Impressum, AGB, Widerruf: rechtliches Minimum DE-Shop
Welche Rechtstexte braucht ein Onlineshop in Deutschland? Ich zeige Impressum nach DDG, AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutz, Bruttopreise mit Grundpreis und wie du Abmahnungen vermeidest.
Vier Pflichttexte: Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklaerung
Impressum nach DDG in zwei Klicks von jeder Seite erreichbar
Widerrufsrecht 14 Tage, fehlerhafte Belehrung verlängert es auf bis zu 12 Monate
Preise brutto mit Hinweis auf MwSt. und Versand, oft plus Grundpreis
Bestellbutton mit der Aufschrift "zahlungspflichtig bestellen"
Eine Abmahnung kostet real Geld, Rechtstexte nie selbst schreiben
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Warum der Rechtsrahmen für Shops in Deutschland so streng ist
Deutschland ist der größte E-Commerce-Markt Europas und ein attraktives Ziel für jeden Onlineshop. Er hat aber eine Besonderheit, die viele Händler unterschätzen: Das Verbraucherrecht wird hier nicht nur von Behörden durchgesetzt, sondern auch von Mitbewerbern und spezialisierten Kanzleien, über das Instrument der Abmahnung. Das ist eine kostenpflichtige Aufforderung, einen Verstoß zu unterlassen, und sie kann dich schon wegen einer kleinen Lücke auf der Seite treffen.
Ein fehlerhafter Rechtstext bedeutet hier nicht nur ein abstraktes Risiko. Er kann ganz konkret in einem Brief einer Kanzlei muenden, die im Auftrag eines Mitbewerbers handelt, mit der Forderung nach Erstattung der Anwaltskosten und der Unterzeichnung einer Unterlassungserklaerung mit Vertragsstrafe für die Zukunft. Deshalb behandelst du das rechtliche Minimum nicht als Formalität, sondern als Voraussetzung für sicheren Verkauf.
Die gute Nachricht: Die Anforderungen sind konkret und überprüfbar. Es geht nicht um eine Ermessensfrage, sondern um eine Liste von Elementen, die entweder vorhanden sind oder nicht. In diesem Beitrag gehe ich diese Elemente der Reihe nach durch, damit dein Shop von Anfang an auf der sicheren Seite steht.
Impressum: die Pflichtkennzeichnung nach DDG
Das Impressum ist die verpflichtende Anbieterkennzeichnung, also die Information darüber, wer hinter dem Shop steht. Bis 2024 ergab sich diese Pflicht aus dem TMG (Telemediengesetz). Seit Mai 2024 hat das DDG (Digitale-Dienste-Gesetz) das TMG abgelöst, das den europäischen Digital Services Act umsetzt. Inhaltlich sind die Pflichtangaben praktisch gleich geblieben, geändert hat sich die Rechtsgrundlage. Wo früher "Paragraf 5 TMG" stand, heißt es heute "Paragraf 5 DDG".
Im Impressum eines Onlineshops müssen mindestens stehen:
- Vollständiger Firmenname entsprechend dem Register (Einzelunternehmen mit Vor- und Nachname, Gesellschaft mit Rechtsform).
- Postanschrift: die vollständige Anschrift des Sitzes, ein Postfach allein reicht nicht.
- Kontaktdaten: E-Mail-Adresse und ein zweiter, schneller Kontaktweg, in der Praxis eine Telefonnummer.
- Handelsregister: bei einer eingetragenen Gesellschaft Registergericht und Registernummer (HRB).
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, sofern vorhanden.
- Verantwortliche Person für den Inhalt, wenn der Shop redaktionelle Inhalte oder einen Blog führt.
Das Impressum muss von jeder Unterseite erreichbar sein, eindeutig mit dem Wort "Impressum" bezeichnet und in maximal zwei Klicks aufrufbar. Standard ist ein Link im Footer. Es darf nicht unter einem allgemeinen "Über uns" versteckt oder hinter einem Formular verborgen werden.
