Die OSS-Lieferschwelle sind gemeinsame 10.000 EUR netto pro Jahr für alle B2C-Verkäufe in die EU
Nach Überschreiten berechnest du den Steuersatz des Kundenlandes und meldest ihn per OSS
OSS gilt nur für B2C, B2B-Geschäfte mit gültiger USt-IdNr. fallen heraus
Rechnungen automatisierst du per Anbindung an lexoffice (Lexware Office) oder sevDesk
Der Shop braucht korrekte Steuersätze pro Land, sonst stimmt die OSS-Meldung nicht
Der Steuerberater kommt bei OSS-Anmeldung und erster Quartalsmeldung ins Spiel
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Rechnungen und OSS: zwei Themen, die zusammengehören

Wenn du einen WooCommerce-Shop betreibst und nicht nur in Deutschland, sondern auch in andere EU-Länder verkaufst, stößt du früher oder später auf zwei Dinge gleichzeitig. Das erste sind automatische Rechnungen, denn ein Dutzend Dokumente am Tag von Hand zu schreiben ergibt keinen Sinn. Das zweite ist das OSS-Verfahren, das darüber entscheidet, welchen Steuersatz du berechnest und wo du die Umsatzsteuer meldest. Beide Themen greifen ineinander, denn die Rechnung muss den korrekten Satz zeigen, und der Satz hängt davon ab, ob du bereits im OSS bist.

In diesem Text zeige ich, wie du das in der Praxis zusammensetzt. Zuerst die Mechanik von OSS und die Schwelle, dann die Steuersätze in WooCommerce, danach die Anbindungen an die Buchhaltung und am Ende der Moment, ab dem du wirklich einen Steuerberater brauchst. Ohne Umschweife und mit konkreten Werkzeugen, die ich bei Kunden einsetze.

Das OSS-Verfahren kurz erklärt: eine Schwelle für die ganze EU

OSS, also One Stop Shop, ist eine EU-Vereinfachung für die Umsatzsteuer beim Fernverkauf an Verbraucher in anderen Ländern der Union. Das Prinzip ist leicht beschrieben, auch wenn der Teufel im Detail steckt. Solange deine B2C-Verkäufe in alle EU-Länder zusammen die gemeinsame Schwelle von 10.000 EUR netto im Jahr nicht überschreiten, berechnest du den deutschen Steuersatz und meldest ihn wie gewohnt in Deutschland.

Entscheidend ist das Wort zusammen. Es sind nicht 10.000 EUR pro Land. Es ist eine Gesamtsumme für die gesamte Union. Lieferst du Ware für 4000 EUR nach Österreich, für 4000 EUR in die Niederlande und für 3000 EUR nach Frankreich, hast du die Schwelle überschritten, obwohl du in kein einzelnes Land für 10.000 EUR verkauft hast. Ab dem Überschreiten berechnest du den Steuersatz des Lieferlandes und meldest diese Umsatzsteuer über eine einzige gemeinsame OSS-Erklärung, statt dich in jedem Staat separat zu registrieren.

Zwei Dinge solltest du dir merken. OSS gilt nur für Verkäufe an Verbraucher (B2C). Den Verkauf an eine Firma mit gültiger USt-IdNr. rechnest du separat über das Reverse-Charge-Verfahren ab, außerhalb von OSS. Das Zweite: Du kannst freiwillig schon vor Überschreiten der Schwelle in OSS einsteigen, wenn du weißt, dass du sie ohnehin reißt, um den Zähler nicht beobachten und die Regeln nicht mitten im Jahr ändern zu müssen.

Richte im Shop-Backend oder in einer Tabelle einen einfachen Zähler für die laufenden B2C-Verkäufe in die EU ein. Die Schwelle von 10.000 EUR kommt schneller als gedacht, und ein unbemerktes Überschreiten bedeutet falschen Steuersatz und rückwirkende Korrekturen. Besser, du weißt es im Voraus.

