Shopware oder Shopify? Vergleich für den deutschen Mittelstand
Shopware oder Shopify - welches System passt besser zum deutschen Mittelstand? Dieser Vergleich zeigt konkrete Preise, Stärken und Schwächen beider Plattformen anhand realer Projektdaten aus über 13 Jahren E-Commerce-Praxis.
Die Frage landet regelmäßig in meinem Posteingang: "Dawid, sollen wir Shopware nehmen oder Shopify?" Meistens kommt sie von Mittelständlern mit 5 bis 50 Mitarbeitern, einem gewachsenen Sortiment und dem Wunsch, endlich professionell online zu verkaufen - oder von Händlern, die mit ihrer aktuellen Plattform nicht mehr glücklich sind. Ich beantworte diese Frage seit 13 Jahren, und die ehrliche Antwort ist immer dieselbe: Es kommt darauf an. Aber worauf genau, das erkläre ich hier.
Dieser Artikel ist kein Werbetext für eine der beiden Plattformen. Ich habe über 120 E-Commerce-Projekte umgesetzt, darunter Shops auf beiden Systemen, und ich kenne die Punkte, an denen beide versagen. Zahlen, Preise und rechtliche Rahmenbedingungen beziehen sich auf den deutschen Markt und den Stand Mitte 2026.
Wer steckt hinter den Systemen - und warum das für den Mittelstand relevant ist
Shopware wurde 1999 in Schöppingen, Westfalen gegründet und ist bis heute ein deutsches Unternehmen. Das Open-Source-Modell (Shopware 6 basiert auf Symfony und API-first-Architektur) bedeutet: Sie haben vollen Zugriff auf den Quellcode, können die Plattform beliebig erweitern und auf eigenen oder deutschen Servern betreiben. Laut EHI-Studie vom Oktober 2025 ist Shopware zum vierten Mal in Folge das meistgenutzte Shopsystem unter den 1.000 umsatzstärksten B2C-Onlineshops in Deutschland - mit einem Marktanteil von 11,5 % im Top-Segment.
Shopify wurde 2006 in Ottawa, Kanada gegründet und ist heute börsennotiert. Das SaaS-Modell bedeutet: Hosting, Updates und Sicherheit sind inklusive, aber Sie haben keinen direkten Serverzugriff und sind an Shopifys Infrastruktur gebunden. In einer breiteren Markterhebung über alle deutschen Shopsysteme führt Shopify mit 31,7 % Marktanteil vor Shopware (25,7 %) und JTL-Shop (14 %).
Preismodelle - was Sie wirklich zahlen
Hier liegt einer der häufigsten Irrtümer: Der Vergleich auf Basis des Listenpreises. Beide Plattformen haben Kosten, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.
Shopware 2026: Die Community Edition ist seit März 2025 nur noch bis zu einem Bruttoumsatz (GMV) von 1 Million Euro pro Jahr kostenlos nutzbar. Wer diese Grenze überschreitet, wechselt auf Rise (ab 600 Euro/Monat), Evolve (ab 2.400 Euro/Monat) oder Beyond (ab 6.500 Euro/Monat). Hinzu kommen Hosting (typisch 80 bis 300 Euro/Monat bei deutschen Providern), Agentur-Retainer für Updates und Weiterentwicklung (500 bis 3.000 Euro/Monat je nach Komplexität) sowie Plugin-Kosten. Shopware-Projekte für den Mittelstand kosten in der Umsetzung erfahrungsgemäß 35.000 bis 90.000 Euro bei einer externen Agentur.
Shopify 2026: Die Standard-Pläne kosten 29 Euro (Basic), 79 Euro (Grow) und 229 Euro (Advanced) pro Monat. Dazu kommen Apps - ein professioneller Mittelstands-Shop braucht realistisch 8 bis 15 Apps, was 150 bis 500 Euro monatlich bedeutet. Wer nicht Shopify Payments nutzt, zahlt zusätzliche Transaktionsgebühren: 2 % auf dem Basic-Plan, 1 % auf Grow, 0,6 % auf Advanced. Bei einem Monatsumsatz von 50.000 Euro sind das 300 bis 1.000 Euro extra pro Monat - nur für die Plattform. Shopify Plus beginnt bei 2.300 US-Dollar pro Monat und ist für die meisten Mittelständler erst bei deutlich über 100.000 Euro Monatsumsatz wirtschaftlich.
