Wer heute eine WordPress-Website in Auftrag gibt oder selbst baut, steht früher oder später vor derselben Frage: Block-Theme mit dem nativen Gutenberg-Editor, oder doch ein Page-Builder wie Elementor? Beide Ansätze funktionieren, beide haben ihre Berechtigung, aber sie führen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen in der täglichen Arbeit, bei der Performance und beim langfristigen Wartungsaufwand.

Ich entwickle seit 13 Jahren WordPress-Websites, betreue kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland und habe in dieser Zeit beide Welten intensiv genutzt. Was ich dabei gelernt habe: Die Entscheidung hängt weniger von technischen Vorlieben ab als von der Frage, wie eine Website in zwei Jahren noch gepflegt werden soll.

Was ist überhaupt ein Block-Theme?

Ein Block-Theme ist ein WordPress-Theme, das vollständig auf dem Blockeditor aufbaut. Header, Footer, Archivseiten, Template-Parts, alles wird über den Editor gesteuert, ohne eine einzige PHP-Template-Datei anfassen zu müssen. Das nennt sich Full Site Editing (FSE) und ist seit WordPress 5.9 offizieller Bestandteil des Kerns.

Beispiele für verbreitete Block-Themes sind Twenty Twenty-Four, Twenty Twenty-Five (beide von WordPress.org), Kadence Blocks Theme oder GeneratePress in der Block-Variante. Der gemeinsame Nenner: Sie erzeugen schlanken HTML-Code, laden keine eigenen JavaScript-Frameworks und arbeiten mit WordPress-nativen Datenstrukturen.

Vorteile

  • Kein externer Plugin-Overhead, schnellere Ladezeiten
  • Teil des WordPress-Kerns, langfristig gepflegt
  • Sauberer, semantischer HTML-Code
  • Kostenlos, keine Jahresgebühren
  • Direkte Kompatibilität mit WordPress-Updates

Nachteile

  • Weniger Gestaltungsfreiheit ohne Entwicklerkenntnisse
  • Lernkurve für Redakteure, die Page-Builder gewohnt sind
  • Manche visuellen Effekte (Parallax, komplexe Animationen) fehlen nativ
  • Ältere Websites lassen sich nicht einfach migrieren

Was kann ein Page-Builder, was Gutenberg nicht kann?

Page-Builder wie Elementor, Divi oder Beaver Builder bieten ein Drag-and-Drop-Erlebnis, das weit über den nativen Blockeditor hinausgeht. Jede Spalte, jeder Abstand, jede Schriftgröße lässt sich per Klick anpassen, ohne eine Zeile CSS zu schreiben. Für Kunden, die regelmäßig neue Landing-Pages bauen oder bestehende Seiten stark umgestalten wollen, ist das ein echter Vorteil.

Elementor Pro kostet aktuell ab ca. 59 USD pro Jahr für eine Website. Wer mehrere Projekte betreut, kann auf günstigere Mehrfach-Lizenzen umsteigen. Divi von Elegant Themes bietet eine Lifetime-Lizenz für einmalig rund 249 USD, was sich über mehrere Projekte schnell rechnet.

Der Preis ist aber nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist die Abhängigkeit: Wenn Elementor ein größeres Update veröffentlicht, können bestehende Layouts brechen. Wenn der Anbieter seine Roadmap ändert, hat der Kunde wenig Einfluss. Das ist strukturell anders als beim WordPress-Kern.

Block-Theme vs. Page-Builder im direkten Vergleich

KriteriumBlock-Theme (FSE)Page-Builder (z.B. Elementor)
Ladezeit (unoptimiert)sehr gutbefriedigend bis gut
Core Web Vitalssehr gutgut (mit Optimierung)
Gestaltungsfreiheitmittelsehr hoch
Pflegeaufwand langfristiggeringmittel bis hoch
Kosten (Entwickler)einmaligeinmalig + Jahreslizenz
Update-Risikoniedrigmittel
Lernkurve Redakteurmittelniedrig bis mittel
Plugin-Unabhängigkeithochgering

Performance: Wo liegen die konkreten Unterschiede?

