Kein anderes Land in Europa ist beim Kauf auf Rechnung so konservativ wie Deutschland. Während Kunden in Frankreich oder Spanien ohne Zögern die Kreditkarte zücken, verlangen deutsche Käufer seit Jahrzehnten Vertrauen: erst die Ware, dann das Geld. Das ist keine Eigenheit, die sich wegtechnologisieren lässt - es ist eine Grundhaltung, die direkte Auswirkungen auf Ihre Conversion Rate hat.

Laut der EHI-Studie Online-Payment 2026 entfallen 26,1 % des gesamten deutschen E-Commerce-Umsatzes auf den Rechnungskauf - das ist die Nummer zwei nach PayPal mit 28,7 %. Kein anderes westeuropäisches Land zeigt vergleichbare Werte. Für Shop-Betreiber stellt sich damit keine Frage, ob sie Rechnungskauf anbieten, sondern wie sie es tun, ohne dabei finanzielle Risiken einzugehen.

Warum Rechnungskauf in Deutschland kein optionales Feature ist

Das Fehlen der bevorzugten Zahlungsart ist laut mehreren Conversion-Studien mit über 50 % der Nennungen der häufigste Grund für Warenkorbabbrüche im deutschen Online-Handel. Konkret: Rund 36 % der deutschen Käufer brechen einen Kauf ab, wenn Rechnungskauf nicht verfügbar ist. Ein gut aufgebauter WooCommerce-Onlineshop bringt wenig, wenn der Checkout die Zielgruppe verliert.

Bei einem Kunden aus dem Haushaltsbereich mit einem durchschnittlichen Warenkorb von 85 EUR fehlte Rechnungskauf komplett - nur Kreditkarte und PayPal standen zur Wahl. Die Conversion Rate lag bei 0,9 %. Nach der Einbindung von Klarna Rechnungskauf stieg sie auf 2,3 % - ohne jede Änderung an Design oder Produktseiten. Drei Wochen, ein Plugin, ein Vielfaches an Umsatz.

26,1 %Umsatzanteil Rechnungskauf im deutschen E-Commerce (EHI 2026)
36 %Käufer, die ohne Rechnungskauf abbrechen
40 Mrd. EURJährliche Forderungsverluste in Deutschland (BDIU)
85 %E-Commerce-Umsatz, der auf die Top-4-Zahlungsarten entfällt

Das Grundproblem: Wer trägt das Ausfallrisiko?

Rechnungskauf bedeutet: Sie liefern zuerst. Der Kunde zahlt später - oder auch nicht. Genau hier liegt das Kernproblem, und es ist das einzige ernstzunehmende Argument gegen diese Zahlungsart.

Bei eigenständigem Rechnungskauf - also ohne externen Absicherer - hängt die Liquidität Ihres Shops direkt am Zahlungsverhalten Ihrer Kunden. Branchenübliche Ausfallquoten liegen je nach Produktkategorie bei 0,5 bis 3 %. Das klingt wenig, bis man rechnet: Bei 10.000 EUR Monatsumsatz und 2 % Ausfall verlieren Sie 200 EUR pro Monat - nur an nicht bezahlten Rechnungen, noch ohne Mahn- und Inkassokosten.

Hinzu kommt: Inkasso im B2C ist teuer. Die vorgerichtlichen Kosten übersteigen bei Beträgen unter 100 EUR regelmäßig den einzutreibenden Betrag. Selbst bei einem Inkassoerfolg von 50 % in der vorgerichtlichen Phase bleibt der andere Teil als Reinverlust stehen. Die jährlichen Forderungsverluste in Deutschland belaufen sich laut BDIU auf rund 40 Milliarden Euro - ein erheblicher Teil davon entfällt auf den Onlinehandel.

Eigener Rechnungskauf ohne Bonitätsprüfung ist für wachsende Shops kein tragbares Modell. Das Forderungsmanagement bindet Zeit, die besser in Wachstum investiert ist - und das Ausfallrisiko lässt sich vollständig auslagern.

Gesicherter vs. ungesicherter Rechnungskauf: der entscheidende Unterschied

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Wege, Rechnungskauf anzubieten:

Ungesicherter Rechnungskauf bedeutet, dass Sie die Zahlungsabwicklung selbst übernehmen. Sie stellen die Rechnung aus, verwalten Zahlungseingänge, mahnen bei Verzug und beauftragen bei Bedarf ein Inkassobüro. Das Ausfallrisiko liegt zu 100 % bei Ihnen. Technisch in WooCommerce über die Standardzahlungsart oder Germanized-Erweiterung realisierbar - wirtschaftlich aber nur für sehr kleine Shops mit bekanntem Kundenstamm sinnvoll.