Die häufigsten Impressum-Fehler sind eine fehlende Telefonnummer (eine E-Mail allein genügt nicht als zweiter Kontaktweg), eine fehlende Umsatzsteuer-ID trotz Vorhandensein und ein so versteckter Link, dass er kaum zu finden ist. Jede dieser Lücken ist ein möglicher Abmahngrund.
AGB: keine Kür, aber in der Praxis Standard
Die AGB (Allgemeine Geschaeftsbedingungen) sind nicht im engen Sinn gesetzlich vorgeschrieben, ein Shop kann theoretisch ohne sie betrieben werden. In diesem Fall gelten aber ausschließlich die gesetzlichen Vorschriften, und du verlierst die Möglichkeit, viele Punkte zu deinen Gunsten zu regeln. Für einen ernsthaften Onlineshop sind AGB der Standard, und ihr Fehlen wirkt unprofessionell.
Entscheidend ist die Substanz: AGB beruhen auf dem deutschen BGB und der deutschen Umsetzung der EU-Richtlinien. In den AGB regelst du unter anderem:
- Geltungsbereich und Zeitpunkt des Vertragsschlusses (wann der Klick auf den Button einen bindenden Vertrag erzeugt).
- Preise, Versandkosten und verfügbare Zahlungsarten.
- Lieferbedingungen und Fristen.
- Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Bezahlung.
- Gewaehrleistung nach deutschem Recht.
Das deutsche Recht behandelt unzulässige Klauseln in AGB sehr streng. Eine Klausel, die gegen das BGB verstößt, ist unwirksam und zugleich ein möglicher Abmahngrund. Deshalb sind AGB der letzte Text, den du selbst formulieren solltest.
Widerrufsbelehrung: das Widerrufsrecht in 14 Tagen
Für viele Händler ist das der heikelste Punkt. Verbraucher haben bei Verträgen im Fernabsatz ein Widerrufsrecht von 14 Tagen, ohne Angabe von Gründen. Die Widerrufsbelehrung ist die Aufklärung über dieses Recht, die du dem Kunden klar mitteilen musst, zusammen mit dem Muster-Widerrufsformular.
Der wichtigste Mechanismus, den du verstehen musst: Die Frist von 14 Tagen beginnt erst, wenn du korrekt über das Widerrufsrecht belehrt hast. Ist die Belehrung fehlerhaft oder fehlt sie, verlängert sich die Widerrufsfrist automatisch, auf maximal 12 Monate und 14 Tage. In der Praxis heißt das: Bei einer fehlerhaften Belehrung kann der Kunde die Ware fast ein Jahr nach dem Kauf zurückgeben. Das ist keine Theorie, sondern eine direkte finanzielle Folge eines Textfehlers.
| Element | Korrekte Belehrung | Fehlerhaft oder fehlend |
|---|---|---|
| Widerrufsfrist | 14 Tage ab Erhalt der Ware | bis zu 12 Monate und 14 Tage |
| Muster-Widerrufsformular | beigefügt und erreichbar | fehlt, Abmahngrund |
| Wer zahlt die Ruecksendung | auf Kunden übertragbar bei Belehrung | Kosten bleiben bei dir |
| Rechtsrisiko | minimal | Abmahnung plus lange Rueckgabefrist |
Es gibt Ausnahmen vom Widerrufsrecht, etwa massgefertigte Ware, schnell verderbliche Produkte oder entsiegelte Audiotraeger und Software. Auch diese Ausnahmen musst du korrekt beschreiben, denn sie greifen nicht automatisch.
Zeige die Widerrufsbelehrung an zwei Stellen: als eigene Seite Widerrufsbelehrung im Footer und in der Bestellbestaetigung per E-Mail zusammen mit dem Muster-Formular. So hast du den Nachweis, dass der Kunde die Belehrung erhalten hat, und genau das entscheidet, ab wann die 14 Tage laufen.