Kostenvergleich Mittelstand (monatlich)
| Kriterium | Shopware (Rise) | Shopify (Advanced) |
|---|---|---|
| Lizenz/Abo | 600 € | 229 € |
| Hosting | 80-300 € | inklusive |
| Apps/Plugins | 200-800 € | 150-500 € |
| Transaktionsgebühren | keine | 0 % (mit Shopify Payments) |
| Entwicklungsretainer | 500-3.000 € | 200-1.500 € |
| Realistische Gesamtkosten | 1.400-4.800 € | 600-2.400 € |
Shopify-Transaktionsgebühren bei externen Zahlungsanbietern werden oft übersehen. Bei 50.000 Euro Monatsumsatz auf dem Advanced-Plan ohne Shopify Payments zahlen Sie 300 Euro extra - pro Monat, jedes Jahr. Das sind 3.600 Euro jährlich nur für die Wahl des Zahlungsanbieters.
B2B-Funktionen - wo Shopware seinen Vorsprung hat
Ein Großteil meiner Kunden im deutschen Mittelstand verkauft nicht nur an Endverbraucher. Handelsvertreter, Großabnehmer, Stammkunden mit Sonderkonditionen - das ist die Realität. Hier zeigt sich der größte strukturelle Unterschied zwischen den beiden Plattformen.
Shopware bringt native B2B-Features in der Evolve-Edition: Kundengruppen mit individuellen Preislisten, Nettokauf mit USt-ID-Validierung, Angebotsprozesse, Digital Sales Rooms und tiefe ERP-Anbindungsmöglichkeiten (SAP, Navision, Dynamics 365) über offene APIs. Ein Kunde aus dem Großhandel in Nordrhein-Westfalen, den ich 2024 beraten habe, konnte seine komplexe Preisstruktur mit 12 Kundengruppen und staffelweise rabattierten Gebindepreisen direkt in Shopware abbilden - ohne eine einzige zusätzliche App.
Shopify hat in den letzten Jahren aufgeholt, aber echte B2B-Funktionen (native Firmenprofile, Nettokauf, individuelle Preislisten) gibt es erst ab Shopify Plus. Darunter sind Workarounds mit Apps nötig, die zusätzliche Kosten verursachen und nie ganz so sauber integriert sind wie native Lösungen. Außerdem gibt es bekannte Probleme bei der Übergabe von Nettopreisen an Verkaufskanäle wie Google Shopping oder Facebook, was zu nicht-konformen Preisanzeigen führen kann.
Bei einem Projekt für einen deutschen Hersteller von Industriezubehör mit starkem B2B-Anteil war die Entscheidung schnell klar: Shopify Plus wäre auf dasselbe Preisniveau wie Shopware Evolve gekommen - aber ohne die nativen B2B-Features. Shopware gewann.
B2B-Funktionsvergleich
| B2B-Funktion | Shopware 6 (Evolve) | Shopify Plus |
|---|---|---|
| Native Kundengruppen | ja | ja |
| Individuelle Preislisten | ja | ja |
| Nettopreise mit USt-ID-Validierung | ja | ja (mit Einschränkungen) |
| Angebotsworkflows | ja | nein (nur Apps) |
| Digital Sales Rooms | ja | nein |
| ERP-Tiefenintegration | sehr gut | gut (Middleware nötig) |
| Geschlossener B2B-Bereich | ja | ja |
Flexibilität und Entwicklung - wo das "Made in Germany" wirklich zählt
Shopware ist Open Source. Das klingt abstrakt, hat aber konkrete Konsequenzen: Wenn Ihr Geschäftsprozess etwas Ungewöhnliches erfordert - eine spezielle Lagerverwaltungslogik, ein individueller Bestellworkflow, eine Integration in ein älteres ERP-System - dann kann ein Entwickler tief in die Plattform eingreifen, ohne auf Shopify zu warten, dass sie eine Funktion freischaltet.