Gesicherter Rechnungskauf bedeutet: Ein Payment-Service-Provider übernimmt die Bonitätsprüfung, die Zahlungsabwicklung und trägt das Ausfallrisiko. Sie erhalten den Rechnungsbetrag innerhalb weniger Tage ausgezahlt - egal, ob der Endkunde tatsächlich zahlt oder nicht. Dafür zahlen Sie eine Transaktionsgebühr. Das ist das Modell, das für skalierbare Shops einzige sinnvolle Lösung ist.

Vorteile

  • Kein Ausfallrisiko für den Händler
  • Bonitätsprüfung läuft automatisch im Hintergrund
  • Conversion-Boost durch meistgewünschte Zahlungsart
  • Kein eigenes Mahnwesen nötig
  • Schnelle Auszahlung trotz langem Zahlungsziel für Kunden

Nachteile

  • Höhere Transaktionsgebühren als bei Sofortzahlung
  • Nicht jeder Kunde wird akzeptiert (Ablehnung bei schlechter Bonität)
  • Abhängigkeit vom Anbieter und dessen Risikomodell
  • Bei sehr niedrigen Warenkörben kann die Fixgebühr überproportional wirken

Die wichtigsten Anbieter für WooCommerce im Vergleich

Für WooCommerce gibt es eine handvoll ernstzunehmender Anbieter. Alle führen im Hintergrund Bonitätsprüfungen durch, übernehmen das Ausfallrisiko und lassen sich über Plugins oder Payment-Gateways integrieren.

Klarna ist der bekannteste Name im deutschen E-Commerce. Für Rechnungskauf berechnet Klarna derzeit rund 2,99 % + 1,69 EUR pro Transaktion. Die Integration läuft für WooCommerce am einfachsten über Mollie als Payment-Aggregator - damit haben Sie nicht nur Klarna, sondern auch SOFORT, SEPA-Lastschrift und Kreditkarte in einem Plugin. Vorteil: keine monatliche Grundgebühr, Sie zahlen nur bei Transaktionen.

Ratepay - mittlerweile zur Otto-Gruppe gehörend - ist der Spezialist für die DACH-Region. Die Konditionen sind individuell und risikobasiert: Je nach Branche und eingeschätztem Risiko des Shops verhandeln Sie Transaktionsgebühr und Disagio direkt. Vorteil gegenüber Klarna: bessere Konfigurierbarkeit und tiefere Integration für größere Händler. WooCommerce wird nicht über ein offizielles Plugin abgedeckt - hier brauchen Sie eine Middleware-Lösung oder eine individuelle Anbindung über die Ratepay-API.

Riverty (früher AfterPay, zur AB InBev-Gruppe) ist besonders im Modebereich stark und bietet ebenfalls vollständig gesicherten Rechnungskauf in der DACH-Region. Die WooCommerce-Integration erfolgt über ein eigenes Plugin.

Unzer (früher Heidelpay) hat seinen Sitz in Berlin und bietet Rechnungskauf neben vielen weiteren Zahlungsarten an. Achtung: Unzer erhebt eine monatliche Servicegebühr, was es bei niedrigem Volumen verteuert.

Anbietervergleich gesicherter Rechnungskauf

KriteriumKlarnaRatepayRiverty
ZielgruppeKlein- bis GroßhändlerMittel- bis GroßhändlerModebereich, DACH
Transaktionsgebührca. 2,99 % + 1,69 EURindividuell (Anfrage)individuell (Anfrage)
Grundgebührkeinekeinekeine
WooCommerce-Pluginvia Mollie oder direktMiddleware/APIeigenes Plugin
Ausfallrisikobeim Anbieterbeim Anbieterbeim Anbieter
Zahlungsziel Kunde30 Tage14-30 Tage14-30 Tage

Wie Bonitätsprüfungen technisch ablaufen

Einer der häufigsten Fehler, den ich in Kundenprojekten sehe: Der Shop-Betreiber fürchtet, die Bonitätsprüfung werde Kunden abschrecken oder sichtbar stören. In der Praxis passiert das nicht - wenn man es richtig einbaut.

