Wenn Sie ein Website-Angebot erhalten, steht ganz oben eine Zahl, die gut aussieht. Darunter folgen ein paar Seiten Leistungsbeschreibung in technischem Jargon und am Ende eine Unterschriftenzeile. Was fehlt, sind die echten Gesamtkosten über die nächsten drei Jahre.

Ich bin seit über 13 Jahren als WordPress- und WooCommerce-Entwickler tätig, habe mehr als 120 Projekte in Deutschland und Polen umgesetzt, und kenne dieses Muster gut. Dieser Artikel zeigt Ihnen zehn typische Kostenfallen im Website-Angebot, damit Sie sie erkennen, bevor Sie unterschreiben.

1. Hosting und Domain sind nicht inklusive

Ein Einmalpreis für Design und Entwicklung bedeutet fast nie, dass Hosting und Domain darin enthalten sind. Professionelles Webhosting kostet je nach Paket und Anbieter zwischen 5 und 50 EUR pro Monat. Eine .de-Domain kommt auf etwa 10 bis 15 EUR pro Jahr, eine .com-Domain etwas mehr.

Das klingt nach wenig, aber Überraschungen entstehen oft beim Anbieter-Wechsel. Fragen Sie deshalb schon im Angebot: Auf wessen Account läuft das Hosting? Wer hält den Vertrag mit dem Registrar? Können Sie die Zugangsdaten jederzeit selbst verwalten?

5-50 EUR/Monattypische Hosting-Kosten für KMU-Websites
10-15 EUR/JahrKosten für eine .de-Domain
80-120 EUR/Std.Stundensatz bei ungeplanten Notfall-Einsätzen
30-200 EUR/MonatPreisspanne für professionelle WordPress-Wartungsverträge

2. Das SSL-Zertifikat fehlt im Preis

Ohne gültiges SSL-Zertifikat zeigen Browser die Warnung "Nicht sicher", was Besucher sofort vertreibt. Viele Hosting-Pakete liefern Let's Encrypt gratis, manche Anbieter berechnen aber 50 bis 150 EUR jährlich für ein kommerzielles Zertifikat.

Klären Sie vor der Unterschrift, ob SSL im Hosting-Paket enthalten ist, und ob es automatisch erneuert wird. Ein abgelaufenes Zertifikat legt Ihre Website für alle Besucher lahm, und der Notfall-Einsatz zum Erneuern kommt teuer.

3. Wartung und Updates sind nicht mitgedacht

WordPress, WooCommerce und Plugins müssen regelmäßig aktualisiert werden. Das ist keine Empfehlung, sondern Sicherheitspflicht: Sicherheitslücken in veralteten Plugins sind der häufigste Einstiegspunkt für Hacker.

Ohne Wartungsvertrag zahlen Sie entweder selbst Zeit oder Stundensatze von 80 bis 120 EUR für jeden Einzeleinsatz. Ein einziger kompromittierter WordPress-Auftritt kostet je nach Schaden schnell 500 bis 2.000 EUR für Bereinigung und Wiederherstellung. Ein Wartungsvertrag ab 30 bis 60 EUR monatlich macht diese Kalkulation deutlich berechenbarer.

Prüfen Sie im Angebot explizit: Ist regelmäßige Plugin- und Core-Aktualisierung inklusive? Oder zahlen Sie jeden Monat Einzelstunden?

4. Premium-Plugins und Theme-Lizenzen laufen nach einem Jahr ab

Viele Agenturen bauen Websites mit Premium-Themes oder bezahlten Plugins (Page Builder, Sicherheits-Plugins, SEO-Tools, Cache-Plugins). Die Lizenz wird einmalig gekauft und ist im Projekthonorar enthalten. Was im Angebot oft fehlt: Nach 12 Monaten läuft die Lizenz ab. Updates und Support kosten danach erneut Geld, oft 50 bis 200 EUR pro Lizenz und Jahr.