Shopify ist SaaS: Was Shopify nicht erlaubt, ist nicht möglich - oder erfordert sehr kreative Workarounds. Das Checkout-Erlebnis lässt sich mit Checkout Extensibility zwar anpassen, aber nur innerhalb der Grenzen, die Shopify setzt. Der Vorteil: Updates, Sicherheitspatches und Infrastruktur liegen komplett bei Shopify. Kein Shopware-Update, das die Agentur vergisst, kein Hosting-Ausfall, der nicht in Ihre Verantwortung fällt.
Für einen Händler mit klaren, stabilen Prozessen ist diese SaaS-Logik ein Segen. Für einen Mittelständler mit gewachsener IT-Landschaft, der seine Shopfloor-Logik, sein ERP und seinen Shop eng verknüpfen will, kann sie zur Falle werden.
Vorteile
- Vollständige Code-Kontrolle und individuelle Erweiterbarkeit
- Hosting auf deutschen/EU-Servern für DSGVO-Souveränität
- Native B2B-Features ohne teure App-Abhängigkeiten
- Starke Community und Agenturlandschaft in Deutschland
- Keine Transaktionsgebühren an die Plattform
Nachteile
- Höherer Einrichtungsaufwand, längere Time-to-Market
- Hosting und Updates liegen in eigener Verantwortung
- Lizenzkosten ab 1 Mio. Euro GMV nicht mehr gratis
- Kleinerer globaler App-Marketplace als Shopify
Shopify: Stärken, die man nicht kleinreden sollte
Es wäre unfair, Shopify nur durch die B2B-Brille zu betrachten. Für viele Mittelständler - besonders im D2C-Bereich mit klaren Produkten und internationalem Wachstumsziel - ist Shopify schlicht die bessere Wahl.
Die Onboarding-Geschwindigkeit ist ungeschlagen: Ein professioneller Shop auf einem Shopify-2.0-Theme kann in 4 bis 8 Wochen live gehen, ohne eine einzige Zeile Custom-Code. Für Shopware-Projekte gleicher Komplexität planen wir typisch 3 bis 6 Monate ein. Wer schnell testen will, ob ein Produkt im deutschen Markt funktioniert, spart mit Shopify Monate.
Der globale App-Marketplace mit über 8.000 Erweiterungen bedeutet, dass fast jede Anforderung bereits von jemandem gelöst wurde. Besonders im Bereich Marketing-Automatisierung, Klaviyo-Integration, Loyalty-Programme und Social Commerce ist das Shopify-Ökosystem deutlich breiter als das Shopware-Ökosystem.
Multi-Währung, mehrsprachige Märkte und internationale Expansion funktionieren mit Shopify Markets erstaunlich gut out-of-the-box. Das ist relevant für Mittelständler, die von Deutschland aus nach Österreich, in die Schweiz oder in den nicht-europäischen Raum expandieren wollen.
Vorteile
- Sehr schnelle Markteinführung (4-8 Wochen möglich)
- Hosting, Updates, Sicherheit komplett inklusive
- Enormes App-Ökosystem mit 8.000+ Erweiterungen
- Shopify Markets für internationale Expansion
- Starke Anbindung an Social Commerce (TikTok, Instagram, Pinterest)
Nachteile
- Transaktionsgebühren bei externen Zahlungsanbietern (0,6-2 %)
- Checkout-Anpassung nur innerhalb Shopify-Grenzen
- Volle B2B-Features erst ab Shopify Plus
- Daten auf US-Infrastruktur (DSGVO-Nachweispflicht komplexer)
- Monatliche App-Kosten kumulieren schnell
DSGVO, TDDDG und Datenschutz - ein unterschätzter Entscheidungsfaktor
Dieser Punkt wird im Mittelstand häufig unterschätzt, bis der erste Anwaltsbrief kommt. Das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG, bis Mai 2024 TTDSG) und die DSGVO legen klare Anforderungen an Cookie-Consent, Auftragsverarbeitung und Datenspeicherung fest.
