Wer eine neue Website erstellt oder den Hosting-Anbieter wechselt, stößt früher oder später auf drei Buchstaben, die zunächst technisch klingen, aber eigentlich ein sehr einfaches Konzept beschreiben: DNS. Dahinter steckt einer der grundlegenden Mechanismen des Internets, und wer ihn einmal verstanden hat, weiß genau, was zu tun ist, wenn eine Website nach einem Umzug nicht erreichbar ist oder E-Mails plötzlich verschwinden.

Dieser Artikel erklärt, was DNS ist, wie die Auflösung einer Domain Schritt für Schritt abläuft, welche Eintragstypen Sie kennen sollten und warum Änderungen nicht sofort weltweit sichtbar sind. Kein technisches Vorwissen erforderlich.

DNS ist das Telefonbuch des Internets

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen alten Bekannten anrufen, kennen aber nur seinen Namen, nicht seine Telefonnummer. Sie schlagen im Telefonbuch nach, finden unter dem Namen die Nummer und rufen an. Genau so funktioniert DNS.

Jede Website im Internet ist auf einem Server gespeichert, der eine IP-Adresse hat, zum Beispiel 93.184.216.34. Computer kommunizieren untereinander ausschließlich über solche numerischen Adressen. Menschen hingegen merken sich Namen: dawidweb.com, wikipedia.org, amazon.de. DNS ist das System, das diese beiden Welten verbindet. Es übersetzt den menschenlesbaren Domainnamen in die IP-Adresse, die der Computer tatsächlich braucht.

Ohne DNS müsste man sich für jede Website eine andere Ziffernfolge merken. Das wäre unpraktisch - und bei IPv6-Adressen, die aus acht Gruppen hexadezimaler Zahlen bestehen, schlicht unmöglich.

Größe des DNSHunderte Millionen Einträge weltweit
AuflösungszeitOft unter 100 Millisekunden
Nameserver-Ebenen3 Hierarchiestufen bis zur Antwort
TTL-SpannweiteSekunden bis mehrere Tage möglich

Wie ein Browser eine Domain auflöst: der Weg Schritt für Schritt

Wenn Sie dawidweb.com in die Adresszeile Ihres Browsers eingeben und Enter drücken, passieren im Hintergrund innerhalb von Millisekunden mehrere Dinge nacheinander.

Schritt 1: Lokaler Cache. Ihr Computer prüft zunächst, ob er die IP-Adresse für diese Domain bereits gespeichert hat. Wurde die Seite kürzlich aufgerufen, liegt das Ergebnis oft noch im Cache - fertig, kein weiterer Aufwand nötig.

Schritt 2: Rekursiver Resolver. Hat der Computer keine gespeicherte Antwort, wendet er sich an einen DNS-Resolver. Das ist meist ein Server Ihres Internetanbieters oder ein öffentlicher Dienst. Der Resolver übernimmt ab hier die gesamte Arbeit der Auflösung.

Schritt 3: Root-Server. Der Resolver kennt die Antwort noch nicht, also fragt er einen der Root-Server. Diese Server stehen ganz oben in der DNS-Hierarchie und kennen die Adressen der sogenannten TLD-Nameserver. Für .de-Domains verweist der Root-Server auf die TLD-Server der DENIC, für .com-Domains auf die entsprechenden Server von Verisign.

Schritt 4: TLD-Nameserver. Der TLD-Nameserver weiß, welcher Nameserver für die konkrete Domain zuständig ist, also zum Beispiel, welcher Server die Einträge für dawidweb.com verwaltet. Er verweist den Resolver weiter.

Schritt 5: Autoritativer Nameserver. Hier liegt die verbindliche Antwort. Der autoritative Nameserver speichert die tatsächlichen DNS-Einträge der Domain und antwortet mit der IP-Adresse des Servers, auf dem die Website liegt.

Schritt 6: Verbindung aufbauen. Der Resolver gibt die IP-Adresse an den Browser zurück. Der Browser baut jetzt eine Verbindung zum Webserver auf dieser Adresse auf und lädt die Website.

Dieser gesamte Vorgang dauert in der Praxis kaum wahrnehmbare Millisekunden, weil Resolver die Antworten zwischenspeichern und viele Fragen gar nicht erst bis zu den Root-Servern durchgereicht werden.