Der Payment-Provider sendet im Checkout-Prozess eine Echtzeit-Abfrage an Auskunfteien wie die SCHUFA Holding AG (genutzt unter anderem von Otto), Boniversum Creditreform oder infoscore Consumer Data GmbH (genutzt u.a. von Zalando). Die Antwort kommt binnen Millisekunden. Wird der Rechnungskauf abgelehnt, zeigt das Plugin dem Kunden eine neutrale Meldung - typischerweise: "Für diese Bestellung ist Rechnungskauf leider nicht verfügbar" - und blendet automatisch andere Zahlungsoptionen ein. Der Kunde merkt nichts von einer "Ablehnung durch die SCHUFA"; er sieht nur, dass er mit PayPal oder Kreditkarte fortfahren kann.

Dieses sanfte Fallback ist entscheidend für die User Experience. Ein abgelehnter Rechnungskauf darf nicht zum Checkout-Abbruch führen - es muss stets eine Alternative bereitstehen.

Technische Voraussetzungen für gesicherten Rechnungskauf in WooCommerce

  • SSL-Zertifikat aktiv (HTTPS überall, nicht nur im Checkout)
  • Approved WooCommerce-Version (mind. 8.x empfohlen)
  • Plugin des Anbieters installiert und mit API-Key konfiguriert
  • Mindestens zwei weitere Zahlungsarten als Fallback eingerichtet
  • Datenschutzerklärung um Bonitätsprüfung und Datenweitergabe an Auskunfteien ergänzt
  • Impressum und AGB rechtskonform (Hinweis auf Zahlungsbedingungen und Zahlungsziel)
  • Testbestellung mit Testmode-Credentials des Anbieters vor Go-Live durchführen

Was die Datenschutzerklärung abdecken muss

Ein Punkt, den viele Shop-Betreiber unterschätzen: Wenn Sie Kundendaten für eine Bonitätsprüfung an Dritte weitergeben, müssen Sie das in Ihrer Datenschutzerklärung transparent machen - und zwar konkret. Hinweise wie "wir geben Daten an Auskunfteien weiter" reichen nicht; Sie müssen angeben, an welche Auskunftei, zu welchem Zweck und auf welcher Rechtsgrundlage.

Das TDDDG (Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz, seit Mai 2024 in Kraft) und die DSGVO bilden gemeinsam den rechtlichen Rahmen. Die Weitergabe von Zahlungsdaten an Klarna, Ratepay oder andere Anbieter ist auf Basis von Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Vertragserfüllung) und Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO (berechtigtes Interesse) vertretbar, muss aber sauber dokumentiert sein. Ich bin Webentwickler und kein Anwalt - für eine rechtssichere Einordnung Ihrer Datenschutzerklärung wenden Sie sich bitte an eine spezialisierte Kanzlei.

Das TDDDG löste im Mai 2024 das TTDSG ab. Die meisten Standard-Datenschutzgeneratoren für Shops haben das noch nicht vollständig abgebildet. Prüfen Sie Ihre Datenschutzerklärung auf aktuelle Gesetzesbezeichnungen.

Kauf auf Rechnung im B2B: andere Spielregeln

Im B2B-Bereich ist Rechnungskauf noch dominanter als im B2C. Laut Marktdaten wollen 95 % der B2B-Käufer auf Rechnung kaufen - eine klare Erwartungshaltung. Für WooCommerce-Shops, die sowohl Privat- als auch Geschäftskunden bedienen, ergeben sich daraus spezifische Anforderungen.

Seit dem 01.01.2025 gilt in Deutschland eine E-Rechnung-Empfangspflicht im B2B-Bereich: Unternehmen müssen in der Lage sein, elektronische Rechnungen im Format XRechnung oder ZUGFeRD zu empfangen. Für WooCommerce bedeutet das: Wenn Sie B2B-Kunden beliefern, sollte Ihr Faktura-Plugin XRechnung-kompatible Ausgaben unterstützen. Plugins wie Fakturownia, FastBill oder sevDesk bieten das an; WooCommerce Germanized Pro integriert ähnliche Funktionen. Ich bin kein Steuerberater - prüfen Sie die konkrete Umsetzungspflicht für Ihr Setup bitte mit einem Fachmann.

Für spezialisierte B2B-Rechnungskauf-Lösungen gibt es eigene Anbieter: Mondu und Billie fokussieren sich auf Firmenkunden und bieten neben Bonitätsprüfung auch Kreditlimits und mehrstufige Freigabeprozesse an - relevant, wenn Ihr Sortiment ab 500 EUR pro Bestellung beginnt.