Shopify ist ein US-amerikanisches Unternehmen. Für einen DSGVO-konformen Betrieb müssen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit Shopify abschließen und sicherstellen, dass Ihr Cookie-Consent-Management den deutschen Anforderungen entspricht. Das ist machbar - aber es erfordert sorgfältige Einrichtung und regelmäßige Überprüfung. Das Digitalgesetz (DDG), das seit 2024 das Telemediengesetz ablöst, hat weitere Anforderungen an Impressumspflichten und Informationspflichten mit sich gebracht.
Shopware können Sie auf deutschen oder EU-Servern betreiben - zum Beispiel bei Hetzner, IONOS oder all-inkl. Ihre Kundendaten verlassen die EU nicht. Das vereinfacht die datenschutzrechtliche Dokumentation erheblich und ist für viele meiner Mittelstandskunden ein konkretes Verkaufsargument gegenüber ihren eigenen Kunden.
Ich bin Webentwickler, kein Anwalt oder Steuerberater. Für Fragen zur konkreten Datenschutzkonformität Ihres Shops - ob auf Shopify oder Shopware - empfehle ich eine Beratung durch einen auf IT-Recht spezialisierten Anwalt. Die Rechtslage ändert sich schnell.
Das BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz) gilt seit dem 28. Juni 2025 für nahezu alle B2C-Onlineshops. Kleinstunternehmen unter 10 Mitarbeitern und 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind grundsätzlich befreit, sofern sie keine betroffenen Produkte vertreiben. Shopware 6.7 hat mit dem Pflicht-Update auf das neue Standard-Theme die WCAG-2.1-AA-Konformität deutlich verbessert. Shopify-Themes der 2.0-Generation (Dawn, Impulse und andere) decken laut aktuellen Audits rund 80 % der Anforderungen ab - das Restliche muss individuell nachgerüstet werden.
E-Rechnung, Widerrufsbutton und weitere deutsche Rechtspflichten
Für den deutschen Mittelstand kommen seit 2024/2025 mehrere neue Rechtspflichten dazu, die bei der Systemwahl eine Rolle spielen.
Die Empfangspflicht für E-Rechnungen gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2025 für alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen im B2B-Bereich. Shopware bietet über Plugins (z.B. für Lexoffice, Sevdesk oder Datev) native Anbindungen für die ZUGFeRD- und XRechnung-Formate. Shopify löst das ebenfalls über Apps, die Auswahl für den deutschen Markt ist aber kleiner.
Der verpflichtende Kündigungsbutton ("Widerrufsbutton" für Abonnementverträge) tritt in erweiterter Form ab dem 19. Juni 2026 in Kraft - falls Ihr Shop Abonnementprodukte verkauft, müssen Sie das auf beiden Plattformen aktiv umsetzen, da keine der beiden Plattformen das automatisch abbildet.
Die GPSR (General Product Safety Regulation) gilt seit dem 13. Dezember 2024 vollständig für alle Produktbeschreibungen - konkrete Sicherheitsinformationen, Herstellerangaben und Warnhinweise sind jetzt Pflicht. Das betrifft Content-Felder, keine spezifische Plattform-Funktion, ist aber ein Argument für ein System, das flexible Produktattribute und benutzerdefinierte Felder erlaubt - beides bieten Shopware und Shopify Plus.
Checkliste: Rechtliche Anforderungen DE 2025/2026
- DSGVO-konformer AVV mit Plattformanbieter abgeschlossen
- TDDDG-konformes Cookie-Consent-Management aktiv
- Impressumspflicht nach DDG erfüllt
- BFSG-Konformität (WCAG 2.1 AA) geprüft und dokumentiert
- E-Rechnung-Empfangspflicht (seit 01.01.2025) sichergestellt
- GPSR-Pflichtfelder in Produktbeschreibungen vorhanden
- Widerrufsbutton für Abonnements (ab 19.06.2026) vorbereitet
Hosting und Performance - was "Self-hosted" für den Shopbetrieb bedeutet
Ein Punkt, der in fast jedem Shopware-Gespräch kommt: "Wir müssen uns also selbst um Hosting und Updates kümmern?" Ja - und das ist weder gut noch schlecht, es ist eine Entscheidung.