Bei Performance-Messungen zeigen Block-Theme-Seiten in der Regel bessere Werte bei Core Web Vitals, besonders beim Largest Contentful Paint (LCP). Der Grund ist strukturell: Ein Block-Theme lädt keine zusätzlichen CSS-Frameworks und kein eigenes JavaScript-Routing. Elementor hingegen lädt auf jeder Seite eigene Assets, die sich nur mit zusätzlichem Aufwand (Asset-Loading deaktivieren, Caching-Layer) reduzieren lassen.

Gemäß Daten von CrUX (Chrome User Experience Report) bestehen nur etwa 44 % der WordPress-Websites auf Mobilgeräten alle drei Core-Web-Vitals-Prüfungen. Block-Themes schneiden dabei deutlich besser ab als Page-Builder-Seiten ohne Optimierung. Das ist kein Zufall: sauberer Code ist einfach schneller.

44 %WordPress-Websites bestehen mobile Core Web Vitals (CrUX 2025)
ab 59 USDElementor Pro Jahreskosten pro Website (Essential-Plan)
15-30 htypischer Entwicklungsaufwand Migration Page-Builder zu Block-Theme
2-4 Wochennormale Projektdauer für eine Firmenwebsite mit Block-Theme

Wer Elementor einsetzt, sollte unbedingt die Option "Load Elementor Only on Pages Built with Elementor" aktivieren. Das verhindert, dass Elementor-Assets auf allen Seiten geladen werden, auch wenn gar kein Page-Builder-Inhalt vorhanden ist.

Wartung und Updates: Der unterschätzte Langzeitfaktor

Bei einem Kundenprojekt aus Hamburg, einem mittelständischen Handelsunternehmen, habe ich nach drei Jahren Elementor-Einsatz auf ein Block-Theme migriert. Der Anlass war ein großes Elementor-Update, das mehrere Widget-Layouts auf mobilen Geräten gebrochen hatte. Die Reparatur kostete mehr Zeit als der ursprüngliche Aufbau der betroffenen Seiten.

Das ist kein Einzelfall. Page-Builder haben ihren eigenen Entwicklungsrhythmus, der nicht immer synchron mit WordPress-Core-Updates läuft. Jede neue WordPress-Version kann in Kombination mit einer älteren Page-Builder-Version zu Problemen führen. Mit einem Block-Theme reduziert sich dieses Risiko erheblich, weil das Theme direkt auf dem Kern aufbaut.

Für Kunden, die ihre Website über mehrere Jahre selbst pflegen wollen, ist das ein entscheidendes Argument. Ein Redakteur, der Blöcke verschiebt und Inhalte aktualisiert, braucht kein Page-Builder-Plugin mit 200 Widgets. Er braucht eine übersichtliche Oberfläche und klar definierte Bereiche.

Checkliste: Wann eignet sich ein Block-Theme?

  • Das Design ist klar definiert und ändert sich selten grundlegend
  • Der Kunde braucht vor allem Inhaltspflege, kein Layout-Design
  • Performance und Core Web Vitals sind ein relevantes Kriterium (SEO, Google Ads)
  • Langfristige Wartungskosten sollen niedrig bleiben
  • Das Projekt wird von einem Entwickler aufgebaut und danach übergeben
  • WooCommerce ist im Einsatz (Block-Theme-Kompatibilität seit WC 8.x sehr gut)

Wann ist ein Page-Builder die bessere Wahl?

Es gibt legitime Gründe, sich für einen Page-Builder zu entscheiden. Wenn ein Kunde regelmäßig selbst neue Landing-Pages mit individuellen Layouts baut, ist Elementor tatsächlich produktiver. Wenn ein Team ohne Entwicklerkenntnisse visuell komplexe Seiten erstellt und dabei schnell sein muss, ist die Lernkurve eines Block-Themes real.

Bei einem anderen Projekt, einer kleinen Marketingagentur aus dem Hamburger Umland, bleibt Elementor gesetzt. Drei Mitarbeiter bauen dort wöchentlich neue Kampagnenseiten, ohne Entwicklerunterstützung. Das Drag-and-Drop-Interface ist für diesen Workflow genau richtig. Den Performancenachteil gleichen wir über LiteSpeed-Caching und optimierte Bilder aus.

Checkliste: Wann eignet sich ein Page-Builder?

  • Mitarbeiter ohne technische Kenntnisse erstellen regelmäßig neue Seiten
  • Das Layout soll jederzeit frei veränderbar sein
  • Viele Marketing-Landing-Pages mit stark unterschiedlichen Designs
  • Der Auftraggeber kennt Page-Builder bereits und möchte daran festhalten
  • Schnelle Umsetzung ohne langen Entwicklungsvorlauf ist Priorität

Full Site Editing: Reif für den Produktionseinsatz?

