkeit von Abo-Preiserhöhungen des Anbieters

Wann ein Baukasten trotzdem die richtige Wahl ist

Ich möchte fair sein: Es gibt Situationen, in denen ein Baukasten legitim und pragmatisch ist.

Eine reine digitale Visitenkarte - Name, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Anfahrt - ohne SEO-Ambitionen und ohne geplantes Wachstum kann mit einem Baukasten sinnvoll umgesetzt werden. Wenn das Budget sehr eng ist, Sie in zwei Jahren die Website möglicherweise aufgeben und keine Inhalte aufbauen wollen, ist ein Baukasten-Tarif für 7-12 Euro monatlich kurzfristig vertretbar.

Aber: Seien Sie sich der Entscheidung bewusst. Wählen Sie einen Baukasten nicht deshalb, weil er günstiger klingt, ohne die Folgekosten zu kennen. Wählen Sie ihn bewusst als Übergangslösung - und planen Sie von Anfang an, wann und wie der Wechsel zu WordPress stattfindet.

Wenn Sie mit einem Baukasten starten, achten Sie mindestens darauf, dass Sie Ihre eigene Domain registrieren - nicht über den Baukasten-Anbieter, sondern separat bei IONOS oder Strato. So behalten Sie die Domain auch beim Wechsel.

WordPress-Hosting in Deutschland: Was es wirklich kostet

Ein häufiges Missverständnis: WordPress-Hosting sei teuer oder kompliziert. Das stimmt für 2026 nicht mehr. Für KMU gibt es verlässliche deutsche Anbieter in mehreren Preisklassen.

Shared Hosting (für kleinere Websites bis ca. 10.000 Besucher monatlich): All-inkl, Raidboxes Starter oder Hetzner Web Hosting liegen bei 5-15 Euro monatlich. Ausreichend für die meisten Unternehmens-Websites.

Managed WordPress Hosting (für Performance-Anforderungen und weniger Verwaltungsaufwand): Anbieter wie WPspace aus Koblenz, HostPress oder Raidboxes bieten Pakete ab ca. 15-30 Euro monatlich, mit ISO 27001-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland, automatischen Backups und WordPress-spezifischer Optimierung.

Für E-Commerce: WooCommerce auf einem Managed-Hoster ab ca. 25-40 Euro monatlich schlägt jeden Wix-eCommerce-Tarif in Funktionsumfang und Eigentümerschaft.

Einen Überblick über passende Hosting- und Website-Lösungen für Ihr Unternehmen finden Sie auf meiner Webseiten-Seite.

Rechtlicher Hinweis: Ich bin WordPress-Entwickler, kein Rechtsanwalt oder Steuerberater. Die Aussagen zu DSGVO, TDDDG und anderen rechtlichen Themen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine rechtliche Beratung.

Die eigentliche Frage: Wem gehört Ihre Online-Präsenz?

Hinter der technischen Diskussion steckt eine unternehmerische Grundfrage: Wollen Sie Ihre Online-Präsenz besitzen oder mieten?

Ein Baukasten ist Miete. Solange Sie zahlen, haben Sie Zugang. Die Konditionen, die Preise, die Funktionen - das entscheidet der Anbieter. Wix hat seine Preise in den letzten Jahren mehrfach erhöht. Jimdo hat Funktionen aus günstigeren Tarifen gestrichen. Das ist deren gutes Recht - aber Sie als Mieter tragen das Risiko.

WordPress ist Eigentum. Nicht im Sinne einer Software-Lizenz, sondern im Sinne Ihrer Daten, Ihrer Inhalte und Ihrer digitalen Infrastruktur. Sie können jederzeit wechseln, erweitern, verkaufen oder an einen anderen Entwickler übergeben.

Für ein KMU, das langfristig plant, ist diese Frage wichtiger als die monatliche Abo-Differenz von zehn Euro. Die Website ist oft der wichtigste Vertriebskanal - und der sollte Ihnen gehören.

Wenn Sie konkret wissen wollen, was eine professionelle WordPress-Website für Ihr Unternehmen kostet und wie der Prozess abläuft, schauen Sie sich gerne meinen Komplettguide zu Firmenwebsite-Kosten 2026 an oder kontaktieren Sie mich direkt über /de/kontakt/.

Häufige Fragen

Kann ich meine Wix-Website zu WordPress umziehen?

Nur eingeschränkt. Wix erlaubt einen Export von Blog-Inhalten als RSS-Feed, aber Ihr Design, Ihre Seitenstruktur und alle anderen Inhalte lassen sich nicht automatisch übertragen. In der Praxis bedeutet ein Wechsel einen vollständigen Neuaufbau der Website - was bei einem etablierten Auftritt schnell 1.500 bis 4.000 Euro Agenturkosten bedeutet.

Ist WordPress wirklich kostenlos?

Die Software selbst ist kostenlos (Open Source). Sie bezahlen Hosting (ab ca. 5-15 Euro monatlich bei Shared Hosting, ab ca. 15-30 Euro bei Managed WordPress Hosting), eine Domain (ca. 12-15 Euro jährlich) sowie ggf. ein Premium-Theme oder Plugins. Die Gesamtkosten über drei Jahre liegen typischerweise zwischen 500 und 1.500 Euro - je nach Hosting-Wahl und eigenem Aufwand.

Welcher Baukasten exportiert seine Daten am besten?

Squarespace und WordPress.com (nicht selbstgehostetes WordPress) bieten den besten Export. Wix erlaubt nur einen eingeschränkten Inhaltsexport. Jimdo bietet so gut wie keinen strukturierten Export. IONOS MyWebsite Now erlaubt keinen vollständigen Export des Designs.

Wann ist ein Baukasten für KMU sinnvoll?

Wenn Sie eine reine digitale Visitenkarte benötigen, weniger als fünf Seiten pflegen wollen, kein SEO-Wachstum planen und die Website innerhalb von 1-2 Jahren möglicherweise aufgeben. In diesem Fall ist der Baukasten eine legitime Kurzlösung. Sobald Sie Produkte verkaufen, gezielt Suchmaschinen-Traffic aufbauen oder skalieren wollen, wird WordPress die deutlich wirtschaftlichere Wahl.

Muss ich als Websitebesitzer technisch versiert sein, um WordPress zu nutzen?

Nein. Mit einem sorgfältig konfigurierten WordPress-Theme und einem Seitenbaukasten wie Elementor oder dem Block-Editor (Gutenberg) können auch nicht-technische Nutzer Seiten und Beiträge selbst pflegen. Die Einrichtung erfordert einmalig professionelle Hilfe - die laufende Redaktion jedoch nicht.

Zählt die DSGVO für Baukasten-Websites genauso wie für WordPress?

Ja, die DSGVO gilt unabhängig von der verwendeten Plattform. Baukasten-Anbieter aus den USA (Wix, Squarespace) übertragen Daten in Drittländer, was datenschutzrechtlich sorgfältig zu prüfen ist. Deutsche Anbieter wie IONOS oder Jimdo (Server in der EU) sind hier unkomplizierter. Mit WordPress und einem deutschen Hoster haben Sie die volle Kontrolle über die Datenverarbeitung.