Bei einem Kundenprojekt aus Hamburg habe ich einmal eine Website übernommen, auf der fünf Premium-Plugins ohne aktive Lizenz liefen. Die Plugins hatten seit 14 Monaten keine Sicherheitsupdates erhalten. Das Reparieren der daraus entstandenen Probleme hätte vermieden werden können, wenn der vorherige Anbieter die Lizenzkosten transparent gemacht hätte.

Diese Lizenzfragen gehören ins Angebot

  • Welche Premium-Plugins oder Themes werden eingesetzt?
  • Was kostet die jährliche Lizenzverlängerung?
  • Wer ist Inhaber der Lizenz: Agentur oder Kunde?
  • Sind die Lizenzen übertragbar, wenn Sie den Anbieter wechseln?
  • Gibt es Open-Source-Alternativen, die keine Jahresgebühr haben?

5. Texte und Bilder sind nicht inklusive

Ein häufiger Punkt im Kleingedruckten: "Texte und Bilder werden vom Kunden geliefert." Das klingt fair, bis Sie merken, dass professionelle Texte teuer sind. Ein Copywriter für eine Website mit acht Seiten kann 800 bis 2.500 EUR kosten. Lizenzierte Stockfotos kommen auf 20 bis 80 EUR pro Bild.

Manche Agenturen bieten an, Texte für einen Aufpreis zu übernehmen. Klären Sie das im Angebot, sonst steht Ihre fertige Website mit Blindtexten da und der Launch verzögert sich um Wochen.

6. E-Mail-Konten und technische Einrichtung

Domain registriert, Hosting gebucht, Website fertig. Aber wo landen eigentlich Ihre E-Mails? Professionelle E-Mail-Konten (zum Beispiel info@ihrefirma.de) sind nicht immer im Hosting-Paket enthalten. Google Workspace kostet ab 6 EUR pro Nutzer und Monat, Microsoft 365 Business Basic ab 5,10 EUR.

Dazu kommen technische Einrichtungsaufgaben: DNS-Konfiguration, DKIM und SPF für zuverlässige E-Mail-Zustellung, Weiterleitung von alten auf neue URLs bei einem Relaunch. Fragen Sie im Angebot, welche dieser Punkte im Projekthonorar enthalten sind.

Ein Cookie-Banner ist heute Pflicht für jede Website, die Tracking oder externe Dienste wie Google Analytics, YouTube oder Facebook Pixel einsetzt. Ein sauber konfiguriertes Consent-Management kostet entweder Zeit (bei manueller Umsetzung) oder eine Lizenz für ein professionelles Tool.

Gute Cookie-Consent-Lösungen kosten 8 bis 25 EUR pro Monat oder einen spürbaren Einmalaufwand für die korrekte Konfiguration. Fehlt dieser Punkt im Angebot, sollten Sie nachhaken.

Typische Website-Angebote: Was drin ist, was nicht

KostenpunktIm Angebot oft enthaltenIm Angebot oft nicht enthalten
Domain und HostingManchmalMeistens nein
SSL-ZertifikatManchmalBei billigen Paketen nein
Premium-Plugin-Lizenzen (Jahr 1)Oft jaAb Jahr 2 fast nie
Jährliche LizenzverlängerungenNeinFast nie
WordPress-Wartung und UpdatesNeinFast nie
Texte und BilderSeltenMeistens nein
Cookie-Consent-ToolSeltenMeistens nein
Barrierefreiheit (BFSG)SeltenFast nie
Stundensatz für ÄnderungenNicht erwähntMeist unklar

8. Barrierefreiheit nach BFSG

Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Viele Unternehmenswebseiten, die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkaufen, müssen seitdem die WCAG-2.2-AA-Standards erfüllen. Ausgenommen sind lediglich Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und maximal 2 Millionen EUR Jahresumsatz, sofern sie ausschließlich Dienstleistungen erbringen. Ich bin Webentwickler, kein Anwalt - bei konkreten Fragen zur eigenen Betroffenheit empfehle ich eine Einschätzung durch die örtliche IHK oder einen Fachanwalt.