Eigene Risikoabwägung: Wann lohnt sich welches Modell?

Es gibt kein universell richtiges Modell - aber es gibt klare Indikatoren:

Der ungesicherte Rechnungskauf (Risiko beim Shop) kommt in Frage, wenn: Ihr Kundenstamm bekannt und überschaubar ist, der durchschnittliche Bestellwert unter 30 EUR liegt, Sie nur gelegentliche Bestellungen von verifizierten Stammkunden abwickeln, oder Sie im B2B mit Unternehmen handeln, die Sie persönlich kennen. In diesen engen Grenzen ist die Ersparnis bei den Transaktionsgebühren real.

Der gesicherte Rechnungskauf ist die richtige Wahl, wenn: Sie skalieren möchten, Ihren Kundenstamm nicht persönlich kennen, Bestellwerte über 50 EUR haben, oder Sie die operative Komplexität des Mahnwesens nicht intern tragen wollen - was bei den meisten mittelständischen Shops der Fall ist.

Bei einem Kunden aus der Haushaltschemiebranche haben wir jahrelang auf eigenen Rechnungskauf gesetzt: 30 % der Bestellungen liefen auf Rechnung, Ausfallquote lag bei 1,8 %, das Mahnwesen kostete uns intern zwei Stunden pro Woche. Nach dem Wechsel zu Klarna über Mollie: null Ausfälle, null Mahnwesen, Mehrkosten durch Gebühren von rund 0,8 % des Rechnungsumsatzes - ein klarer Gewinn.

Bei niedrigem Startvolumen lohnt sich Klarna via Mollie als Einstieg: keine Grundgebühr, schnelle Integration, sofort verfügbares Fallback-System. Mit wachsendem Volumen lässt sich zu Ratepay oder einem spezialisierten Anbieter wechseln.

Rechnungskauf und der richtige Zahlungsarten-Mix

Rechnungskauf allein reicht nicht. Laut EHI-Studie 2026 decken die vier meistgenutzten Zahlungsarten - PayPal, Rechnungskauf, Lastschrift und Kreditkarte - rund 85 % des deutschen E-Commerce-Umsatzes ab. Ein vollständiger Vergleich der Kreditkartenanbieter zeigt, welche Optionen sich für kleine und mittlere Shops rechnen.

Die Empfehlung für einen deutschen WooCommerce-Shop, der Privatkunden bedient:

1. PayPal - weil es 28,7 % des Umsatzes hält und Vertrauen signalisiert
2. Rechnungskauf (gesichert, z.B. via Klarna) - wegen der 26,1 % Umsatzanteil
3. SEPA-Lastschrift - für Stammkunden und Abonnements
4. Kreditkarte (Visa/Mastercard) - für mobile Nutzer und internationale Kunden

Alle vier in einem einzigen Plugin: Mollie deckt das für WooCommerce ab - SEPA, Klarna, PayPal und Kreditkarte über eine einzige API-Verbindung, eine Abrechnung, ein Dashboard.

Umsatzsteuer bei Forderungsausfall: was Sie wissen müssen

Ein Thema, das in den meisten Blog-Artikeln zum Rechnungskauf komplett fehlt und in der Praxis immer wieder zu Überraschungen führt: Was passiert umsatzsteuerlich, wenn eine Rechnung endgültig ausfällt?

Grundsätzlich gilt: Bei eigenem Rechnungskauf schulden Sie die Umsatzsteuer mit Rechnungsstellung (Soll-Besteuerung), auch wenn der Betrag nie eingegangen ist. Fällt die Forderung endgültig aus, können Sie beim Finanzamt eine Berichtigung der Umsatzsteuer (§ 17 UStG) geltend machen - aber das erfordert den Nachweis der Uneinbringlichkeit, was bürokratischen Aufwand bedeutet.

Bei gesichertem Rechnungskauf über externe Anbieter entfällt dieses Problem: Sie erhalten den Betrag direkt ausgezahlt, der Ausfall trifft den Anbieter. Die umsatzsteuerliche Situation ist klar. Auch hier: Ich bin Entwickler, kein Steuerberater - bitte klären Sie Ihr konkretes Setup mit einem Fachmann.