Shopware auf einem dedizierten deutschen Server (z.B. bei Hetzner ab 40 Euro/Monat für eine kleine Instanz, realistisch 80 bis 300 Euro für Mittelstand-Setups mit Redis, Elasticsearch und CDN) gibt Ihnen volle Kontrolle über Performance und Daten. Mit einem professionellen Managed-Hosting-Partner (Profihost, maxcluster, raidboxes.de für WooCommerce/PHP) können Sie den Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren. Shopware bietet auch eine eigene Cloud-Option in den Rise/Evolve/Beyond-Plänen, die Hosting inklusive hat.
Shopify kümmert sich um alles: Loadbalancing, CDN (Fastly), automatische Updates, DDoS-Schutz. Die Shopify-Infrastruktur ist für hohe Lastspitzen ausgelegt - Black Friday mit 100.000 gleichzeitigen Besuchern ist für Shopify Alltag. Für einen Mittelständler, der keine eigene IT-Abteilung hat, ist das ein echter Vorteil.
Shopware Cloud (in den bezahlten Editionen) nimmt dem Händler die Hosting-Verantwortung ab. Wer trotzdem Self-hosted betreiben will, sollte mindestens einen Managed-Hosting-Partner einplanen - pure Root-Server-Verwaltung kostet mehr Stunden als die Hosting-Ersparnis wert ist.
Wann welches System die richtige Wahl ist
Nach 13 Jahren Praxis und mehr als 120 Projekten zeichnen sich klare Muster ab. Ich nenne keine absoluten Regeln - die gibt es nicht - aber verlässliche Richtlinien.
Shopware ist tendenziell die bessere Wahl, wenn: Sie komplexe B2B-Anforderungen haben (Kundengruppen, Nettopreise, Angebotsworkflows), wenn ERP-Tiefenintegration nötig ist, wenn Datensouveränität auf deutschen Servern ein Geschäftskriterium ist, wenn Ihr Team oder Ihre Agentur PHP/Symfony-Erfahrung hat, wenn individuelle Checkout-Logik oder spezifische Geschäftsprozesse abgebildet werden müssen, oder wenn Sie langfristig auf eine Plattform ohne Vendor-Lock-in setzen wollen.
Shopify ist tendenziell die bessere Wahl, wenn: Sie möglichst schnell live gehen wollen (D2C, Markteinführung neuer Produkte), wenn Ihr Team keine Entwickler hat und App-basiertes Management bevorzugt, wenn internationale Expansion in nicht-EU-Märkte ein zentrales Ziel ist, wenn Ihr Sortiment klar und strukturiert ist ohne komplexe Varianten-/Preislogik, oder wenn Sie maximale Stabilität ohne Hosting-Verantwortung priorisieren.
Entscheidungshilfe nach Anwendungsfall
| Szenario | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| B2B-Großhandel mit Preisgruppen | Shopware | Native Features, keine App-Abhängigkeit |
| D2C-Launch neues Produkt | Shopify | Schnell live, geringer Entwicklungsaufwand |
| ERP-Integration (SAP/Navision) | Shopware | Offene API, voller Datenbankzugriff |
| Internationaler Rollout EU+US | Shopify | Markets-Feature, globale Infrastruktur |
| Datanchutz-sensibler Sektor | Shopware | EU-Hosting, volle Datenkontrolle |
| KMU ohne eigene IT | Shopify | Hosting und Updates inklusive |
| Komplexer individueller Checkout | Shopware | Kein SaaS-Lock-in |
Was die meisten Vergleiche falsch machen
Die häufigste Fehlannahme ist, Shopware als "das teurere, komplizierte Deutsche" und Shopify als "das günstige, einfache Internationale" zu betrachten. Das stimmt in dieser Pauschalität nicht.