Datenschutzerklaerung: Datenschutz nach DSGVO
Die Datenschutzerklaerung beschreibt die Verarbeitung personenbezogener Daten nach der DSGVO. Ein Shop verarbeitet Daten an jeder Stelle: Kontoregistrierung, Bestellung, Versand, Zahlung, Newsletter, Analyse. Die Datenschutzerklaerung muss klar beschreiben, welche Daten du erhebst, zu welchem Zweck, auf welcher Rechtsgrundlage, an wen du sie weitergibst und wie lange du sie speicherst.
Für einen Onlineshop sind drei Bereiche besonders wichtig:
- Einwilligung für Cookies und Analyse: Tools wie Google Analytics oder Werbe-Pixel brauchen eine Einwilligung über das Cookie-Banner, bevor sie laden. Das Banner muss eine echte Ablehnung erlauben, nicht nur die Zustimmung.
- Datenuebermittlung in die USA: Wenn du US-Tools nutzt, musst du das offenlegen und die Grundlage der Uebermittlung nennen.
- Auftragsverarbeiter: Versanddienstleister, Zahlungsanbieter, Hoster, Mailsystem. Jeden musst du nennen und mit ihm einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen.
Die Datenschutzerklaerung ist nach dem Impressum der zweite Text, der von jeder Unterseite erreichbar sein muss. Die deutschen Datenschutzbehoerden sind aktiv, und eine fehlende oder fehlerhafte Erklärung ist nicht nur ein Abmahnrisiko, sondern auch ein mögliches behördliches Verfahren.
Bruttopreise, Grundpreis und Versandkosten
Im Verkauf an Verbraucher gibst du Preise immer als Bruttopreis an, also inklusive Mehrwertsteuer, und genau dieser Preis muss deutlich sichtbar sein. Das ergibt sich aus der Preisangabenverordnung (PAngV). Die bloße Zahl genügt nicht, du musst die von der PAngV verlangten Hinweise ergaenzen.
Konkret muss am Produkt und im Warenkorb klar sein, dass der Preis die MwSt. enthält und dass Versandkosten hinzukommen, mit einem Link zur Versandseite. Der typische Zusatz lautet: "inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten". Die zweite Pflicht ist der Grundpreis, also der Preis je Mengeneinheit, immer erforderlich, wenn die Ware nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten wird.
- Kosmetik in einer 250-ml-Flasche: neben dem Preis die Umrechnung pro Liter.
- Kaffee in der 500-g-Packung: neben dem Preis die Umrechnung pro Kilogramm.
- Kabel als Meterware: der Preis pro Meter.
WooCommerce berechnet den Grundpreis nicht von Haus aus, du brauchst also ein Plugin für Grundpreise oder ein eigenes Produktfeld. Das wird oft übersehen, und ein fehlender Grundpreis dort, wo er Pflicht ist, gehört zu den häufigsten Abmahngruenden bei Lebensmittel- und Kosmetikshops.
Seit 2022 gilt bei Rabatten zusätzlich die Pflicht, den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage anzugeben (Umsetzung der Omnibus-Richtlinie). Wenn du einen alten Preis durchstreichst, musst du den niedrigsten Preis der 30 Tage vor der Senkung zeigen, sonst ist die Werbung irreführend.
Button-Loesung: der Bestellbutton mit klarer Aufschrift
Das ist eine deutsche Vorgabe, die leicht übersehen wird und doch hart durchgesetzt wird. Die Button-Loesung verlangt, dass der Button, der die Bestellung abschließt, eindeutig darauf hinweist, dass der Klick eine Zahlungspflicht auslöst. Zulässig sind Formulierungen wie "zahlungspflichtig bestellen" oder "kostenpflichtig bestellen".