Häufige Fehler beim Einrichten von Rechnungskauf in WooCommerce

Aus der Erfahrung mit über 120 Projekten sehe ich dieselben Fehler immer wieder:

Fehler 1: Kein sauberes Fallback. Der Rechnungskauf wird abgelehnt, und der Checkout hängt - weil keine Alternative aktiv ist oder das Plugin keinen graceful Redirect einbaut. Testen Sie vor dem Live-Gang explizit den Ablehnungsfall.

Fehler 2: Datenschutzerklärung nicht aktualisiert. Der Hinweis auf die Bonitätsprüfung und die Datenweitergabe fehlt oder ist veraltet. Das ist ein echtes Abmahnrisiko.

Fehler 3: Rechnungskauf für alle Produkte. Manche Kategorien - digitale Downloads, stark individualisierte Artikel, verderbliche Waren - eignen sich nicht für Rechnungskauf. Die meisten Anbieter bieten Produktkategorien-Ausschlüsse an; nutzen Sie diese.

Fehler 4: Zahlungsziel nicht kommuniziert. Das Zahlungsziel (typischerweise 14 oder 30 Tage) muss im Checkout, in der Bestellbestätigung und auf der Rechnung selbst klar stehen. Fehlende oder widersprüchliche Angaben können zu Streitigkeiten führen.

Checkliste vor dem Live-Gang: Rechnungskauf

  • Anbieter ausgewählt und API-Keys konfiguriert
  • Testmodus aktiviert und Testbestellung erfolgreich durchgeführt
  • Ablehnungs-Szenario getestet (Fallback auf andere Zahlungsart funktioniert)
  • Zahlungsziel in Checkout-Texten, Bestellbestätigung und Rechnung angegeben
  • Datenschutzerklärung um Bonitätsprüfung und Auskunftei ergänzt
  • AGB enthalten Regelung zu Rechnungskauf und Zahlungsverzug
  • Produktausschlüsse konfiguriert (digitale Güter, nicht für Rechnungskauf geeignete Artikel)
  • Mindestbestellwert und ggf. Maximalbestellwert beim Anbieter hinterlegt

Der Widerrufsbutton und seine Auswirkungen auf Rechnungskauf

Ab dem 19.06.2026 gilt in Deutschland eine neue Pflicht: Online-Shops müssen einen deutlich sichtbaren "Widerrufsbutton" im Kundenkonto anbieten, mit dem laufende Verträge mit einem Klick widerrufen werden können. Das betrifft primär Abo-Modelle und wiederkehrende Leistungen - aber es berührt auch den Rechnungskauf indirekt.

Bei Rechnungskauf mit 14-tägigem Widerrufsrecht und gleichzeitigem 30-Tage-Zahlungsziel entsteht eine zeitliche Überschneidung: Der Kunde kann theoretisch die Ware widerrufen, nachdem er die Rechnung noch nicht bezahlt hat. Klärung im Checkout und in den AGB ist hier wichtiger denn je. Gesicherte Rechnungskauf-Anbieter wie Klarna haben für solche Retourenszenarien etablierte Prozesse - bei eigenem Rechnungskauf müssen Sie das selbst abbilden.

Fazit: Rechnungskauf ist Pflicht, das Risiko ist managebar

Es gibt für deutsche Online-Shops keine vernünftige Argumentation gegen Rechnungskauf - nur gegen ungesicherten Rechnungskauf ohne Absicherung. Der Conversion-Beitrag von 26 % Umsatzanteil und der Effekt auf Kaufabbrüche sind zu stark, um diese Zahlungsart wegzulassen.

Die richtige Antwort auf das Ausfallrisiko ist nicht "kein Rechnungskauf", sondern "Rechnungskauf mit dem richtigen Partner". Klarna via Mollie ist für die meisten WooCommerce-Shops der pragmatischste Einstieg: keine Grundgebühr, vollständige Risikoübernahme, eine Integration für mehrere Zahlungsarten. Mit wachsendem Volumen können Sie zu spezialisierten Anbietern wie Ratepay wechseln und bessere Konditionen verhandeln.

Wenn Sie einen deutschen Onlineshop aufbauen oder optimieren und dabei nicht auf die größte Zahlungserwartung Ihrer Zielgruppe eingehen, verschenken Sie Umsatz. Das lässt sich ändern - technisch ist es kein großes Projekt, wenn man den richtigen Weg kennt.

Häufige Fragen

Muss ich Kauf auf Rechnung in meinem deutschen Onlineshop anbieten?

Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht - aber eine wirtschaftliche Notwendigkeit in vielen Fällen schon. Laut EHI-Studie 2026 wickeln deutsche Onlineshops 26,1 % ihres Umsatzes über Rechnungskauf ab. Wer die Zahlungsart weglässt, verliert nachweislich Kunden, die sonst abbrechen würden. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt von Ihrer Zielgruppe und Ihrem Warenwert ab.

Wie hoch ist das Risiko eines Zahlungsausfalls beim Rechnungskauf wirklich?

Das hängt stark davon ab, ob Sie das Risiko selbst tragen oder an einen Payment-Provider auslagern. Ohne externe Absicherung liegt die Ausfallquote je nach Branche und Kundenstamm bei 0,5 bis 3 % - bei hohen Warenwerten schnell existenzbedrohend. Nutzen Sie einen gesicherten Rechnungskauf-Anbieter wie Klarna oder Ratepay, trägt dieser das Ausfallrisiko vollständig, Sie erhalten den Betrag garantiert ausgezahlt.

Was kostet gesicherter Rechnungskauf über Klarna für Händler?

Klarna berechnet für den Rechnungskauf derzeit rund 2,99 % des Transaktionsbetrags plus 1,69 EUR Fixgebühr pro Vorgang. Keine monatliche Grundgebühr. Da Klarna das Ausfallrisiko übernimmt, sind die Gebühren höher als bei sofortigen Zahlungsarten. Große Händler mit hohem Volumen können individuell verhandeln.

Wie funktioniert die Bonitätsprüfung beim Rechnungskauf technisch?

Der Payment-Provider führt im Hintergrund automatisch eine Echtzeit-Abfrage bei Auskunfteien wie SCHUFA, Boniversum Creditreform oder infoscore Consumer Data durch. Das dauert Millisekunden und ist für den Kunden kaum spürbar. Bei schlechter Bonität wird der Rechnungskauf still abgelehnt und das System bietet automatisch andere Zahlungsarten an. Für WooCommerce übernimmt das Plugin des jeweiligen Anbieters diesen Ablauf vollautomatisch.

Kann ich Rechnungskauf in WooCommerce ohne externen Anbieter anbieten?

Ja, technisch ist das möglich - zum Beispiel über das WooCommerce-Standardmodul 'Rechnung' oder Plugins wie 'WooCommerce Germanized'. In diesem Fall tragen Sie das komplette Ausfallrisiko selbst, führen Mahnwesen und eventuelle Inkassoprozesse eigenständig durch. Das lohnt sich allenfalls bei sehr kleinen Shops mit wenigen Bestellungen von bekannten Stammkunden - für wachsende Shops ist es kein tragbares Modell.

Was passiert, wenn ein Kunde nicht zahlt - wer kümmert sich ums Inkasso?

Bei einem externen Anbieter wie Klarna oder Ratepay: niemand von Ihnen - der Anbieter übernimmt Mahnwesen, Inkasso und trägt den Forderungsausfall. Bei eigenem Rechnungskauf müssen Sie selbst mahnen (mindestens zwei Mahnungen empfehlenswert), dann ein Inkassobüro beauftragen oder selbst klagen. Inkasso im B2C kostet häufig mehr als der eingetriebene Betrag - besonders bei Beträgen unter 100 EUR.

Welcher Anbieter für gesicherten Rechnungskauf passt am besten zu WooCommerce?

Für kleine bis mittelgroße WooCommerce-Shops ist Klarna via Mollie-Integration ein sehr pragmatischer Einstieg - kein Setup-Aufwand, keine Mindestvolumen, vollständig über das Mollie-Plugin abgedeckt. Ratepay bietet tiefere Konfigurationsmöglichkeiten und eigene Risikomodelle, richtet sich aber eher an größere Händler. Riverty (ehemals AfterPay) ist besonders im Modebereich stark. Für reine B2B-Shops lohnt sich ein Blick auf Mondu oder Billie.

Gilt die E-Rechnung-Pflicht auch für den Rechnungskauf im B2C?

Die E-Rechnung-Empfangspflicht nach § 27a UStG gilt seit dem 01.01.2025 im B2B-Bereich - also zwischen Unternehmen. Im B2C (an Privatkunden) gibt es aktuell keine Pflicht zur E-Rechnung; die klassische PDF-Rechnung bleibt zulässig. Ich bin Webentwickler und kein Steuerberater - für rechtsverbindliche Einordnung wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater.