Shopsystem wechseln: 9 Anzeichen, dass dein alter Shop dich bremst
Neun konkrete Warnsignale zeigen, wann ein Shopsystem-Wechsel unausweichlich wird: von langsamen Ladezeiten und fehlenden Schnittstellen bis zu offenen Rechtslücken. Wer die Signale ignoriert, zahlt mit Umsatz und Sicherheit.
Irgendwann kommt der Moment, in dem Sie mehr Zeit damit verbringen, Probleme in Ihrem Shop zu umgehen, als tatsächlich Ihr Geschäft zu entwickeln. Plugins, die sich gegenseitig blockieren. Ladezeiten, die im Mobilnetz inakzeptabel sind. Rechtliche Anforderungen, die Ihr System schlicht nicht abbilden kann. Das sind keine kleinen Unannehmlichkeiten - das sind Signale, dass Ihr Shopsystem Sie aktiv Umsatz kostet.
Ich arbeite seit 13 Jahren als WordPress- und WooCommerce-Entwickler, habe über 120 Shops aufgebaut oder migriert, und ich sehe dieselben Muster immer wieder. Nicht jedes Problem rechtfertigt einen Plattformwechsel. Aber einige tun es definitiv. Hier sind die neun Warnsignale, die ich bei Kundenprojekten als entscheidend erlebe - mit konkreten Schwellenwerten, Hintergründen und dem, was die meisten Ratgeber weglassen.
1. Ladezeiten, die Google und Ihre Kunden bestrafen
Ladezeit ist kein technisches Randthema mehr. Google hat im März 2026 den akzeptablen LCP-Grenzwert (Largest Contentful Paint) von 2,5 auf 2,0 Sekunden gesenkt. Seiten, die diesen Wert überschreiten, verlieren messbar organischen Traffic gegenüber schnelleren Wettbewerbern in derselben Nische. Und Shops mit optimierten Core Web Vitals erzielen laut aktueller Auswertungen durchschnittlich 25 Prozent mehr Konversionen als Vergleichsshops mit schlechten Werten.
Das Problem entsteht oft nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch das Zusammenwirken veralteter Architektur: ein Theme aus 2019, das seitenweise JavaScript lädt; ein Page Builder, der jeden Block mit eigenem CSS-File ausliefert; ein Hosting-Paket, das für 2015 ausgelegt wurde; ein Caching-Plugin, das mit dem System nie richtig kommuniziert. Bei diesen Konstellationen helfen keine kleinen Tweaks mehr.
Wenn Ihr aktuelles System trotz Server-Optimierung und aktivem Caching dauerhaft über 3 Sekunden LCP auf mobilen Endgeräten liegt, ist das keine Konfigurationsfrage mehr. Das ist eine Architekturfrage - und häufig der erste ernsthafte Grund für einen Systemwechsel.
2. Das Mobilgerät ist ein Stiefkind Ihres Shops
Fast 80 Prozent der Verbraucher nutzen ihr Smartphone beim Einkauf, um auf Händler-Websites zuzugreifen. In Deutschland shoppt ein Drittel der 16- bis 74-Jährigen mindestens einmal pro Woche online - mit wachsendem Smartphone-Anteil. Ein Shop, der auf Desktop funktioniert, aber auf dem iPhone hakelt, verliert täglich potenzielle Käufer.
Konkrete Symptome: Der Checkout passt sich nicht an kleine Bildschirme an. Produktbilder werden nicht responsiv skaliert. Filter auf Kategorieseiten sind auf dem Touchscreen kaum bedienbar. Formulare öffnen den falschen Tastaturtyp (Buchstaben statt Zahlen für PLZ-Felder). Das klingt kleinteilig, kostet aber real Konversionsrate.
Testen Sie Ihren Shop nicht im Desktop-Browser mit aktiviertem Mobilmodus - testen Sie ihn auf einem echten Gerät im echten Netz. Chrome DevTools verbergen viele Probleme, die nur auf einem physischen Smartphone sichtbar werden.
Bei einem Kunden aus dem Textilbereich haben wir nach der Migration von einer veralteten PrestaShop-Installation zu WooCommerce die mobile Konversionsrate innerhalb von drei Monaten mehr als verdoppelt - nicht durch Marketingmaßnahmen, sondern durch ein sauberes, mobiloptimiertes Theme und einen überarbeiteten Checkout-Prozess.
3. Fehlende Schnittstellen kosten Stunden täglich
Ein Shop, der isoliert arbeitet, skaliert nicht. Bestände, die manuell zwischen Shop und Warenwirtschaft abgeglichen werden müssen. Bestellungen, die per Hand in das ERP übertragen werden. Tracking-Nummern, die separat eingepflegt werden. Jede dieser manuellen Tätigkeiten ist fehleranfällig, kostet Zeit und verhindert Wachstum.
Das Problem tritt besonders häufig bei älteren Systemen auf, die keine offene REST-API oder unzureichende Webhook-Unterstützung bieten. Aktuelle Plattformen wie WooCommerce oder Shopware 6 bieten standardisierte APIs, über die sich Systeme wie Xentral, Billbee, Lexware oder JTL mit überschaubarem Aufwand anbinden lassen. Middleware-Lösungen wie Synesty oder Pipedream puffern und transformieren Daten zwischen Systemen.
Schnittstellen-Check: Was Ihr Shop können muss
- Bestellexport per API oder Webhook in Echtzeit
- Bidirektionaler Bestandsabgleich mit der Warenwirtschaft
- Automatische Übermittlung von Tracking-Nummern an Kunden
- Anbindung an mindestens einen Marktplatz (Amazon, Otto, Kaufland.de)
- Anbindung an Steuer-/Buchhaltungssoftware (DATEV, Lexware, Sevdesk)
- Produktdatenimport per CSV, XML oder Feed aus der Lieferantendatenbank
Wenn Sie für mehr als zwei dieser Punkte auf manuelle Prozesse angewiesen sind, zahlen Sie jeden Tag mit Zeit und Fehlerquote. Das ist ein starkes Argument für einen Plattformwechsel - oder zumindest für eine intensive Integrationsevaluation.
4. Ihr System hat kein Support-Netz mehr
Shopware 5 hat am 31. Juli 2024 das offizielle End-of-Life erreicht. Keine Sicherheitsupdates, keine Bug-Fixes, kein offizieller Support mehr. Wer heute noch einen Shopware-5-Shop betreibt, tut das auf eigene Gefahr: Sicherheitslücken bleiben offen, Plugins werden nicht mehr kompatibel weiterentwickelt, und der PHP-Stack darunter (oft noch 7.4 oder 8.0, beide ohne Sicherheitspflege) macht das Risikobild komplett.
Dasselbe galt für Magento 1 (EOL bereits 2020) und gilt für alle proprietären Systeme, die ihre Weiterentwicklung eingestellt haben oder deren Anbieter nicht mehr existiert. Ein End-of-Life-System ist keine technische Kuriosität - es ist eine Haftungsfrage.
Vorteile
- Bekannte Systemlogik, kein Einarbeitungsaufwand
- Vorhandene Konfiguration und Anpassungen bleiben erhalten
- Kein Migrationsrisiko kurzfristig
Nachteile
- Keine Sicherheitsupdates - offene Lücken bleiben dauerhaft bestehen
- Inkompatibilität mit aktuellen PHP-Versionen steigt
- Plugins werden eingestellt oder nicht mehr weiterentwickelt
- Rechtliche Compliance wird schwieriger oder unmöglich
- Versicherungsschutz bei Datenpannen kann entfallen
Bei einem Kunden aus dem Sportbereich haben wir 2025 eine Shopware-5-Installation übernommen, die seit 18 Monaten ohne Updates lief. Nach dem ersten Sicherheits-Scan fanden sich drei bekannte, öffentlich dokumentierte Schwachstellen - eine davon mit einem CVSS-Score von 9,1 (kritisch). Der Wechsel zu WooCommerce war zu diesem Zeitpunkt keine Option mehr, sondern Pflicht.
5. Rechtslücken, die bares Geld kosten können
Der deutsche Rechtsrahmen für Online-Shops hat sich in den letzten 24 Monaten erheblich verändert. Systeme, die diese Änderungen nicht nativ abbilden können, erzwingen aufwendige Workarounds - oder lassen die Lücken schlicht offen. Ich bin Webentwickler und kein Rechtsanwalt, daher empfehle ich für konkrete rechtliche Einschätzungen immer einen Fachanwalt oder einen spezialisierten Dienst wie IT-Recht Kanzlei oder eRecht24. Technisch sehe ich jedoch folgende kritische Punkte:
BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz): Gilt seit dem 28. Juni 2025 für alle Online-Shops mit Verbraucherverträgen. Anforderungen umfassen unter anderem Alt-Texte für Bilder, ausreichende Farbkontraste, Tastaturbedienbarkeit aller Funktionen und eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf der Website. Bußgelder können bis zu 100.000 Euro erreichen. Ältere Systeme bieten oft keine technische Grundlage für eine WCAG-konforme Umsetzung.
Widerrufsbutton: Seit dem 19. Juni 2026 Pflicht für alle Shops, die online Verträge mit Verbrauchern schließen. Die Umsetzung in modernen Systemen dauert wenige Tage - in Legacy-Systemen ohne offene Codebasis kann sie Monate erfordern oder schlicht unmöglich sein. Fehlende Umsetzung kostet bis zu 50.000 Euro Bußgeld.
E-Rechnung (B2B): Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle deutschen Unternehmen in der Lage sein, E-Rechnungen im Format XRechnung oder ZUGFeRD zu empfangen. Wer B2B-Kunden beliefert, kommt an einer Integration nicht vorbei. Die Übergangsfrist für das Ausstellen endet schrittweise bis Ende 2027.
Rechtliche Pflichten für Online-Shops 2025/2026
| Regelung | Gültig seit | Bußgeld | Systemabhängig |
|---|---|---|---|
| BFSG Barrierefreiheit | 28.06.2025 | bis 100.000 EUR | Ja - stark systemabhängig |
| Widerrufsbutton | 19.06.2026 | bis 50.000 EUR | Ja - 3-5 Tage Implementierung |
| E-Rechnung Empfang | 01.01.2025 | indirekt haftungsrelevant | Plugin oder Middleware nötig |
| DSGVO Cookie-Einwilligung (TDDDG) | seit 2021, verschärft | bis 20 Mio. EUR | Ja - depends on CMP-Integration |
| GPSR Produktkennzeichnung | ab 19.02.2026 | zivilrechtlich | Ja - manuelle oder API-gestützt |
6. Skalierbarkeit: Der Shop knickt unter Last ein
Sie bereiten eine Marketingkampagne vor, der Influencer postet, und der Shop ist 40 Minuten nicht erreichbar. Oder: Black Friday, der Checkout bricht zusammen, Kunden brechen ab, der Umsatz des wichtigsten Tages im Jahr geht verloren. 35 Prozent der Händler nennen in Befragungen unzureichende Skalierbarkeit als Hauptgrund für einen Systemwechsel.
Das Problem liegt meist nicht am Hosting allein. Manche Shopsysteme sind fundamental single-threaded entworfen, können keine horizontale Skalierung nutzen und erzeugen pro Request eine Datenbankverbindung, die unter Last kollabiert. Moderne Cloud-native Architekturen mit Auto-Scaling - wie sie Shopware 6 Cloud oder WooCommerce auf einem konfigurierten VPS ermöglichen - reduzieren dieses Risiko erheblich. Voraussetzung ist aber eine zustandslose Anwendung, die Skalierung überhaupt erlaubt.
Ein konkretes Vorgehen: Testen Sie vor jeder Kampagne mit k6 oder Loader.io eine Basislast von 200 bis 500 gleichzeitigen Nutzern über 10 Minuten. Wenn die durchschnittliche Antwortzeit über 2 Sekunden steigt oder einzelne Requests über 5 Sekunden dauern, haben Sie einen Flaschenhals im System. Häufige Ursachen: kein Full-Page-Cache für eingeloggte Nutzer, unkomprimierte Produktbilder, ein WooCommerce-Session-Handler, der jede Seite eine neue Datenbanktransaktion öffnet. Diese Probleme lassen sich teils beheben - wenn das System aber überhaupt keine Horizontalskalierung unterstützt, ist Patchen eine Sackgasse.
Skalierbarkeit lässt sich mit einem einfachen Loadtest prüfen. Tools wie k6 oder Loader.io simulieren mehrere hundert gleichzeitige Nutzer. Wenn Ihr Shop bei 200 gleichzeitigen Besuchern über 5 Sekunden Antwortzeit zeigt, haben Sie ein strukturelles Problem - kein Hosting-Problem.
7. Ihre Entwickler kennen das System nicht mehr
Dieses Signal wird unterschätzt. Wenn Ihr internes Team oder Ihre Agentur für jede kleine Anpassung Stunden benötigt, weil das System eigenwillige Eigenlogiken, undokumentierte Hooks oder eine proprietäre Template-Engine hat, zahlen Sie für jede Weiterentwicklung überproportional viel.
WooCommerce hat weltweit über 5 Millionen aktive Installationen und eine riesige Entwicklercommunity. Offene Fragen finden sich in Minuten auf Stack Overflow, in der offiziellen Dokumentation oder in den Support-Foren. Das senkt nicht nur die Stundensätze für externe Entwickler, sondern auch die Zeit für Einarbeitung, Fehlersuche und Customizing. Für einen WooCommerce-Onlineshop in Deutschland aufzubauen finden sich heute ausgereifte Starter-Templates, rechtskonforme Plugin-Kombinationen und aktive deutschsprachige Communities.
Wenn das Gegenteil gilt - wenn neue Entwickler Wochen brauchen, um sich einzuarbeiten, wenn die Dokumentation veraltet ist, wenn Stack Overflow keine Antworten liefert - dann ist die Plattform zu einem Engpass geworden.
Ein weiterer Aspekt: Vendor-Lock-in. Bei proprietären Cloud-Systemen ohne API-Export haben Sie im schlechtesten Fall keinen vollständigen Datenzugang zu Ihrem eigenen Produktkatalog, Ihren Kundendaten oder Ihrer Bestellhistorie. Systeme wie WooCommerce speichern alles in einer Standard-MySQL-Datenbank, die Sie jederzeit exportieren, kopieren und migrieren können. Wenn Ihr aktuelles System das nicht bietet, ist die Abhängigkeit vom Anbieter ein eigenständiges Risiko - unabhängig davon, ob das System heute gut funktioniert.
8. Content und SEO funktionieren nicht aus dem System heraus
Moderner E-Commerce ist ohne Content-Marketing nicht wettbewerbsfähig. Produktbeschreibungen, Kategorieinhalte, ein Blog mit echter Beratungskompetenz - all das braucht eine flexible CMS-Schicht. Wer das Shopsystem wechseln will und dabei auch SEO verbessern möchte, muss prüfen, ob das neue System strukturierte Daten (Schema.org), saubere Canonical-Tags, anpassbare Metadaten auf Kategorie- und Produktebene sowie eine schlanke URL-Struktur ermöglicht.
Shopsysteme ohne natives CMS erzwingen Kompromisse: Inhalte werden außerhalb gepflegt und nicht mit dem Shop synchronisiert. URL-Strukturen sind starr. Kategorieseiten lassen sich kaum redaktionell anreichern. Das kostet organische Sichtbarkeit.
Wenn Sie selbst einen Online-Shop erstellen oder erstellen lassen müssen, sollte die Content-Fähigkeit von Anfang an Teil der Systementscheidung sein - nicht ein Nachgedanke.
