Wenn Unternehmer nach den Kosten für eine Firmenwebsite fragen, bekommen sie meistens eine Antwort, die nichts beantwortet: "Das hängt von Ihren Anforderungen ab." Stimmt - aber das ist keine Hilfe. Nach 13 Jahren als WordPress-Entwickler und mehr als 120 abgeschlossenen Projekten in Hamburg und Poznan kann ich konkrete Zahlen nennen, ohne vorher drei Stunden Beratungsgespraeche zu fuehren.

Dieser Artikel richtet sich an Geschaeftsfuehrerinnen und Geschaeftsfuehrer kleiner und mittlerer Unternehmen, die wissen wollen, was eine professionelle Präsenz im Netz tatsächlich kostet. Keine Marketingfloskeln, keine absichtlich vagen Preisspannen - sondern das, was ich täglich in Angeboten sehe und selbst kalkuliere.

Die groben Kategorien: Welche Website brauchen Sie?

Vor jedem Preisgespraech steht die Frage nach dem Umfang. Ich unterscheide in der Praxis vier Typen:

  • Visitenkarte (1-3 Seiten): Startseite, Über uns, Kontakt. Ziel ist Auffindbarkeit und ein professioneller erster Eindruck.
  • Informationsseite (5-10 Seiten): Leistungen, Team, Referenzen, Blog-Option. Der Standard für die meisten KMU.
  • Business-Site (10-25 Seiten): Mehrere Leistungsbereiche, individuelle Landingpages, Karrierebereich, integriertes CMS-Training.
  • Komplexe Website (25+ Seiten): Mehrsprachigkeit, Kundenbereich, Schnittstellen zu CRM oder ERP.

Diese Kategorien bestimmen nicht nur den Entwicklungsaufwand - sie beeinflussen auch, ob ein Freelancer ausreicht oder ob eine Agentur mit festem Team sinnvoll ist.

1.500 - 4.000 EURVisitenkarte oder kleine Informationsseite beim Freelancer
5.000 - 12.000 EURBusiness-Site bei kleiner Agentur (5-15 Seiten)
60 - 120 EUR/hStundensatz erfahrener Freelancer in Deutschland 2026
600 - 1.800 EURrealistischer Jahresbetrag für laufende Kosten

Freelancer oder Agentur: Was passt für welches Budget?

Die Entscheidung hängt weniger vom Budget ab, als viele denken - sie hängt vom Projekttyp ab.

Ein guter freiberuflicher WordPress-Entwickler berechnet 2026 zwischen 60 und 120 EUR pro Stunde. Für eine Informationsseite mit 6 bis 8 Seiten, individuellem Design und sauberem Code sind das 25 bis 45 Stunden - also 1.500 bis 5.000 EUR Entwicklungsanteil, zuzüglich Design, Texte und eventuell Fotografie.

Eine kleine Agentur hat mehr Overhead: Projektmanagement, Besprechungen, Qualitaetssicherung durch mehrere Personen. Stundensaetze liegen bei 80 bis 200 EUR. Dasselbe Projekt kostet 5.000 bis 12.000 EUR. Das ist kein Betrug - es ist mehr Prozess.

Freelancer vs. Agentur: Direkte Preisvergleich

KriteriumFreelancerAgentur
Ansprechpartner1 PersonTeam (PM + Designer + Entwickler)
Stundensatz60-120 EUR80-200 EUR
Einfache Infosite (6 Seiten)1.500-4.000 EUR5.000-10.000 EUR
Business-Site (15 Seiten)4.000-8.000 EUR10.000-20.000 EUR
Projektlaufzeit2-5 Wochen4-10 Wochen
Verfügbarkeit nach Launchvariabeloft vertraglich geregelt

Bei einem Hamburger Handwerksbetrieb habe ich 2024 eine 7-seitige WordPress-Site erstellt: individuelle Startseite, Leistungsseiten, Referenzen, Kontaktformular mit automatischer Eingangsbestaetigung. Abschlussrechnung: 3.400 EUR netto. Fertig in drei Wochen. Dieselbe Anfrage hätte bei einer mittelgroßen Agentur vermutlich zwischen 7.000 und 10.000 EUR gekostet - nicht weil die Agentur schlechter arbeitet, sondern weil mehr Personen daran beteiligt sind.