Vor zwei Jahren hätte ich noch gezögert, Full Site Editing für Kundenprojekte zu empfehlen. Die Oberfläche war unfertig, die Dokumentation lückenhaft, und manche Funktionen fehlten schlicht. Das hat sich geändert.

Seit WordPress 6.4 und besonders mit 6.5 und 6.6 ist FSE produktionsreif. Block Bindings, erweiterte Query-Loop-Blöcke, verbesserte Template-Part-Verwaltung: Der Rückstand gegenüber Page-Buildern beim täglichen Entwicklerworkflow ist deutlich kleiner geworden. Für neue Webseiten-Projekte setze ich heute standardmäßig auf Block-Themes, außer es gibt konkrete Gründe dagegen.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit von Automattic und der WordPress-Community ist hoch. Gutenberg bekommt mehrmals im Jahr größere Updates, und viele Features, die Page-Builder jahrelang als Alleinstellungsmerkmal hatten (Responsive Breakpoints, erweiterte Typografie-Kontrolle, Global Styles), sind inzwischen nativ verfügbar.

Besonders praktisch finde ich Block-Patterns. Das sind vordefinierte Layout-Kombinationen, die Kunden per Klick einfügen können, ohne das Design zu ruinieren. Ich baue für jedes Projekt ein Set von 8-15 Patterns: Hero-Bereich, Leistungsübersicht, Testimonials, Kontaktblock. Einmal aufgebaut, sind diese Muster wiederverwendbar und konsistent. Das gibt Kunden Flexibilität, ohne ihnen die Kontrolle über das Gesamtbild zu entziehen. Kein Page-Builder bietet das in dieser Klarheit.

Ältere Block-Themes, die noch auf "classic" PHP-Templates basieren und nur teilweise FSE unterstützen, sind keine echten Block-Themes. Achten Sie auf das Theme-Tag "Full-Site-Editing" im WordPress-Theme-Verzeichnis, um sicherzugehen.

Block-Theme und WooCommerce: Ein gut funktionierendes Duo

Ein Thema, das viele Shopbetreiber beschäftigt: Wie gut funktioniert ein Block-Theme mit WooCommerce? Die Antwort lautet seit WooCommerce 8.x klar: sehr gut. WooCommerce liefert eigene Blöcke für Produktlisten, Warenkorb, Checkout und Filterfunktionen mit, die sich sauber in Block-Themes integrieren.

Der klassische Shortcode-basierte WooCommerce-Checkout ist mittlerweile veraltet. Der Block-Checkout ist schneller, mobilfreundlicher und lässt sich einfacher an Corporate-Design-Anforderungen anpassen. Page-Builder hatten hier lange Zeit einen Vorteil durch eigene WooCommerce-Widget-Integrationen, dieser Vorsprung ist kleiner geworden.

Für einen Online-Shop mit Block-Theme spricht außerdem, dass Google Shopping und strukturierte Produktdaten über Rank Math oder Yoast problemlos funktionieren, ohne Page-Builder-spezifische Anpassungen.

Kosten im Überblick: Was kostet welcher Ansatz?

Die direkten Werkzeugkosten sind bei einem Block-Theme-Ansatz niedriger. Kein Page-Builder-Abo, keine Lizenzgebühren, kein Risiko von Preiserhöhungen. Der Entwicklungsaufwand für eine sauber aufgebaute Block-Theme-Website ist vergleichbar mit dem für eine Elementor-Seite, erfordert aber etwas mehr Vorarbeit beim Theme-Setup und bei der Block-Patterns-Erstellung.

Langfristig sind Block-Themes günstiger in der Pflege: weniger Abhängigkeiten, weniger Update-Konflikte, stabilere Basis. Wenn Sie planen, Ihre WordPress-Website über mehrere Jahre zu betreiben, lohnt sich die initiale Mehrarbeit.

Für konkrete Angebote und eine Einschätzung, welcher Ansatz für Ihr Projekt passt, stehe ich gerne zur Verfügung.