Was bedeutet das für ein neues Website-Projekt? Eine Barrierefreiheits-Prüfung und -Anpassung kostet bei einer frisch gebauten Website weniger als eine Nachrüstung später. Steht in Ihrem Angebot kein Wort zu BFSG oder WCAG, fragen Sie nach.

Das BFSG gilt seit 28.06.2025. Ob und wie es für Ihr Unternehmen zutrifft, hängt von Unternehmensgröße, Umsatz und Angebot ab. Die IHK bietet kostenfreie Erstauskunft.

9. Stundensatz für Änderungen nach dem Launch

Jede Website braucht nach dem Launch Anpassungen: eine neue Seite, ein geändertes Impressum, ein anderes Bild im Header. Wenn Ihr Angebot keinen Stundensatz nennt und kein Änderungskontingent einschließt, kann jeder kleine Eingriff überraschend teuer werden.

Typische Stundensatze für WordPress-Entwickler in Deutschland liegen zwischen 80 und 120 EUR netto. Zwei Stunden im Monat für laufende Anpassungen machen 160 bis 240 EUR, also 1.920 bis 2.880 EUR im Jahr. Klären Sie vor der Unterschrift, wie Änderungen abgerechnet werden und ob ein monatliches Kontingent günstiger wäre.

Bei einem Kundenprojekt aus dem Großramum Hamburg habe ich eine Website von einer anderen Agentur übernommen, nachdem der Kunde dort für jede kleine Textänderung 90 EUR pauschal gezahlt hatte. Mit einem festen Wartungspaket hat er seitdem deutlich mehr Kontrolle über sein monatliches Budget.

10. Keine geregelte Übergabe der Zugangsdaten

Die teuerste Kostenfalle entsteht manchmal erst nach Abschluss des Projekts. Wenn die Agentur schließt, sich Streitigkeiten ergeben oder Sie den Anbieter wechseln möchten, brauchen Sie Zugang zu:

  • WordPress-Admin
  • Hosting-Konto (cPanel, Plesk oder ähnliches)
  • Domain-Registrar
  • FTP-/SFTP-Zugang
  • Datenbank-Backup

Fehlt eine klare Regelung zur Übergabe, können Anwälte, Zeitverlust und technischer Aufwand schnell vier- bis fünfstellige Summen kosten. Verlangen Sie im Vertrag ausdrücklich eine vollständige Dokumentation aller Zugangsdaten bei Projektabschluss.

Vorteile

  • Transparente Angebote mit aufgeschlüsselten Einmal- und Jahreskosten sind besser vergleichbar
  • Wartungsverträge machen laufende Kosten planbar und vermeiden teure Notfall-Einsätze
  • Frühzeitig geklärte BFSG-Anforderungen sind günstiger als spätere Nachrüstung
  • Klare Stundensatze verhindern Überraschungen bei nachträglichen Änderungen

Nachteile

  • Vollständige Angebote wirken auf den ersten Blick teurer, decken aber die echten Gesamtkosten ab
  • Günstige Einmalangebote führen oft zu höheren Gesamtkosten über drei Jahre
  • Fehlende Wartung erhöht das Sicherheitsrisiko und den Aufwand bei Problemen

So prüfen Sie ein Website-Angebot richtig

Bevor Sie unterschreiben, lohnt sich eine einfache Kalkulation: Nehmen Sie den Angebotspreis, addieren Sie geschätzte Jahreskosten für Hosting, Wartung und Lizenzen, und multiplizieren Sie das mit drei. Diese Dreijahres-Gesamtkosten zeigen, ob das günstige Angebot wirklich günstiger ist.

Ein konkretes Beispiel: Angebot A kostet 1.500 EUR einmalig, aber 150 EUR monatlich für Hosting, Wartung und Lizenzen - das sind 7.000 EUR in drei Jahren. Angebot B kostet 4.500 EUR einmalig, aber nur 60 EUR monatlich - das sind 6.660 EUR in drei Jahren. Angebot B ist auf drei Jahre gerechnet günstiger, trotz des höheren Einstiegspreises.

Wenn Sie planen, eine neue Website erstellen zu lassen, achten Sie darauf, dass das Angebot all diese Punkte klar benennt. Gute Anbieter scheuen keine konkreten Antworten auf konkrete Fragen.