Der rekursive Resolver übernimmt die gesamte Arbeit der Auflösung im Auftrag Ihres Browsers. Sie als Nutzer bekommen davon nichts mit - außer einer fertig geladenen Website.

DNS-Einträge: A, CNAME, MX und was dahintersteckt

Die DNS-Einträge einer Domain sind wie einzelne Zeilen in einem Telefonbuch. Jeder Eintrag hat einen Typ, der bestimmt, welche Information er enthält und wozu sie verwendet wird. Hier sind die Typen, denen Sie in der Praxis am häufigsten begegnen.

A-Record: die Verbindung zur IP-Adresse

Der A-Record ist der grundlegendste Eintrag. Er verbindet einen Domainnamen direkt mit einer IPv4-Adresse. Wenn Sie möchten, dass dawidweb.com auf den Server mit der Adresse 93.184.216.34 zeigt, erstellen Sie einen A-Record mit genau diesem Wert.

Für IPv6-Adressen gibt es den AAAA-Record, der identisch funktioniert, aber eine sechsmal längere Adresse speichert.

CNAME: ein Alias für einen anderen Namen

CNAME steht für Canonical Name und ist ein Alias-Eintrag. Er zeigt nicht auf eine IP-Adresse, sondern auf einen anderen Domainnamen. Ein typisches Beispiel: www.dawidweb.com hat einen CNAME-Eintrag, der auf dawidweb.com zeigt. Das Ergebnis ist, dass beide Adressen denselben Server erreichen, ohne dass man die IP-Adresse doppelt pflegen muss.

Wichtig: Ein CNAME darf nicht für den Apex (die Hauptdomain ohne Subdomain) verwendet werden. Er funktioniert nur für Subdomains wie www, blog, shop.

MX-Record: wohin gehen die E-Mails?

Der MX-Record (Mail Exchanger) bestimmt, welcher Server E-Mails für eine Domain entgegennimmt. Ohne einen gültigen MX-Record kommen E-Mails an Ihre Domain schlicht nicht an. Wer den E-Mail-Anbieter wechselt - etwa von einem einfachen Hosting-Postfach zu Google Workspace oder einem anderen Dienst - muss zwingend den MX-Record aktualisieren.

Bei meinen Kundenprojekten ist ein fehlender oder falscher MX-Record nach einem Server-Umzug einer der häufigsten Gründe, warum plötzlich keine Bestellbestätigungen oder Kontaktanfragen mehr ankommen.

Die wichtigsten DNS-Eintragstypen im Überblick

EintragstypZeigt aufTypischer Einsatz
A-RecordIPv4-AdresseWebsite auf bestimmten Server zeigen
AAAA-RecordIPv6-AdresseModerner Server mit IPv6-Unterstützung
CNAMEAnderer DomainnameSubdomains als Alias einrichten
MX-RecordMail-ServerE-Mail-Empfang steuern
TXT-RecordFreier TextDomain-Verifizierung, SPF für E-Mail
NS-RecordNameserver-AdresseZuständigen Nameserver festlegen

Nameserver: die Verwaltungszentrale der DNS-Einträge

Die Nameserver (NS-Records) legen fest, welche Server die DNS-Einträge einer Domain verwalten. Sie sind gewissermaßen die Adresse des Telefonbuch-Verlags. Wenn Sie eine Domain registrieren, teilen Sie dem Registrar mit, welche Nameserver für diese Domain zuständig sind. Das sind meistens die Nameserver Ihres Hosting-Anbieters.

Wenn Sie die gesamte Website zu einem anderen Anbieter umziehen, müssen Sie in der Regel beim Domain-Registrar die Nameserver-Einträge ändern. Alternativ können Sie den Nameserver beibehalten und nur einzelne Einträge - zum Beispiel den A-Record - auf die neue Server-Adresse umstellen. Welcher Weg sinnvoller ist, hängt vom Einzelfall ab.

Bei einem meiner Kunden in Hamburg, der seinen Online-Shop auf einen neuen Server umgezogen hat, haben wir genau das gemacht: Nameserver beim alten Anbieter belassen, nur den A-Record auf die neue IP umgestellt. So blieben E-Mail und andere Dienste unberührt.