Laufende Kosten - der Teil, den viele vergessen

Einmalkosten sind das, woran man beim Angebot denkt. Die laufenden Kosten sind das, was den Unterschied macht. Eine reale Jahresrechnung für eine WordPress-Firmenwebsite sieht so aus:

  • Hosting: 5 bis 50 EUR/Monat (abhängig von Leistung und Anbieter)
  • Domain: 10 bis 15 EUR/Jahr für eine .de-Adresse
  • SSL-Zertifikat: oft im Hosting enthalten, sonst 0 bis 80 EUR/Jahr
  • Premium-Plugins (SEO, Sicherheit, Formulare): 50 bis 300 EUR/Jahr
  • Professionelle Wartung und Updates: 30 bis 150 EUR/Monat

Realistisches Jahresbudget für laufende Kosten: 600 bis 1.800 EUR. Wer das beim Vergleich von Angeboten weglasst, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Achten Sie bei Hosting-Angeboten auf den Unterschied zwischen Shared Hosting (billig, aber langsam bei Traffic-Spitzen) und Managed WordPress Hosting. Für Firmenwebsites empfehle ich managed Angebote ab ca. 15 EUR/Monat - der Performanceunterschied ist messbar und wirkt sich direkt auf Google-Rankings aus.

Was treibt den Preis nach oben?

Nicht jedes Merkmal einer Website rechtfertigt Mehrkosten. Diese Faktoren veraendern den Aufwand signifikant:

Individuelles Design: Ein Pixelgenaues Umsetzung eines Designentwurfs aus Figma kostet mehr als ein angepasstes Premium-Theme. Kalkulieren Sie 1.000 bis 3.000 EUR Mehraufwand für echtes Custom-Design.

Mehrsprachigkeit: Deutsch und Englisch gleichzeitig bedeutet doppelten Pflegeaufwand und technische Komplexität durch WPML oder Polylang. Aufschlag: 500 bis 2.000 EUR.

Barrierefreiheit nach BFSG: Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele B2C-Anbieter in Deutschland. WCAG-konforme Kontraste, alternative Texte, Tastaturnavigation und eine Erklärung zur Barrierefreiheit sind Pflicht - für Kleinstunternehmen unter zehn Mitarbeitern gibt es Ausnahmen. In der Praxis entstehen dadurch 10 bis 20 Prozent höhere Entwicklungskosten gegenüber einem nicht-konformen Projekt. Ich bin Webentwickler, kein Rechtsanwalt - für die konkrete Einordnung Ihres Unternehmens sollten Sie juristischen Rat einholen.

Texte und Bilder: Viele Angebote kalkulieren ohne Inhalte. Professionelle Texte kosten 80 bis 200 EUR pro Seite, Fotografie für ein Unternehmen 400 bis 1.500 EUR. Wer eigene Fotos und Texte liefert, spart diesen Teil.

Was vor der Angebotsanfrage geklaert sein sollte

  • Wie viele Seiten und Unterseiten werden benötigt?
  • Gibt es bereits ein Corporate Design (Logo, Farben, Schriften)?
  • Wer liefert Texte und Bilder?
  • Soll das CMS selbst gepflegt werden (Training erforderlich)?
  • Welche technischen Anbindungen sind nötig (Buchungstool, CRM, Kalender)?
  • Wie groß ist das Jahresbudget für Hosting und Wartung?

Preise für typische Projekttypen

Ich liste hier keine Fantasiepreise - sondern Werte, die ich täglich in Angeboten sehe oder selbst kalkuliere:

Visitenkarte (1-3 Seiten): 800 bis 2.500 EUR beim Freelancer. Sinnvoll für Einzelunternehmer, Handwerker, Beratungspersonen, die hauptsächlich über Empfehlung arbeiten und online nur gefunden werden müssen.

Informationsseite (5-10 Seiten): 1.500 bis 6.000 EUR. Das ist der Standardfall für kleine GmbHs, Kanzleien, Praxen, lokale Dienstleister. Enthält Leistungsseiten, Kontaktformular, Datenschutz und Impressum.

