Wenn ein Interessent mich fragt, was eine neue Website kostet, antworte ich meistens mit einer Gegenfrage: Was soll sie können, und was ist im Angebot des anderen Anbieters eigentlich drin? Genau dort liegt das Problem. Zwei Angebote über 1.500 und 5.000 Euro können denselben Satz auf dem Deckblatt tragen - "professionelle WordPress-Website" - und dabei völlig unterschiedliche Leistungen beschreiben.

Nach 13 Jahren und über 120 Projekten für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland sehe ich immer wieder, wie Kunden Äpfel mit Birnen vergleichen. Dieser Artikel schlüsselt auf, was hinter einem Website-Preis typischerweise steckt - und was Sie aktiv anfragen müssen, bevor Sie unterschreiben.

Der Unterschied zwischen Preis und Leistung

Ein Website-Preis ist keine standardisierte Einheit wie ein Kilopreis im Supermarkt. Der eine Anbieter nennt 1.200 Euro für eine "fertige Website", meint damit aber ein aufgesetztes Theme mit Ihrem Logo und fünf ausgefüllten Textblöcken. Der andere nennt 4.500 Euro und liefert ein individuell gestaltetes Projekt mit strukturierter Informationsarchitektur, mobiloptimiertem Layout, technischer SEO-Basis und rechtlicher Grundausstattung.

Solange kein detailliertes Leistungsverzeichnis vorliegt, ist ein Preisvergleich schlicht nicht möglich. Das ist keine böse Absicht der Anbieter - es ist einfach die Realität eines Marktes ohne einheitliche Standards.

1.500 - 5.500 EURtypische Spanne für eine Unternehmenswebsite beim Freelancer
80 - 180 EURStundensatz bei deutschen WordPress-Agenturen 2025
600 - 1.500 EURrealistischer Jahresbedarf für Hosting, Lizenzen und Wartung
28.06.2025Inkrafttreten des BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)

Konzeption und Strategie: der unsichtbare Aufwand

Bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird, investiert ein solider Entwickler Zeit in die Konzeptionsphase. Dazu gehören: Analyse Ihrer Zielgruppe, Definition der wichtigsten Seiten und ihrer Ziele, Festlegung der Navigationsstruktur und eine erste Keyword-Recherche für SEO-relevante Seiten.

Bei einem Projekt für ein Hamburger Beratungsunternehmen haben wir allein für den Workshop zur Seitenstruktur einen halben Tag eingeplant. Das Ergebnis war eine klare Sitemap, die der Kunde vorher nicht hatte - und die später viele Korrekturrunden ersparte. Dieser Aufwand erscheint auf manchen Angeboten unter "Konzeption", auf anderen gar nicht.

Fragen Sie jeden Anbieter direkt: Gibt es einen Kick-off-Workshop oder ein Briefing-Gespräch? Wie viele Revisionsrunden sind im Preis enthalten? Das zeigt schnell, wie sorgfältig der Prozess aufgesetzt ist.

Design: Template oder Maßarbeit?

Das Design ist der Posten, der am stärksten für Preisunterschiede sorgt. Es gibt grundsätzlich drei Ansätze:

  • Fertiges Theme ohne Anpassung: Ein Entwickler installiert ein käufliches WordPress-Theme, füllt Ihre Texte und Bilder ein. Kosten: 500 bis 1.500 Euro. Ergebnis: sieht wie tausende andere Websites aus, läuft aber.
  • Angepasstes Theme (Page Builder): Ein Premium-Theme wird über Elementor, Divi oder einen ähnlichen Builder an Ihre CI angepasst. Kosten: 1.500 bis 4.000 Euro. Ergebnis: eigene Farben, Schriften, Layout-Varianten, aber keine vollständig individuelle Gestaltung.
  • Custom Design: Ein Figma-Mockup oder eine direkte Umsetzung in Code, die komplett auf Ihre Marke zugeschnitten ist. Kosten: ab 4.000 Euro aufwärts. Ergebnis: einzigartiges Erscheinungsbild, das kein Wettbewerber einfach kopieren kann.