Steuersätze pro Land: das Fundament für alles Weitere

Hier beginnt der technische Teil, der im Shop meist eingerichtet werden muss. Bist du erst einmal im OSS, muss jeder Verkauf an einen Verbraucher in einem anderen EU-Land den Steuersatz dieses Landes tragen, ermittelt anhand der Lieferadresse. Die Regelsätze unterscheiden sich zwischen den Staaten, dazu kommen ermäßigte Sätze für bestimmte Warengruppen, etwa Bücher oder Lebensmittel.

In WooCommerce machst du das in den Steuereinstellungen: Du legst für jedes Land eine eigene Steuerzeile an und stellst die Berechnung auf die Lieferadresse des Kunden um. Unten ein paar beispielhafte Regelsätze, um die Bandbreite zu zeigen. Nimm sie als Orientierung, denn Sätze werden gelegentlich angepasst und die aktuellen Werte solltest du immer prüfen.

Beispielhafte Steuersätze in der EU

LandRegelsatz USt (orient.)Hinweis
Deutschland19%ermäßigter Satz 7%
Österreich20%ermäßigter Satz 10%
Niederlande21%ermäßigter Satz 9%
Frankreich20%mehrere ermäßigte Sätze
Polen23%ermäßigte Sätze 8% und 5%
Tschechien21%ermäßigter Satz 12%

Ein Dutzend und perspektivisch noch mehr Sätze von Hand zu pflegen ist Arbeit, die du nicht jedes Quartal machen willst. Deshalb nutzt man bei echtem OSS-Verkauf eine von zwei Lösungen. Entweder ein Plugin, das die aktuellen EU-Sätze automatisch setzt, oder die Anbindung an ein Buchhaltungsprogramm, das den korrekten Satz selbst dem Dokument zuordnet. In der Praxis kombiniere ich bei Kunden beides: Der Shop berechnet an der Kasse die richtige Umsatzsteuer, das Buchhaltungsprogramm erstellt darauf die Rechnung.

Automatische Rechnungen in WooCommerce: so funktioniert es

WooCommerce selbst erstellt keine vollwertigen Rechnungen im buchhalterischen Sinn. Es erzeugt eine Bestellung, und die Rechnung erstellt das mit dem Shop verbundene Buchhaltungsprogramm über ein Anbindungs-Plugin. Das Schema ist immer dasselbe, unabhängig vom Werkzeug.

  1. Der Kunde bestellt und zahlt: WooCommerce speichert die Bestellung mit den Daten und der berechneten Umsatzsteuer.
  2. Das Anbindungs-Plugin schickt die Daten ans Buchhaltungsprogramm: nach Zahlung gehen die Daten an lexoffice oder sevDesk.
  3. Das Programm erstellt die Rechnung: mit korrekter Nummerierung, Steuersatz und Verkäuferangaben gemäß den deutschen Vorgaben.
  4. Die Rechnung geht an Kunde und Backend zurück: das PDF kommt per Mail zum Käufer und wird der Bestellung im Shop angehängt.

Wichtig ist, dass das ohne dein Zutun passiert. Eine gut eingerichtete Anbindung erstellt die Rechnung Sekunden nach der Zahlung, und du schaust nur dann hinein, wenn etwas korrigiert werden muss. Das ist der Unterschied zwischen einem Shop, der von selbst skaliert, und einem, in dem der Inhaber abends Dokumente abtippt.

Der häufigste Fehler bei Rechnungen im Mehrländer-Shop ist eine Abweichung des Steuersatzes zwischen Shop und Rechnung. Wenn WooCommerce 19% deutsche USt berechnet hat, das Buchhaltungsprogramm die Rechnung aber mit österreichischen 20% erstellt, hast du einen Bruch, der bei einer Prüfung auffällt. Sorge dafür, dass die Sätze an beiden Stellen aus einer Quelle stammen.

Die richtigen Werkzeuge für den deutschen Markt: lexoffice und sevDesk

Ist deine Firma in Deutschland registriert, sind lexoffice (jetzt unter der Marke Lexware Office) und sevDesk der Standard. Beide sind auf die deutschen buchhalterischen Gegebenheiten ausgelegt, unterstützen OSS und beherrschen die E-Rechnung in den Formaten ZUGFeRD und XRechnung, was angesichts der deutschen Vorgaben zur elektronischen Rechnung wichtig ist.