Bei einem Kunden aus dem Heimtextilbereich haben wir nach dem Wechsel von einem reinen Shopsystem auf WooCommerce innerhalb von sechs Monaten 34 Prozent mehr organischen Traffic gewonnen - nicht durch ein anderes Keyword-Targeting, sondern weil wir erstmals Kategorieseiten mit redaktionellem Kontext, FAQ-Sektionen und Produktratgebern ausstatten konnten. Das vorherige System erlaubte auf Kategorieseiten maximal einen kurzen Einleitungstext ohne Formatierungsmöglichkeiten. Google honoriert diesen inhaltlichen Unterschied messbar.
Für die interne Verlinkung gilt dasselbe: Wer auf dem Shop Bloginhalte, Ratgeberseiten und Produktseiten miteinander verknüpft, stärkt die thematische Autorität in den Augen des Algorithmus. Systeme, bei denen Shop und Blog getrennte Instanzen sind, erschweren diese Vernetzung erheblich.
Google bewertet E-Commerce-Seiten zunehmend nach dem E-E-A-T-Prinzip (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness). Ein Shopsystem, das keine redaktionellen Inhalte ermöglicht, schneidet hier strukturell schlechter ab als eines mit vollwertiger CMS-Komponente.
9. Die Gesamtkosten des Betriebs übersteigen den Nutzen
Hier spricht der Kaufmann. Shopsysteme haben sichtbare und unsichtbare Kosten. Die sichtbaren: Lizenz- oder Abogebühren, Hosting, Plugin-Abonnements. Die unsichtbaren: Entwicklerstunden für Workarounds, entgangener Umsatz durch Conversion-Probleme, Support-Kosten für Fehler, die das System selbst produziert.
SaaS-Plattformen wie Shopify wirken auf den ersten Blick teurer als eine selbst gehostete Lösung - aber nur, wenn man die echten Gesamtkosten nicht rechnet. Wer für einen WooCommerce-Shop auf einem vernünftigen Hosting-Paket sitzt und Plugins und Wartung einrechnet, landet realistisch bei 100 bis 400 Euro monatlich. Shopware Rise beginnt bei 600 Euro monatlich für Hosting, Support und erweiterte Funktionen.
Der entscheidende Vergleich ist nicht System A gegen System B - sondern: Was kostet es mich, auf dem aktuellen System zu bleiben, im Vergleich zu dem, was ein Wechsel bringt? Ein guter Ausgangspunkt ist unsere Seite zu Online-Shops, wo ich verschiedene Aufbaumodelle und Preisrahmen erläutere.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme sollte folgende Posten addieren: monatliche Plugin-Lizenzen, Hosting-Kosten, externe Entwicklerstunden für Anpassungen, interne Mitarbeiterstunden für manuelle Prozesse, plus die entgangene Konversion durch Performance-Mängel. Ich erlebe regelmäßig, dass Kunden glauben, auf einem kostenlosen Open-Source-System zu sitzen - und dann merken, dass sie pro Monat 400 bis 800 Euro für Plugin-Abonnements zahlen, plus 10 Stunden Entwicklerzeit für Probleme, die ein aktuelles System gar nicht hätte. Das ist kein hypothetischer Wechselgrund, sondern Mathematik.
Kostenvergleich: Altes System behalten vs. wechseln
| Kostenkategorie | Altes System (typisch) | Neues System (WooCommerce/SW6) |
|---|---|---|
| Monatliche Lizenz/Abo | 0-200 EUR (oft unterschätzt) | 100-400 EUR (WooCommerce) |
| Entwicklerstunden Workarounds | 8-20 h/Monat | 1-4 h/Monat nach Migration |
| Conversion-Verlust (langsam/mobil) | messbar 10-30% unter Potenzial | auf Niveau Marktdurchschnitt |
| Rechtliche Compliance | teuer oder nicht möglich | nativ oder mit Standard-Plugin |
| Skalierung bei Lastspitzen | manuell, riskant | Auto-Scaling möglich |
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel?