Design-Ansätze im Vergleich

MerkmalFertiges ThemeAngepasstes ThemeCustom Design
Kosten (Entwicklung)500 - 1.500 EUR1.500 - 4.000 EURab 4.000 EUR
Individualitätgeringmittelhoch
Ladezeit-Optimierungbegrenztmittelsehr gut möglich
Spätere Erweiterbarkeiteingeschränktmittelsehr flexibel
Pflege und Updatestheme-abhängigplugin-abhängigstabil

Technische Entwicklung: was steckt wirklich dahinter?

Die eigentliche Programmierarbeit umfasst weit mehr als das Einpflegen von Inhalten. Zu einer soliden technischen Umsetzung gehören:

  • Einrichten der WordPress-Installation mit sicherer Konfiguration
  • Integration aller benötigten Plugins (Kontaktformular, Cookie-Banner, SEO-Plugin, Sicherheits-Plugin)
  • Responsive Umsetzung für Smartphones und Tablets
  • Performance-Optimierung (Bilder komprimieren, Caching, sauberer Code)
  • Einrichten von SSL (HTTPS)
  • Testen in verschiedenen Browsern

Technische Mindestanforderungen für eine professionelle Website

  • HTTPS (SSL-Zertifikat aktiv und korrekt eingebunden)
  • Ladezeit unter 3 Sekunden auf mobilen Geräten
  • Responsives Layout auf Smartphone, Tablet und Desktop getestet
  • Kontaktformular mit Spam-Schutz (z.B. reCAPTCHA oder Honeypot)
  • Sicherheits-Plugin oder Firewall-Konfiguration
  • Automatische WordPress-Updates oder Update-Protokoll vereinbart
  • Google Search Console eingerichtet und verifiziert
  • XML-Sitemap eingereicht

Rechtliche Grundausstattung: Impressum, Datenschutz, Cookies

Dieser Bereich wird in vielen günstigen Angeboten entweder weggelassen oder als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne dass er konkret umgesetzt wird. Seit das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) das frühere Telemediengesetz abgelöst hat, findet sich die Impressumspflicht in § 5 DDG - inhaltlich hat sich dabei wenig geändert, rechtlich sollte das Impressum aber auf dem aktuellen Stand sein.

Die Datenschutzerklärung muss alle Pflichtangaben nach DSGVO enthalten: welche Daten erhoben werden, auf welcher Rechtsgrundlage, wie lange sie gespeichert werden und welche Rechte Besucher haben. Dazu kommt ein rechtskonformes Cookie-Management-System, das den Anforderungen des TDDDG (früher TTDSG, umbenannt im Mai 2024) entspricht.

Ab dem 28. Juni 2025 gilt außerdem das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das für bestimmte digitale Dienstleistungen - unter anderem Online-Shops - barrierefreie Gestaltung vorschreibt. Kleinunternehmen unter 10 Mitarbeitern und 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind davon ausgenommen. Ich bin Webentwickler, kein Anwalt - für eine rechtliche Einordnung Ihres konkreten Falls empfehle ich einen Fachanwalt für IT-Recht.

Ein Cookie-Banner allein ist keine rechtliche Absicherung. Entscheidend ist, dass tatsächlich keine Tracking-Cookies gesetzt werden, bevor der Nutzer zugestimmt hat. Viele günstige Lösungen setzen Cookies trotzdem zu früh - das ist ein Abmahnrisiko.

Texte und Bilder: wer liefert was?

Dieser Punkt ist einer der häufigsten Missverständnisse bei Website-Projekten. Viele Angebote enthalten die technische Umsetzung, gehen aber davon aus, dass der Kunde fertige Texte und Bilder liefert. In der Praxis liefert der Kunde oft weder das eine noch das andere rechtzeitig - und das Projekt verzögert sich.

Fragen Sie beim Vergleich:

  • Ist das Schreiben von Seitentexten (Copywriting) im Preis enthalten?
  • Werden Bilder besorgt oder bearbeitet (lizenzfreie Stock-Fotos, Bildoptimierung)?
  • Wer erstellt Grafiken, Icons oder Illustrationen?

Professionelles Copywriting für eine 10-seitige Website kostet realistisch 800 bis 2.000 Euro extra. Gute Stock-Fotos über Lizenzen wie Shutterstock oder Adobe Stock kommen auf 50 bis 200 Euro pro Projekt dazu. Wer das ignoriert, bekommt am Ende eine technisch einwandfreie Website mit Platzhaltertexten.