Kostenvergleich über 3 Jahre (eine Website)

KostenartBlock-ThemeElementor Pro
Theme-Lizenz0 EUR0-99 EUR (einmalig)
Page-Builder-Abo0 EURca. 150-180 EUR (3 Jahre)
Wartungsaufwandgeringmittel
Update-Risiko-Kostenniedrigmittel bis hoch
Migration nach 5 Jahreneinfachaufwändig

Mein Fazit nach 120+ Projekten

Wenn ich heute ein neues Projekt starte, greife ich zum Block-Theme. Nicht weil Page-Builder schlecht sind, sondern weil ich langfristig denke. Sauberer Code, bessere Performance, keine Abhängigkeit von Drittanbieter-Richtlinien - das sind Argumente, die für meine Kunden zählen.

Page-Builder haben ihren Platz: für Teams, die täglich selbst bauen, für Marketing-lastige Projekte mit vielen wechselnden Landing-Pages, für Kunden, die Elementor schon kennen und damit gut arbeiten. In diesen Fällen ist der Werkzeugwechsel kein Selbstzweck.

Die beste Entscheidung ist immer die, die zu den konkreten Anforderungen des Projekts passt - nicht die, die gerade technisch modern ist. Ich helfe Ihnen gerne dabei, die richtige Basis für Ihre WordPress-Website zu finden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Block-Theme und einem Page-Builder?

Ein Block-Theme nutzt ausschließlich den nativen WordPress-Blockeditor (Gutenberg) und das Full Site Editing (FSE), um Layout und Design zu steuern. Ein Page-Builder wie Elementor, Divi oder Beaver Builder ist ein zusätzliches Plugin mit eigenem Editor, eigenen Widgets und eigener Datenstruktur. Block-Themes sind Teil des WordPress-Kerns, Page-Builder sind externe Werkzeuge mit eigenem Entwicklungsrhythmus.

Ist ein Block-Theme wirklich schneller als Elementor?

Grundsätzlich ja, weil Block-Themes keinen zusätzlichen JavaScript- oder CSS-Framework-Layer laden. Elementor fügt eigene Assets auf jeder Seite hinzu, was ohne gezielte Optimierung die Ladezeit erhöht. Mit gutem Caching und Bildoptimierung kann Elementor aufholen, aber der strukturelle Vorteil bleibt beim Block-Theme. Laut Vergleichen auf Kinsta und anderen Plattformen liegen Block-Theme-Seiten bei Core Web Vitals oft besser.

Kann mein Kunde selbst Inhalte bearbeiten, wenn ich ein Block-Theme einsetze?

Ja, mit dem richtigen Setup sogar sehr komfortabel. Der Gutenberg-Editor ist für Redakteure gut geeignet, wenn die Blöcke sauber konfiguriert sind und Block-Patterns für häufig genutzte Layouts vorbereitet werden. Komplexe Layout-Änderungen am Theme selbst bleiben aber Entwickleraufgabe. Wer wirklich alles per Drag-and-Drop gestalten will, ist mit einem Page-Builder flexibler.

Macht es Sinn, Block-Theme und Page-Builder zu kombinieren?

Technisch ist das möglich, aber ich rate meistens davon ab. Die Kombination erhöht die Komplexität, macht Updates riskanter und kann zu inkonsistentem Styling führen. Wenn überhaupt, dann nur gezielt: Block-Theme als Basis, ein Page-Builder nur für spezifische Marketing-Landing-Pages. Wichtig ist, das vorab klar zu definieren.

Welche Page-Builder sind 2025 noch empfehlenswert?

Elementor ist nach wie vor der meistgenutzte Page-Builder weltweit und wird aktiv weiterentwickelt. Divi von Elegant Themes ist eine solide Alternative mit Lifetime-Lizenz. Beaver Builder ist weniger bekannt, aber sehr stabil und codefreundlich. Bricks Builder gewinnt unter Entwicklern an Beliebtheit, weil er näher am nativen WordPress arbeitet und sehr performant ist.

Was kostet es, eine Website von einem Page-Builder auf ein Block-Theme umzubauen?

Das hängt stark vom Umfang der Website ab. Bei einer typischen Firmenwebsite mit 10-20 Seiten liegt der Aufwand für eine Migration bei 15-30 Stunden Entwicklerzeit. Inhalte müssen neu strukturiert werden, weil Page-Builder-Layouts in der Datenbank proprietär gespeichert sind und nicht direkt übertragbar sind. Eine vollständige Neuentwicklung ist oft effizienter als eine Migration.