Ein einfaches "Bestellen" oder "Absenden" erfüllt die Vorgabe nicht. Ist der Button nicht korrekt beschriftet, kann der Vertrag insgesamt unwirksam sein, und das bedeutet, dass der Kunde nicht zur Zahlung verpflichtet ist. Das ist ein seltenes Beispiel für einen Fehler, der direkt die Wirksamkeit des Verkaufs trifft, nicht nur das Rechtsrisiko.
In WooCommerce änderst du die Beschriftung des Bestellbuttons (order button text) auf die korrekte Formel. Das Plugin Germanized erledigt das automatisch, weshalb es sich bei einem Shop für den deutschen Markt von Anfang an lohnt, denn es achtet auf diese und mehrere andere deutsche Vorgaben zugleich.
Rechtliches Minimum fuer einen Shop in Deutschland
- Impressum mit vollständigen Firmenangaben, im Footer auf jeder Unterseite
- AGB nach deutschem Recht, keine übersetzte Vorlage aus dem Ausland
- Widerrufsbelehrung mit 14 Tagen Widerrufsrecht und Muster-Formular
- Datenschutzerklaerung nach DSGVO mit Liste der Auftragsverarbeiter und Cookie-Banner mit echter Ablehnung
- Bruttopreise mit Hinweis auf MwSt. und Versand, Grundpreis bei Gewicht und Volumen
- Bestellbutton mit der Aufschrift "zahlungspflichtig bestellen" (Button-Loesung)
- Niedrigster Preis der letzten 30 Tage bei jedem Rabatt (Omnibus-Regel)
- Rechtstexte aus einem Generator oder vom Anwalt, mit Updates bei Gesetzesaenderungen
Woher die Rechtstexte kommen und wie du das Abmahnrisiko senkst
Da du Rechtstexte nicht selbst schreibst und nicht aus dem Ausland übersetzt, bleiben zwei sinnvolle Wege. Der erste ist ein kostenpflichtiger Rechtstexte-Dienst mit Generator, der die Dokumente auf deinen Shop zuschneidet und bei jeder Gesetzesaenderung aktualisiert. In Deutschland sind Haendlerbund und IT-Recht Kanzlei der Standard, im Modell eines monatlichen Beitrags, oft mit Haftungsuebernahme im Abmahnfall, wenn du ihre Texte verwendet hast. Diesen Weg empfehle ich den meisten Shops, denn das E-Commerce-Recht in Deutschland ändert sich regelmäßig, und eine manuelle Aktualisierung ist mühsam.
Der zweite Weg ist ein einmaliger Auftrag an einen auf E-Commerce-Recht spezialisierten Anwalt. Er liefert Texte für den aktuellen Stand, aber ohne automatische Updates, du musst die Änderungen also selbst verfolgen. Das ist die Option für einen Shop mit einem ungewöhnlichen Modell, das ein Generator nicht gut abbildet.
Den dritten Weg, das Kopieren aus einem anderen Shop, behandelst du nicht als Option. Du übernimmst fremde Fehler und verletzt zugleich das Urheberrecht am Text, was selbst ein Abmahngrund ist. Das ist der schnellste Weg in ein Problem, nicht zu seiner Lösung.
Wenn du einen WooCommerce-Shop für den deutschen Markt aufbaust oder einen bestehenden Shop rechtssicher machst, mache ich das bei DawidWeb komplett: Konfiguration von Germanized für Bruttopreise, Grundpreis, Button-Loesung und deutsche Transaktionsmails, das Einbinden der Texte aus dem Rechtstexte-Generator an die richtigen Stellen sowie ein DSGVO-konformes Cookie-Banner. Webseiten und Shops baue ich ab 600 Euro, mit über 120 Projekten Erfahrung, und ein Angebot für dein konkretes Vorhaben bekommst du innerhalb von 24 Stunden. Trenne dabei die Texte (Anwalt oder Generator) von der technischen Umsetzung (Shop) und bringe beide Teile sauber zusammen.
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