Vorteile

  • Vollständige Texterstellung durch den Entwickler spart Zeit und sichert konsistente Qualität
  • Professionelles Copywriting erhöht die Conversion-Rate nachweislich
  • Lizenzrechtliche Absicherung der Bilder liegt beim Anbieter
  • Kürzere Projektlaufzeit, da keine Wartezeit auf Kundenmaterial

Nachteile

  • Höhere Gesamtkosten durch zusätzliche Content-Leistungen
  • Abstimmungsaufwand für fachliche Inhalte bleibt beim Kunden
  • Überarbeitungen nötig, wenn Texte nicht zum Unternehmenstonfall passen

Hosting, Domain und laufende Kosten

Viele Einmalpreise für Websites decken nur die Erstellung ab. Was danach kommt, wird gern verschwiegen oder in Kleingedruckten versteckt. Eine professionelle WordPress-Website verursacht dauerhaft laufende Kosten:

  • Hosting: 5 bis 50 Euro pro Monat, je nach Anbieter und Leistungspaket. Managed WordPress-Hosting mit automatischen Backups und gutem Support kostet realistisch 15 bis 30 Euro monatlich.
  • Domain: 10 bis 30 Euro pro Jahr für eine .de-Domain.
  • SSL-Zertifikat: Bei gutem Hosting inklusive, sonst 10 bis 100 Euro pro Jahr.
  • Premium-Plugin-Lizenzen: Für ein professionelles Setup mit SEO-Plugin, Sicherheits-Plugin, Formular-Plugin und Backup-Lösung rechnen Sie mit 200 bis 500 Euro pro Jahr.
  • Wartungsvertrag: Optionale, aber empfohlene monatliche oder jährliche Betreuung. Preise beginnen bei etwa 50 Euro pro Monat für grundlegende Update-Pflege.

Insgesamt sollten Sie nach dem Launch mit 600 bis 1.500 Euro pro Jahr für den laufenden Betrieb rechnen. Wer das nicht einplant, hat nach einem Jahr oft veraltete Plugins, abgelaufene Lizenzen und keine aktuellen Backups.

SEO: Grundlage oder Extra?

Suchmaschinenoptimierung ist ein Bereich, der je nach Anbieter entweder gar nicht vorkommt oder als eigenständige Leistung teuer extra berechnet wird. Was in einem seriösen Webprojekt standardmäßig enthalten sein sollte:

  • Saubere URL-Struktur und Permalinks
  • Meta-Title und Meta-Description für alle Seiten
  • Korrekte Heading-Hierarchie (H1, H2, H3)
  • Optimierte Bildnamen und Alt-Texte
  • Google Search Console eingerichtet
  • XML-Sitemap eingereicht

Was separat berechnet wird und auch separat berechnet werden darf: laufende SEO-Betreuung, Keyword-Recherche, Content-Strategie, Linkaufbau. Das ist kein versteckter Kostenpunkt - es ist einfach eine andere Leistungskategorie. Wer professionelle SEO-Optimierung benötigt, sollte das von Anfang an ins Budget einplanen.

Fragen Sie Ihren Anbieter konkret: "Richten Sie Google Search Console ein und reichen Sie die Sitemap ein?" Wenn die Antwort "Das machen Sie dann selbst" lautet, wissen Sie, wo die Leistungsgrenze liegt.

Übergabe, Schulung und Support

Ein Projekt ist erst abgeschlossen, wenn Sie Ihre Website selbst bedienen können. Dazu gehört eine Übergabe-Session, in der Sie lernen, wie Sie Inhalte bearbeiten, neue Seiten anlegen und grundlegende Einstellungen ändern. Dieser Punkt fehlt in überraschend vielen Angeboten.

Klären Sie:

  • Gibt es eine Einweisung in das WordPress-Backend? Wie viele Stunden?
  • Wie wird das Zugangsdaten-Management gehandhabt (Passwörter, FTP, Hosting)?
  • Welcher Support ist nach dem Launch inbegriffen, und wie lange?
  • Was passiert, wenn nach 3 Monaten ein Bug auftaucht - ist das kostenpflichtig?