  • lexoffice / Lexware Office: sehr beliebt bei kleinen Firmen und Einzelunternehmern, mit vielen fertigen WooCommerce-Anbindungen. Gute Wahl, wenn du Einfachheit und eine breite Auswahl an Plugins willst, die den Shop mit dem Programm verbinden.
  • sevDesk: ebenso stark, oft gewählt bei umfangreicherer Buchhaltung und enger Zusammenarbeit mit dem Steuerberater. Es ordnet Erlöse sauber den Buchhaltungskonten zu.

Auf der Seite des Plugins, das den Shop mit dem Programm verbindet, bewähren sich am deutschen Markt Lösungen wie Germanized Pro (preislich meist um die 69 EUR pro Jahr), German Market oder dedizierte Brücken wie Woolex oder Faktur Pro. Ein Teil davon bringt OSS-Unterstützung und die korrekte Zuordnung der Sätze zu Erlöskonten mit, was bei der deutschen Buchhaltung wichtig ist.

WerkzeugTypFür wenPreis (orient.)
lexoffice / Lexware OfficeBuchhaltungkleine Firma, viele fertige Anbindungenab einigen EUR / Monat
sevDeskBuchhaltungumfangreiche Buchhaltung, Arbeit mit Steuerberaterab einigen EUR / Monat
Germanized ProPlugin / Anbindungrechtssicherer DE-Shop mit OSS und E-Rechnungum 69 EUR / Jahr
Woolex / Faktur ProAnbindungBrücke Shop zu lexoffice oder sevDeskje nach Plan

Die Preise sind Richtwerte und hängen vom gewählten Tarif und den Zusatzfunktionen ab. Ich nenne sie, um die Größenordnung zu zeigen, nicht als feste Preisliste. Die Unterschiede beim Abo sind meist so gering, dass wichtiger ist, womit dein Steuerberater tatsächlich arbeitet.

Wann du wirklich einen Steuerberater brauchst

Die Grenze ist recht klar. Die technische Einrichtung von Shop, Steuersätzen und Anbindung lässt sich ohne Steuerberater erledigen, das ist der Teil, den ich übernehme. Es gibt jedoch drei Stellen, an denen ein Steuerberater wirklich nötig ist und an denen du nicht sparen solltest.

Momente, in denen der Steuerberater einsteigt

  • Anmeldung zum OSS-Verfahren beim Finanzamt und Entscheidung über den freiwilligen Einstieg vor der Schwelle
  • Korrekte Zuordnung der Steuersätze einzelner Länder zu den Erlöskonten im Programm
  • Erste OSS-Quartalsmeldung und Abgleich, ob die Daten aus dem Shop stimmen
  • B2B-Geschäfte mit Reverse-Charge, die außerhalb von OSS liegen
  • Korrekturen und Retouren, die die Umsatzsteuer im jeweiligen Quartal beeinflussen

Eine gute Arbeitsteilung sieht so aus: Ich richte WooCommerce, die Steuersätze pro Land, die automatischen Rechnungen und die Anbindung an das Buchhaltungsprogramm ein, der Steuerberater kümmert sich um das OSS-Verfahren selbst und die Meldungen. Ist der Prozess einmal aufgesetzt, läuft der Alltag einfach und weitgehend automatisch. Der Versuch, die erste OSS-Meldung allein und ohne Erfahrung zu stemmen, ist die häufigste Quelle teurer Korrekturen.

Wenn du einen Shop aufbaust, der in die EU verkauft, oder einen bestehenden ordnen willst: Bei DawidWeb mache ich das regelmäßig. Konfiguration der Steuersätze für OSS, Anbindung der automatischen Rechnungen über lexoffice oder sevDesk, Tests der korrekten Sätze und Einrichtung der Webhooks, damit die Dokumente von selbst erstellt werden. Webseiten und Shops baue ich ab 600 EUR, ich arbeite auf dem deutschen und polnischen Markt, habe über 120 Projekte umgesetzt, und ein Angebot für deine konkrete Umsetzung bekommst du innerhalb von 24 Stunden.