Die ehrliche Antwort: früher als gedacht. Nicht, wenn der Shop zusammenbricht. Nicht direkt vor dem Weihnachtsgeschäft. Der ideale Zeitpunkt ist außerhalb der Hochsaison, mit einem ausreichend großen Zeitpuffer von 8 bis 16 Wochen für Planung, Migration, Test und Einlaufbetrieb. Wer unter Druck wechselt, macht Fehler bei der Datenmigration, vergisst Weiterleitungen und verliert SEO-Rankings, die sich in Monaten aufgebaut haben.
Die Migration selbst ist kein Hexenwerk, aber sie verlangt Struktur. Alle Produkt-, Kunden- und Bestelldaten müssen sauber exportiert und importiert werden. Bestehende URLs brauchen 301-Weiterleitungen. Das neue System muss in einer Staging-Umgebung ausgiebig getestet werden, bevor der DNS umgestellt wird. Wie lange das realistisch dauert, erkläre ich im Detail im Artikel über den Zeitplan für die Erstellung eines Online-Shops.
Checkliste: Ist ein Shopsystem-Wechsel für Sie fällig?
- Ladezeit auf Mobilgerät über 3 Sekunden trotz Caching und Optimierungsversuchen
- Wichtige Schnittstellen fehlen und lassen sich nicht nachrüsten
- Das System läuft ohne offizielle Sicherheitsupdates (End of Life)
- Barrierefreiheit (BFSG) lässt sich nicht regelkonform umsetzen
- Widerrufsbutton oder andere Rechtspflichten nicht implementierbar
- Shop bricht bei Lastspitzen (Black Friday, Kampagnen) regelmäßig ein
- Jede Änderung kostet überproportional viel Entwicklungszeit
- SEO und Content sind im System strukturell benachteiligt
- Gesamtbetriebskosten übersteigen den Nutzen unter realistischer Rechnung
Was nach dem Wechsel passiert - und was die meisten Guides verschweigen
Eine Migration ist kein Selbstläufer. Shops, die gut vorbereitet sind, sehen oft schon in den ersten drei bis sechs Monaten nach dem Go-live deutliche Verbesserungen in Ladezeit, Mobilkonversion und organischem Traffic. Der häufig zitierte Durchschnitt von 47 Prozent mehr Konversion nach Replatforming ist real - aber nur für Shops, die das Ziel-System auch korrekt aufsetzen und nicht nur die Daten kopieren.
Was viele unterschätzen: Nach dem Launch kommt die Eingewöhnungsphase. Das Team muss das neue Backend kennenlernen. Neue Prozesse für die Pflege von Produkten und Bestellungen müssen eingeübt werden. Fehler im Datentransfer werden manchmal erst nach Wochen sichtbar - ein Produktbild, das fehlt; ein Attribut, das im Export nicht mitgekommen ist; ein Steuercode, der für bestimmte Produktkategorien falsch gesetzt wurde. Planen Sie mindestens vier Wochen aktive Nachbetreuung nach dem Go-live ein, bevor Sie das Projekt als abgeschlossen betrachten.
Das SEO-Monitoring nach einem Systemwechsel ist besonders wichtig. Setzen Sie Google Search Console auf die neue Domain, beobachten Sie für mindestens 30 Tage täglich den Index-Status und prüfen Sie, ob die 301-Weiterleitungen korrekt ausgeliefert werden. Ein Crawling-Tool wie Screaming Frog zeigt Ihnen auf einer Seite alle gesetzten Redirects und mögliche Redirect-Chains, die Sie eliminieren sollten.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Fall für einen Wechsel spricht oder ob gezielte Optimierungen ausreichen: Ich schaue mir das in einem ersten Gespräch an, ohne Verpflichtung. Kontaktmöglichkeit finden Sie auf der Kontaktseite.