Bevor Sie Nameserver oder DNS-Einträge ändern, notieren Sie alle aktuellen Werte. Eine Übersicht der bestehenden Einträge erspart Ihnen viel Sucherei, wenn nach dem Wechsel etwas nicht stimmt.

DNS-Propagierung: warum Änderungen Zeit brauchen

Sie haben den A-Record Ihrer Domain auf eine neue IP-Adresse umgestellt, aber die Website zeigt noch immer den alten Inhalt. Das ist kein Fehler - das ist DNS-Propagierung.

Das Problem ist das Caching. Resolver und andere DNS-Server speichern die Antworten, die sie erhalten, für eine gewisse Zeit zwischen, damit nicht bei jeder einzelnen Anfrage die gesamte Auflösungskette neu durchlaufen werden muss. Wie lange ein Eintrag zwischengespeichert wird, bestimmt der TTL-Wert (Time to Live).

Ein TTL von 86.400 Sekunden bedeutet, dass der Eintrag bis zu 24 Stunden lang aus dem Cache bedient wird, bevor eine neue Abfrage beim Nameserver erfolgt. Während dieser Zeit sehen manche Besucher weltweit noch die alte IP-Adresse, andere schon die neue. Das ist ganz normal.

Die vollständige DNS-Propagierung dauert in der Praxis zwischen einigen Stunden und 48 Stunden. In seltenen Fällen, wenn Resolver besonders hohe TTL-Werte strikt einhalten, auch länger.

Vorteile

  • Caching beschleunigt DNS-Anfragen erheblich
  • Weniger Last auf den Nameservern durch zwischengespeicherte Antworten
  • Stabilität: kurze Ausfälle des Nameservers bleiben für Nutzer unsichtbar

Nachteile

  • Änderungen werden nicht sofort weltweit sichtbar
  • Verschiedene Nutzer sehen nach einem Wechsel temporär unterschiedliche Inhalte
  • Fehler in DNS-Einträgen brauchen ebenfalls Zeit, bis ihre Korrektur greift

TTL bewusst einsetzen

Wer einen Hosting-Wechsel plant, kann die Wartezeit deutlich verkürzen: Senken Sie den TTL-Wert der betroffenen Einträge einige Tage vor dem geplanten Wechsel auf einen kleinen Wert, zum Beispiel 300 Sekunden (fünf Minuten). Wenn alle Resolver diesen niedrigen TTL übernommen haben, werden Änderungen nach dem Wechsel innerhalb weniger Minuten global sichtbar.

Nach dem Umzug können Sie den TTL wieder auf einen höheren Wert setzen.

Was beim Hosting-Wechsel auf der DNS-Ebene passiert

Ein Hosting-Wechsel bedeutet: Ihr Server hat eine neue IP-Adresse. Damit Browser und andere Dienste den neuen Server finden, müssen Sie mindestens den A-Record Ihrer Domain aktualisieren. Falls Sie auch E-Mail-Dienste des alten Anbieters genutzt haben, müssen Sie die MX-Records prüfen.

Wer für die neue Umgebung eine vollständig andere Infrastruktur nutzt - zum Beispiel einen CDN-Dienst oder einen Cloud-Anbieter - muss möglicherweise auch CNAME-Einträge für Subdomains anpassen.

Die Domain selbst bleibt dabei unangetastet. Sie wechseln nicht die Adresse Ihres Hauses, sondern nur die Telefonnummer, die im Telefonbuch unter dieser Adresse steht. Wer mehr über den Zusammenhang zwischen Domain, Hosting und dem Aufbau einer Website wissen möchte, findet die Grundlagen in den Artikeln Was ist eine Domain? und Was ist Webhosting? erklärt.

DNS-Checkliste für einen Hosting-Wechsel

  • Alle aktuellen DNS-Einträge vor dem Wechsel notieren (A, MX, CNAME, TXT)
  • TTL der betroffenen Einträge frühzeitig auf 300 Sekunden senken
  • Neue IP-Adresse des Ziel-Servers beim Anbieter erfragen
  • A-Record auf neue IP-Adresse umstellen
  • MX-Record prüfen, falls E-Mail-Dienst mit umzieht
  • CNAME-Einträge für Subdomains (www, shop, blog) anpassen
  • Nach 24-48 Stunden prüfen, ob die Website weltweit erreichbar ist
  • TTL nach erfolgreichem Umzug wieder auf höheren Wert setzen