Häufige Fragen

Was ist das OSS-Verfahren und wen betrifft es?

OSS (One Stop Shop) ist eine EU-Vereinfachung für die Umsatzsteuer beim Fernverkauf an Verbraucher in anderen EU-Ländern. Statt dich in jedem Land umsatzsteuerlich zu registrieren, in das du lieferst, meldest du dich einmal in deinem Land an und gibst eine einzige Quartalserklärung für deine Verkäufe in die gesamte EU ab. Es betrifft B2C-Verkäufe nach Überschreiten der gemeinsamen Lieferschwelle von 10.000 EUR netto pro Jahr. B2B-Geschäfte mit gültiger USt-IdNr. rechnest du separat ab, außerhalb von OSS.

Ab wann muss ich den Steuersatz des Kundenlandes berechnen?

Ab dem Moment, in dem du die gemeinsame Lieferschwelle von 10.000 EUR netto überschreitest, gerechnet als Summe aller grenzüberschreitenden B2C-Verkäufe in alle EU-Länder zusammen im laufenden Jahr. Das sind nicht 10.000 pro Land, sondern eine Gesamtsumme für die gesamte EU. Bis zur Schwelle berechnest du den deutschen Satz, danach den Satz des Lieferlandes, und ab dann meldest du über OSS. Du kannst die Schwelle auch freiwillig vorab überschreiten und früher in OSS einsteigen.

Wie stelle ich die Steuersätze pro Land in WooCommerce ein?

In den Steuereinstellungen von WooCommerce legst du für jedes EU-Land eine eigene Steuerzeile mit dem aktuellen Regelsatz an, etwa 19% für Deutschland, 21% für die Niederlande, 20% für Österreich. Danach stellst du die Berechnung auf die Lieferadresse des Kunden um. Ein Dutzend Sätze von Hand zu pflegen ist mühsam und fehleranfällig, deshalb nutzt man bei echtem OSS-Verkauf ein Plugin, das die aktuellen Sätze automatisch setzt, oder lässt das die Anbindung an die Buchhaltung übernehmen.

Brauche ich ein eigenes Rechnungs-Plugin, wenn ich schon ein Buchhaltungsprogramm habe?

Ja, du brauchst ein Plugin, das WooCommerce mit dem Buchhaltungsprogramm verbindet. Das Programm allein weiß nichts von den Bestellungen im Shop, bis ihm jemand die Daten übergibt. Das Anbindungs-Plugin (etwa für lexoffice oder sevDesk) schickt die Bestelldaten an das Programm, das die Rechnung mit korrektem Steuersatz und Nummerierung erstellt, und das Plugin sendet das PDF an den Kunden und in die Bestellung zurück. Ohne das tippst du Rechnungen von Hand ab.

Was ist für einen Shop in Deutschland besser, lexoffice oder sevDesk?

Beide bedienen den deutschen Markt, OSS und die E-Rechnung gut. lexoffice (jetzt Lexware Office) ist bei kleinen Firmen sehr beliebt und hat viele fertige WooCommerce-Anbindungen, sevDesk wird oft bei umfangreicherer Buchhaltung und enger Zusammenarbeit mit dem Steuerberater gewählt. Der Preisunterschied ist gering, deshalb entscheidet häufig, womit dein Steuerberater arbeitet. Frag ihn am besten vor der Wahl, denn er empfängt die Daten aus dem Programm.

Kann ich OSS ohne Steuerberater abwickeln?

Technisch ja, aber beim Verkauf in viele EU-Länder rate ich am Anfang davon ab. Die Mechanik von Shop und Rechnungen lässt sich einrichten, doch die OSS-Anmeldung, die korrekte Zuordnung der Sätze zu Erlöskonten und die erste Quartalsmeldung sind die Stellen, an denen ein teurer Fehler passieren kann. Eine gute Aufteilung ist: Ich richte Shop, Rechnungen und Anbindung ein, der Steuerberater übernimmt OSS und die Meldungen. Ist der Prozess einmal aufgesetzt, läuft der Alltag einfach.