Checkliste: Das gehört in jedes seriöse Website-Angebot

  • Einmalkosten für Design und Entwicklung klar ausgewiesen
  • Hosting- und Domain-Kosten pro Jahr oder Monat angegeben
  • SSL-Zertifikat: inklusive oder separat?
  • Liste der eingesetzten Premium-Plugins mit jährlichen Lizenzkosten
  • Regelung zu Texten und Bildern: inklusive oder Aufpreis?
  • Cookie-Consent-Management: inklusive oder separat?
  • Wartungsvertrag: Kosten und Leistungsumfang beschrieben
  • Stundensatz für Änderungen nach dem Launch genannt
  • Übergabe der Zugangsdaten bei Projektabschluss geregelt
  • Hinweis auf BFSG-Barrierefreiheit und Zuständigkeit

Der Vergleich von Webseiten-Angeboten wird einfacher, wenn Sie diese zehn Punkte konsequent abfragen. Was gut klingt, muss erst die Dreijahres-Kalkulation bestehen.

Häufige Fragen

Was sind typische versteckte Kosten in einem Website-Angebot?

Die häufigsten Posten, die im Angebot fehlen, sind Hosting und Domain (10-50 EUR/Monat), SSL-Zertifikat, Premium-Plugin-Lizenzen, Wartungsvertrag sowie Texte und Bilder. Hinzu kommen oft Kosten für Einrichtung von E-Mail-Konten, DSGVO-konformes Cookie-Banner oder Barrierefreiheit nach BFSG. Rechnen Sie all diese Punkte durch, bevor Sie unterschreiben.

Wie viel kostet ein WordPress-Wartungsvertrag in Deutschland?

Ein professioneller WordPress-Wartungsvertrag kostet zwischen 30 und 200 EUR pro Monat, je nach Leistungsumfang. Enthalten sind in der Regel Updates (WordPress-Kern, Themes, Plugins), tägliche Backups, Sicherheits-Monitoring und ein kleines Stundenkontingent für Änderungen. Ohne Vertrag zahlen Sie bei Bedarf Stundensatze von 80 bis 120 EUR, was auf Dauer deutlich teurer wird.

Gilt das BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz) auch für kleine Unternehmen?

Das BFSG gilt seit dem 28. Juni 2025 für Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher anbieten. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und maximal 2 Millionen EUR Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen, nicht jedoch beim Vertrieb von Produkten. Ich bin Webentwickler, kein Anwalt - daher empfehle ich bei Unklarheiten eine rechtliche Beratung, zum Beispiel über die IHK.

Was passiert, wenn die Agentur die Domain auf sich registriert?

Wenn eine Agentur Ihre Domain auf ihren eigenen Account registriert, haben Sie im Streitfall keinen direkten Zugriff. Domainwechsel können Wochen dauern und sind mit administrativem Aufwand verbunden. Bestehen Sie darauf, dass die Domain auf Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse registriert wird, und sichern Sie sich die Zugangsdaten zum Registrar schriftlich.

Was kostet eine professionelle Website in Deutschland 2025 wirklich?

Eine Unternehmenswebsite mit 5 bis 10 Seiten kostet einmalig zwischen 2.500 und 8.000 EUR für Design und Entwicklung. Dazu kommen laufende Kosten von ca. 500 bis 2.400 EUR pro Jahr für Hosting, Domain, Wartung und Lizenzen. Günstigere Angebote unter 1.000 EUR verstecken diese laufenden Posten meist oder liefern keine saubere technische Grundlage.

Wie erkenne ich ein seriöses Webdesign-Angebot?

Ein seriöses Angebot listet Einmalkosten und laufende Kosten getrennt, nennt den Stundensatz für Nacharbeit und erklärt, wer die Domain und den Hosting-Vertrag hält. Es enthält außerdem einen klaren Leistungsumfang (welche Seiten, welche Funktionen, ob Texte inklusive sind) und regelt die Übergabe der Zugangsdaten nach Projektabschluss.