Bei Projekten, die ich betreue, gehört eine 60- bis 90-minütige Einweisung zum Standard. Danach können meine Kunden ihre Inhalte eigenständig pflegen - das spart auf lange Sicht Kosten für beide Seiten. Wer eine langfristige Betreuung wünscht, kann über die Kontaktseite ein Wartungspaket anfragen.

Angebote richtig vergleichen: Ihre Checkliste

Bevor Sie ein Angebot annehmen, sollten Sie folgende Punkte schriftlich bestätigt haben. Ein seriöser Anbieter beantwortet all das ohne Zögern.

Checkliste: Was muss ich vor der Unterschrift klären?

  • Detailliertes Leistungsverzeichnis liegt schriftlich vor
  • Anzahl der im Preis enthaltenen Revisionsrunden ist definiert
  • Verantwortung für Text- und Bildlieferung ist geklärt
  • Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Banner sind explizit enthalten
  • Hosting, Domain und SSL sind im Preis enthalten oder klar ausgewiesen
  • Übergabe und Einweisung sind beschrieben
  • Supportzeitraum nach Launch und Bedingungen sind definiert
  • Laufende Kosten nach dem Launch sind aufgeführt
  • Zahlungsplan (Anzahlung, Zwischenzahlung, Schlusszahlung) ist geregelt

Wenn Sie Angebote für eine neue Website oder einen Online-Shop einholen, ist dieses Verzeichnis Ihr Werkzeug, um Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. Ein Anbieter, der auf diese Fragen nicht eingehen will, gibt damit bereits eine Antwort.

Häufige Fragen

Was sollte ein Website-Preis mindestens beinhalten?

Ein vollständiges Angebot sollte Konzeption, responsives Design, technische Umsetzung, rechtliche Grundseiten (Impressum, Datenschutzerklärung nach DDG und DSGVO), eine initiale SEO-Konfiguration sowie eine Übergabe mit kurzer Einweisung beinhalten. Alles darunter ist ein Teilangebot, das früher oder später Nachkosten erzeugt.

Warum kosten zwei Websites ähnlicher Größe so unterschiedlich viel?

Der Hauptgrund ist der Leistungsumfang, der hinter dem Preis steckt. Ein Angebot für 1.200 Euro nutzt oft ein fertiges Theme ohne Anpassungen, liefert keine Texte und übernimmt keine rechtliche Verantwortung. Ein Angebot für 4.500 Euro kann individuelle Gestaltung, professionelles Copywriting, barrierefreie Umsetzung und laufenden Support enthalten. Ohne Leistungsverzeichnis ist kein Vergleich möglich.

Sind Hosting und Domain im Website-Preis enthalten?

Meistens nicht, oder nur für das erste Jahr. Klären Sie vor Vertragsabschluss, ob Hosting, Domain-Registrierung und SSL-Zertifikat im Preis enthalten sind. Realistisch sollten Sie für ein solides Hosting in Deutschland mit 10 bis 30 Euro pro Monat rechnen, für eine .de-Domain mit etwa 10 bis 15 Euro pro Jahr.

Muss meine Website seit 2025 barrierefrei sein?

Das BFSG gilt ab dem 28. Juni 2025 für bestimmte digitale Dienstleistungen, unter anderem für Online-Shops und bestimmte Service-Websites. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz unter 2 Millionen Euro sind ausgenommen. Als Webentwickler informiere ich über die technischen Anforderungen, für rechtliche Einordnung empfehle ich einen Fachanwalt.

Was sind realistische laufende Kosten nach dem Launch?

Planen Sie für eine durchschnittliche WordPress-Website pro Jahr ein: Hosting 120 bis 360 Euro, Plugin-Lizenzen 200 bis 500 Euro, Wartung und Updates 300 bis 600 Euro, gelegentliche Anpassungen nach Bedarf. Insgesamt sind 600 bis 1.500 Euro pro Jahr ein realistischer Richtwert für ein professionell betreutes Projekt.

Woran erkenne ich ein seriöses Angebot?

Ein seriöser Anbieter legt ein detailliertes Leistungsverzeichnis vor, nennt transparente Stundensätze oder begründete Pauschalpreise und erklärt, was explizit nicht enthalten ist. Warnzeichen sind: Pauschalpreise ohne Leistungsbeschreibung, fehlende Angaben zu Rechtskonformität und kein klarer Prozess für Übergabe und Abnahme.