Shopify wird teuer, sobald Apps, Transaktionsgebühren und Agenturkosten eingerechnet werden. Wer auf dem Advanced-Plan mit externen Zahlungsanbietern 80.000 Euro Monatsumsatz macht, zahlt allein für die Plattform-Transaktionsgebühren fast 500 Euro im Monat - oder 6.000 Euro im Jahr. Dazu kommen 10 bis 15 kostenpflichtige Apps. Die TCO-Differenz zu Shopware schrumpft deutlich.
Shopware wird einfacher, sobald Sie einen erfahrenen Agenturpartner haben und klar wissen, was Sie brauchen. Die gefühlte Komplexität kommt oft nicht vom System, sondern von schlecht definierten Anforderungen am Projektstart. Wenn ich bei einem Kunden aus dem Bereich Heimtextilien (Projekt 2023, Hamburg) im Kickoff-Workshop 3 Stunden damit verbringe, die tatsächlichen B2B-Anforderungen zu strukturieren, läuft das Shopware-Projekt danach reibungslos.
Die entscheidende Frage ist nicht "Was ist das bessere System?", sondern "Was kostet mich welches System in drei Jahren - technisch, wirtschaftlich und personell?". Für einen detaillierten Online-Shop-Vergleich für Ihren spezifischen Fall schauen Sie sich gerne meinen Überblick zu Online-Shops an, oder lesen Sie meinen Leitfaden zum Schritt-für-Schritt-Aufbau eines Onlineshops sowie den konkreten WooCommerce-Leitfaden für Deutschland 2026.
Migration: Wenn Sie wechseln wollen
Ein Wechsel zwischen den Systemen ist immer aufwendig - das sollte niemand unterschätzen. Aus der Praxis: Eine sauber durchgeführte Migration (Produktdaten, Kundendaten, historische Bestellungen, SEO-URLs, Reviews) kostet zwischen 15.000 und 60.000 Euro Agenturaufwand, abhängig von Sortimentsgröße und Systemkomplexität. Dazu kommt typisch ein temporärer SEO-Ranking-Einbruch von 20 bis 40 % über 3 bis 6 Monate, selbst wenn alle 301-Weiterleitungen korrekt gesetzt werden.
Wenn Sie von Shopware auf Shopify wechseln wollen (oder umgekehrt), sollten Sie mindestens ein Jahr TCO auf beiden Systemen durchrechnen, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Tools wie Shopifys eigener Migrationsleitfaden oder erfahrene Agenturen helfen dabei, die versteckten Kosten zu quantifizieren. Ich habe Mandanten erlebt, die nach einem teuren Shopify-Wechsel 18 Monate später zurück zu Shopware wollten - weil die B2B-Anforderungen im SaaS-Modell nicht abbildbar waren.
Wenn Sie Shopware 6 bereits einsetzen und neu einrichten wollen, empfehle ich meinen Shopware 6 Einrichtungsleitfaden 2026 als nächsten Schritt.
Mein Fazit nach 13 Jahren
Shopware oder Shopify - das ist keine Frage der Qualität, sondern der Passung. Beide Systeme sind 2026 ausgereifte Plattformen, die professionelle Online-Shops ermöglichen. Shopware gewinnt bei Flexibilität, B2B-Tiefe und Datensouveränität. Shopify gewinnt bei Geschwindigkeit, globalem Ökosystem und schlüsselfertigem Betrieb.
Für den deutschen Mittelstand mit gewachsener IT-Landschaft, erklärungsbedürftigen Produkten und B2B-Anteil ist Shopware 2026 häufig die strategisch klügere Wahl - aber nur, wenn eine erfahrene Agentur die Umsetzung begleitet. Für den Mittelständler, der schnell einen D2C-Kanal aufbauen will, ohne eigene Entwickler zu beschäftigen, ist Shopify oft der pragmatische Einstieg.
Wenn Sie nicht sicher sind, welche Plattform zu Ihrem konkreten Projekt passt, nehmen Sie gerne Kontakt auf. Ich schaue mir Ihre Situation an und sage Ihnen direkt, welches System Ihnen in drei Jahren weniger Kopfschmerzen bereitet.