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

In meiner Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen sind mir einige DNS-Fehler immer wieder begegnet. Der häufigste: Nach einem Hosting-Wechsel wird nur der A-Record aktualisiert, aber der MX-Record bleibt auf den alten Mail-Server zeigen. Das Ergebnis: E-Mails landen weiterhin beim alten Anbieter, der eventuell nicht mehr eingerichtet ist - oder gar nicht erst zugestellt wird.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Vergessen von TXT-Records. TXT-Einträge werden unter anderem für SPF-Einträge benötigt, die festlegen, welche Server im Namen Ihrer Domain E-Mails versenden dürfen. Fehlt dieser Eintrag oder ist er falsch, landen ausgehende E-Mails im Spam-Ordner der Empfänger.

Und schließlich: CNAME für den Apex. Es ist technisch nicht möglich, für die Hauptdomain (also meineseite.de ohne www) einen CNAME-Eintrag zu setzen. Wer das versucht, erhält entweder eine Fehlermeldung oder einen defekten Eintrag. Für den Apex muss ein A-Record verwendet werden.

Wenn Sie eine professionelle Webseite aufbauen oder Ihren Online-Shop technisch auf solide Beine stellen möchten, lohnt sich ein Blick auf die DNS-Einstellungen als Teil des Fundaments. Wer dabei Unterstützung sucht, kann sich gerne über die Kontaktseite melden.

Häufige Fragen

Was ist DNS und wofür wird es gebraucht?

DNS steht für Domain Name System und funktioniert wie das Telefonbuch des Internets. Es übersetzt menschenlesbare Domainnamen wie dawidweb.com in numerische IP-Adressen, die Computer und Server tatsächlich verwenden. Ohne DNS müsste man sich für jede Website eine lange Ziffernfolge merken.

Wie lange dauert die DNS-Propagierung nach einem Hosting-Wechsel?

In den meisten Fällen dauert die DNS-Propagierung zwischen einigen Stunden und 48 Stunden. Wie lange genau, hängt vom TTL-Wert der betroffenen Einträge ab. Wer den TTL bereits einige Tage vor dem Wechsel auf einen niedrigen Wert senkt, kann die Wartezeit erheblich verkürzen.

Was ist der Unterschied zwischen A-Record und CNAME?

Ein A-Record verknüpft einen Domainnamen direkt mit einer IPv4-Adresse. Ein CNAME hingegen ist ein Alias: Er zeigt nicht auf eine IP-Adresse, sondern auf einen anderen Domainnamen. CNAMEs werden häufig für Subdomains verwendet, zum Beispiel wenn www.meineseite.de auf meineseite.de zeigen soll.

Was passiert, wenn DNS-Einträge fehlen oder falsch sind?

Fehlerhafte oder fehlende DNS-Einträge führen dazu, dass die Website nicht erreichbar ist, E-Mails nicht ankommen oder Subdomains ins Leere zeigen. Typische Fehlerquellen sind ein falscher A-Record nach einem Server-Umzug oder ein fehlender MX-Record nach einem Wechsel des E-Mail-Anbieters.

Was bedeutet TTL bei DNS-Einträgen?

TTL steht für Time to Live und gibt in Sekunden an, wie lange ein DNS-Eintrag von anderen Servern zwischengespeichert werden darf. Ein TTL von 86.400 bedeutet, dass der Eintrag bis zu 24 Stunden lang aus dem Cache bedient wird. Niedrigere TTL-Werte führen zu häufigeren Abfragen am Nameserver, ermöglichen aber schnellere Reaktionen auf Änderungen.

Muss ich DNS selbst verwalten?

In den meisten Fällen übernimmt das der Hosting-Anbieter. Wer jedoch E-Mail-Dienste, CDN-Anbieter oder externe Tools einbindet, muss einzelne DNS-Einträge manuell setzen. Das ist kein Hexenwerk, erfordert aber ein Grundverständnis der Eintragstypen und der Auswirkungen von Änderungen.

Was ist ein autoritativer Nameserver?

Der autoritative Nameserver ist der Server, der die verbindlichen DNS-Einträge einer Domain speichert und auf Anfragen mit einer endgültigen Antwort antwortet. Er steht am Ende der Auflösungskette und wird typischerweise vom Hosting-Anbieter oder Domain-Registrar betrieben.