Business-Site (10-25 Seiten): 4.000 bis 15.000 EUR. Eigene Landingpages pro Leistungsbereich, SEO-Struktur, Blog, Karrierebereich, evtl. Mehrsprachigkeit.

Komplexe Website mit Sonderfunktionen: ab 15.000 EUR ohne Obergrenze. Online-Terminbuchung, Mitgliederbereich, Schnittstellen zu Drittsystemen - hier bestimmt der Integrationsaufwand den Preis, nicht das Design.

Vorteile

  • Festpreisangebote geben Planungssicherheit
  • WordPress ermöglicht spätere Eigenarbeit am Inhalt
  • Einmalkosten klar abgrenzbar vom laufenden Budget
  • Gute Entwickler dokumentieren ihr Werk - späterer Anbieterwechsel ist möglich

Nachteile

  • Festpreise enthalten oft weniger als erwartet (Texte, Bilder, SEO extra)
  • Günstige Baukastensysteme (Jimdo, Wix) wirken billiger, skalieren aber schlecht
  • Nachträglich beauftragte Änderungen sind meist teuer
  • Ohne Wartungsvertrag veraltet die Website schnell

Rechtliche Pflichten: Was jede Firmenwebsite braucht

Ein Thema, das bei der Preiskalkulation oft fehlt: die rechtliche Grundausstattung. In Deutschland gilt seit der Ablosung des TMG durch das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) für das Impressum Paragraph 5 DDG als Rechtsgrundlage. Pflicht sind Name, Adresse, erreichbare Kontaktdaten und - je nach Unternehmensform - Registernummer, Umsatzsteuer-ID und Vertretungsberechtigte. Ab Dezember 2026 kommt die Wirtschafts-Identifikationsnummer hinzu.

Dazu kommen: Datenschutzerklaerung nach DSGVO, Cookie-Einwilligung für nicht-notwendige Cookies nach dem TDDDG (seit Mai 2024 die Nachfolgeregelung des TTDSG), und für viele B2C-Anbieter die Barrierefreiheitserklaerung nach BFSG.

Fehlende oder fehlerhafte Impressumsangaben können nach Paragraph 33 DDG mit bis zu 50.000 EUR Bussgeldern sanktioniert werden. Ich empfehle für die rechtliche Prüfung generierte Rechtstexte von eRecht24 oder anwaltlichen Rat - das ist keine Leistung eines Webentwicklers.

In meinen Projekten kalkuliere ich die technische Integration von Impressum, Datenschutzerklaerung und Cookie-Banner standardmäßig ein. Die Rechtstexte selbst kommen vom Kunden oder einem Dienst wie eRecht24 - das macht zusammen 2 bis 4 Stunden Integrationsaufwand.

Was ein serioses Angebot enthält

Ich erlebe regelmäßig, dass Angebote auf den ersten Blick günstig aussehen, weil Leistungen fehlen. Worauf Sie achten sollten:

Ein vollständiges Angebot für eine Firmenwebsite enthält explizit: Anzahl der Seiten und Unterseiten, ob Texte und Bilder enthalten sind oder geliefert werden müssen, auf welcher Technologie (Theme, Page Builder, Block Editor) aufgebaut wird, wie lange die Garantie- und Korrekturrunde läuft, ob eine CMS-Einweisung enthalten ist, und zu welchem Preis spätere Änderungen berechnet werden.

Bei einem Projekt aus dem Rheinland habe ich einmal einen Wettbewerbsentwurf gesehen: 1.800 EUR für eine "vollständige Firmenwebsite". Im Kleinstgedruckten: Texte und Bilder nicht enthalten, maximal drei Korrekturrunden, danach 90 EUR pro Stunde, Hosting nicht enthalten. Nach Nachkalkulation: realer Wert bei ca. 4.000 EUR. Nicht günstig, sondern teuer durch die Hintertuer.

Wer das Gesamtbudget klar kommuniziert - auch das jährliche Wartungsbudget - bekommt von jedem seriosen Anbieter ein Angebot, das zu diesem Budget passt. Verstecken Sie Ihr Budget nicht. Es hilft beiden Seiten.

Checkliste: Was kostet eine gute Firmenwebsite 2026 tatsächlich?

Für eine realistische Gesamtkalkulation empfehle ich diese Rechnung: Einmalkosten (Entwicklung und Design) plus erstes Jahresbudget für laufende Kosten ergibt den Gesamtinvestitionsbedarf im Jahr 1.

Beispiel für eine mittlere Informationsseite:

  • Entwicklung und Design (Freelancer): 3.000 EUR
  • Texte (3 Seiten vom Texter): 600 EUR
  • Erster Jahresbetrieb (Hosting, Domain, Plugins, Wartung): 900 EUR
  • Gesamt Jahr 1: ca. 4.500 EUR

Ab Jahr 2 nur noch die laufenden Kosten: 600 bis 1.200 EUR. Verteilt auf drei Jahre kommt man auf 1.900 bis 2.600 EUR pro Jahr - für eine professionelle, wartbare und rechtssichere Unternehmenswebsite.

Wenn Sie konkrete Zahlen für Ihr Projekt benötigen, helfe ich Ihnen gerne bei der Einschätzung. Schreiben Sie mir über das Kontaktformular - ich antworte mit einem unverbindlichen Erstgespraech und einer groben Orientierungskalkulation, ohne Verkaufsdruck.

Häufige Fragen

Was kostet eine einfache Firmenwebsite in Deutschland 2026?

Eine einfache Firmenwebsite mit 5 bis 8 Seiten, WordPress, responsivem Design und Kontaktformular kostet beim erfahrenen Freelancer 1.500 bis 4.000 EUR. Eine kleine Agentur berechnet fuer denselben Umfang meist 5.000 bis 8.000 EUR. Der Unterschied liegt im Overhead, nicht zwingend in der Qualität.

Welche laufenden Kosten fallen fuer eine Website an?

Realistisch kommen 600 bis 1.800 EUR pro Jahr zusammen: Hosting 5 bis 50 EUR/Monat, Domain 10 bis 15 EUR/Jahr, SSL-Zertifikat (oft im Hosting enthalten), Premium-Plugins 50 bis 300 EUR/Jahr und optionale Wartung 30 bis 150 EUR/Monat. Wer das ignoriert, erlebt die Überraschung spaetestens nach 12 Monaten.

Was ist der Unterschied zwischen Freelancer und Agentur bei der Website-Entwicklung?

Ein Freelancer ist meist guenstiger (60 bis 120 EUR/Stunde) und direkter im Kontakt. Eine Agentur bietet ein Team aus Designer, Entwickler und Projektmanager (80 bis 200 EUR/Stunde), was bei komplexen Projekten Vorteile bringt. Fuer eine typische KMU-Website reicht ein guter Freelancer vollstaendig aus.

Gilt das BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz) fuer meine Firmenwebsite?

Das BFSG gilt seit 28. Juni 2025 fuer B2C-Anbieter, die Dienstleistungen oder Produkte online anbieten. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und maximal zwei Millionen EUR Jahresumsatz sind ausgenommen. Fuer alle anderen sind WCAG-konforme Kontraste, Schriftgroessen und eine Erklaerung zur Barrierefreiheit Pflicht.

Welche rechtlichen Pflichtangaben benoetigt eine Firmenwebsite in Deutschland?

Pflicht sind: Impressum nach Paragraph 5 DDG (Name, Adresse, Kontaktdaten, ggf. Registernummer und USt-ID), Datenschutzerklaerung gemaess DSGVO sowie eine Cookie-Einwilligung fuer nicht-notwendige Cookies nach dem TDDDG (seit Mai 2024). Ab Dezember 2026 kommt die Wirtschafts-Identifikationsnummer im Impressum hinzu. Ich bin Webentwickler, kein Anwalt - fuer rechtssichere Texte empfehle ich eRecht24 oder Ihren Rechtsberater.

Wie erkenne ich versteckte Kosten in einem Website-Angebot?

Achten Sie auf Formulierungen wie 'auf Anfrage', 'nicht enthalten' oder 'extra berechenbar'. Typische Kostenfallen: SEO-Einrichtung, Texte und Bilder, Schulung des CMS, Einrichtung von Analysetools und spaetere Anpassungen ausserhalb der Garantiephase. Ein serioses Angebot listet alle Leistungen explizit auf und nennt klare Bedingungen fuer Nacharbeiten.