Die Community Edition ist es - aber seit März 2025 nur noch bis zu einem Bruttoumsatz (GMV) von 1 Million Euro pro Jahr. Wer diese Grenze überschreitet, muss auf einen bezahlten Plan (Rise ab 600 Euro/Monat) wechseln. Alle Nutzer müssen außerdem ihren GMV über das offizielle Reporting-Plugin an Shopware melden. Shopware hat hier traditionell die Nase vorn: native Kundengruppen, individuelle Preislisten, Angebotsprozesse und tiefe ERP-Anbindung sind out-of-the-box dabei. Shopify bietet vergleichbare B2B-Features erst ab Shopify Plus (ab 2.300 US-Dollar/Monat) und ist damit deutlich teurer. Für reine B2B-Großhändler mit komplexen Workflows ist Shopware 2026 noch immer die stärkere Wahl. Der Plan allein kostet 29 bis 229 Euro pro Monat. Dazu kommen Apps (im Schnitt 150 bis 400 Euro/Monat für einen professionellen Shop), Theme-Kosten und - wenn Sie nicht Shopify Payments nutzen - Transaktionsgebühren von 0,6 bis 2 % auf jeden Umsatz. Eine realistische Monatsbasis für einen wachsenden Mittelständler liegt bei 500 bis 1.200 Euro laufender Plattformkosten, ohne Agenturarbeit. Shopify ist ein US-Unternehmen, das Server in den USA und weltweit betreibt. Für die Datenschutzkonformität nach DSGVO und TDDDG (ehemals TTDSG, seit Mai 2024 umbenannt) müssen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit Shopify abschließen und ein zertifiziertes Cookie-Consent-Management einsetzen. Das ist machbar, erfordert aber sorgfältige Einrichtung. Shopware lässt sich auf rein deutschen oder EU-Servern betreiben, was die Nachweispflicht erheblich vereinfacht. Ja - Shopify bietet über die Hydrogen-Plattform und die Storefront API eine vollwertige Headless-Lösung auf React-Basis. Individuelle Themes lassen sich mit Liquid (der Shopify-eigenen Template-Sprache) umsetzen. Shopware 6 hingegen setzt auf einen API-first-Ansatz mit Symfony und Vue.js und ist für Entwickler-Teams mit PHP/Symfony-Erfahrung oft zugänglicher. Shopify gewinnt bei Time-to-Market klar. Ein professioneller Shop kann in 4 bis 8 Wochen live gehen, wenn auf ein bewährtes Theme und Standard-Apps gesetzt wird. Shopware-Projekte im Mittelstand dauern erfahrungsgemäß 3 bis 6 Monate, da mehr individuelle Entwicklungsarbeit anfällt. Wer schnell testen will, ist mit Shopify besser bedient. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 für nahezu alle B2C-Onlineshops in Deutschland. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz - sofern sie keine vom Gesetz betroffenen Produkte vertreiben. Für alle anderen gilt die WCAG-2.1-AA-Norm. Ich bin Webentwickler, kein Anwalt - lassen Sie Ihre konkrete Situation rechtlich prüfen. Ein Plattformwechsel kostet im Mittelstand leicht 20.000 bis 60.000 Euro an Entwicklungs- und Migrationsaufwand, plus ein halbes Jahr mit erhöhtem Risiko. Die Frage sollte nicht 'Welches System ist allgemein besser?' sein, sondern 'Was kostet mich das aktuelle System in drei Jahren, verglichen mit dem neuen?' Wer mit Shopware gut aufgestellt ist, sollte nicht wechseln, nur weil Shopify im Marketing lauter ist - und umgekehrt.Häufige Fragen
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Welches System eignet sich besser für B2B im deutschen Mittelstand?
Was kostet ein Shopify-Shop im Mittelstand wirklich?
Wie sieht es mit der DSGVO und dem TDDDG bei Shopify aus?
Kann ich mit Shopify ein Headless-Setup oder ein individuelles Theme umsetzen?
Welches System ist für eine schnelle Markteinführung besser geeignet?
Gilt das BFSG auch für meinen Onlineshop?
Macht es Sinn, von Shopware zu Shopify zu wechseln (oder umgekehrt)?
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