Ein Wechsel lohnt sich, wenn mehrere der neun Warnsignale gleichzeitig zutreffen: schlechte Ladezeiten, fehlende Integrationen, Rechtslücken oder ein veraltetes System ohne Support. Einzelne Schwächen lassen sich oft mit Plugins oder Konfigurationsarbeit beheben. Sobald aber das Fundament selbst das Wachstum blockiert, ist Replatforming wirtschaftlicher als weiteres Patchen. Für einen KMU-Shop mit bis zu 5.000 Produkten und Standardintegrationen rechne ich mit 8 bis 16 Wochen von der ersten Planung bis zum Go-live. Komplexe Shops mit individuellen B2B-Logiken, vielen Schnittstellen oder großen Produktkatalogen können 6 bis 12 Monate benötigen. Die Datenmigration und das Testing sind oft unterschätzte Zeitfresser. Nicht zwingend - aber nur, wenn Sie strukturiert vorgehen. Alle bestehenden URLs müssen mit 301-Weiterleitungen auf die neuen Adressen gemappt werden. Wichtig sind außerdem das Übertragen der Meta-Daten, das Einpflegen der XML-Sitemap sowie das manuelle Prüfen aller wichtigen Seiten nach dem Launch. Wer ohne Weiterleitungskonzept migriert, riskiert ernsthafte Ranking-Verluste. Die Kosten hängen stark vom Ausgangssystem und der Komplexität ab. Ein einfacher Wechsel von einem kleineren System zu WooCommerce liegt bei 3.000 bis 8.000 Euro für Konzept, Datenmigration, Theme-Anpassung und Testbetrieb. Größere Shops mit individuellen Plugins, ERP-Anbindung und komplexer Logik kosten realistisch 15.000 bis 40.000 Euro und mehr. Nein, bestehende Kundendaten dürfen in der Regel migriert werden, wenn die Einwilligungen und die Datenschutzdokumentation korrekt übertragen werden. Wichtig ist, dass die neue Plattform DSGVO-konform ist und die Datenverarbeitungsverträge mit dem neuen Hoster aktualisiert werden. Im Zweifel empfehle ich, einen Datenschutzexperten hinzuzuziehen - ich bin Entwickler, kein Anwalt. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 für alle Online-Shops, die Verbraucherverträge abschließen. Konkret bedeutet das: Bilder brauchen Alt-Texte, Kontrastverhältnisse müssen stimmen, Formulare müssen per Tastatur bedienbar sein, und es muss eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf der Website erscheinen. Bußgelder bei Verstößen können bis zu 100.000 Euro erreichen. Ich empfehle, einen Accessibility-Audit mit Tools wie Axe oder Wave zu starten. Ja, wenn Sie online Verträge mit Verbrauchern schließen, gilt die Pflicht seit dem 19. Juni 2026. Der Button muss deutlich sichtbar, dauerhaft erreichbar und für Verbraucher mit einem Klick nutzbar sein. Das Umsetzen in WooCommerce oder Shopware 6 dauert laut Angaben von Dienstleistern 3 bis 5 Werktage Entwicklungszeit. Fehlende Umsetzung kann Bußgelder bis 50.000 Euro auslösen. Für die meisten deutschen KMU mit 500 bis 10.000 Produkten und B2C-Fokus ist WooCommerce die flexiblere und kostengünstigere Wahl - vorausgesetzt, WordPress ist bereits vorhanden oder gewünscht. Shopware 6 lohnt sich bei komplexeren B2B-Anforderungen, mehrstufigen Katalogen oder wenn das Unternehmen langfristig auf eine reine E-Commerce-Plattform ohne CMS-Overhead setzen möchte. Reale Kosten liegen bei WooCommerce realistisch bei 100 bis 400 Euro monatlich für Hosting, Plugins und Wartung.Häufige Fragen
Wann lohnt sich ein Shopsystem-Wechsel wirklich?
Wie lange dauert ein Shopsystem-Wechsel durchschnittlich?
Verliere ich meine SEO-Rankings beim Shopsystemwechsel?
Was kostet ein Shopsystem-Wechsel zu WooCommerce?
Muss ich alle Kundendaten beim Wechsel neu erheben?
Wie wirkt sich das BFSG auf meinen Online-Shop aus?
Gilt der Widerrufsbutton auch für meinen Shop?
WooCommerce oder Shopware 6 - was empfehlen Sie für einen deutschen KMU-Shop?
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