Keyword-Recherche für kleine Unternehmen: Anleitung mit kostenlosen Tools
Mit Google Search Console, Google Keyword Planner und Ubersuggest lässt sich eine solide Keyword-Recherche ohne Budget durchführen. Wer die richtigen Suchbegriffe kennt, schreibt Inhalte, die auch gefunden werden.
Die meisten kleinen Unternehmen, die ich berate, haben dasselbe Problem: Sie schreiben Blogbeiträge oder Texte für ihre Website und wundern sich, warum kaum jemand die Seiten findet. Fast immer liegt es nicht am Text selbst, sondern daran, dass niemand nach den Begriffen sucht, die verwendet wurden. Keyword-Recherche klingt nach etwas für große Agenturen mit teuren Tool-Abonnements. Das stimmt nicht.
Ich mache das seit 13 Jahren für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland und Polen, und ich nutze für viele Projekte bis heute kostenlose Tools. Nicht aus Sparsamkeit, sondern weil sie für den Einstieg und für überschaubare Websites tatsächlich ausreichen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie das in der Praxis funktioniert.
Was Keyword-Recherche wirklich bedeutet
Keyword-Recherche ist nicht das Befüllen einer Liste mit möglichst vielen Begriffen. Es geht darum, herauszufinden, was Ihre potenziellen Kunden tatsächlich bei Google eintippen, und dann zu beurteilen, ob sich der Aufwand lohnt, für genau diese Begriffe sichtbar zu werden.
Dreierlei Fragen müssen beantwortet werden: Wie viele Menschen suchen nach diesem Begriff? Wie hart ist der Wettbewerb? Und passt die Suchabsicht zu dem, was Sie anbieten? Erst wenn alle drei Antworten stimmen, ist ein Keyword wirklich interessant.
Der Suchintent ist der wichtigste Filter. Ein Keyword mit 2.000 monatlichen Suchen bringt nichts, wenn die Searcher Informationen wollen, Sie aber eine Produktseite haben. Schauen Sie sich immer zuerst die ersten fünf Google-Ergebnisse an, bevor Sie ein Keyword priorisieren.
Schritt 1: Google Search Console als Ausgangspunkt
Wenn Ihre Website bereits einige Monate online ist und in der Google Search Console registriert wurde, haben Sie dort die wertvollsten Keyword-Daten, die Sie bekommen können. Kostenlos, direkt von Google.
Gehen Sie in der Search Console auf "Suchanfragen" unter dem Bereich "Leistung". Filtern Sie nach den letzten drei Monaten. Sie sehen eine Tabelle mit Begriffen, für die Google Ihre Seite bereits in den Ergebnissen anzeigt, auch wenn Sie noch nicht auf Seite 1 stehen.
Besonders interessant sind Keywords, für die Sie 50 bis 500 Impressionen haben, aber eine durchschnittliche Position zwischen 8 und 20. Das sind die sogenannten Near-Win-Keywords. Google zeigt Ihre Seite bereits für diese Begriffe an, aber noch nicht weit oben genug. Eine gezielte Optimierung des bestehenden Inhalts kann hier oft innerhalb von vier bis acht Wochen zu sichtbaren Verbesserungen führen.
Bei einem Projekt für einen Hamburger Handwerksbetrieb haben wir genau so begonnen: Keine neuen Seiten geschrieben, sondern bestehende Texte überarbeitet, die für relevante Dienstleistungsbegriffe bereits Impressionen hatten. Nach sechs Wochen hatte sich der organische Traffic um etwa 40 Prozent verbessert.
Checkliste: Google Search Console einrichten
- Google Search Console unter search.google.com/search-console aufrufen
- Domain-Property anlegen (nicht URL-Prefix, für vollständige Datensicht)
- DNS-Verifizierung über den Domain-Registrar durchführen
- Sitemap unter /sitemap.xml einreichen
- Mindestens 60 Tage warten, bevor aussagekräftige Daten vorliegen
- Unter "Leistung" filtern: letzten 90 Tage, nach Position sortieren
Schritt 2: Google Keyword Planner für Suchvolumendaten
Für Keywords, zu denen Sie noch keine Seiten haben, brauchen Sie externe Daten. Der Google Keyword Planner ist dafür die verlässlichste kostenlose Option, weil die Daten direkt von Google stammen.
Den Keyword Planner finden Sie in Google Ads unter "Tools" und dann "Keyword-Planung". Sie brauchen dafür ein Google Ads Konto, aber keine laufende Kampagne. Beim ersten Anlegen des Kontos führt Google Sie durch einen Einrichtungsprozess, der wie eine Kampagnenerstellung aussieht. Klicken Sie sich durch, ohne Rechnungsdaten einzugeben. Im letzten Schritt erscheint eine Option, ohne Kampagne fortzufahren.
Ein Haken gibt es: Ohne aktive Kampagne zeigt der Planner keine exakten Zahlen, sondern Bereiche (z.B. "1.000 bis 10.000"). Das ist für die strategische Planung trotzdem nützlich. Sie sehen, ob ein Begriff überhaupt gesucht wird, und können Cluster von verwandten Begriffen aufbauen.
Geben Sie Ihre Kernbegriffe ein und lassen Sie sich Ideen vorschlagen. Exportieren Sie die Liste als CSV und sortieren Sie nach Suchvolumen und Wettbewerb. Begriffe mit mittlerem Volumen und niedrigem bis mittlerem Wettbewerb sind für kleine Websites der beste Ausgangspunkt.
Schritt 3: Ubersuggest für Longtail-Ideen
Ubersuggest, das Tool des amerikanischen SEO-Beraters Neil Patel, ist in der kostenlosen Version auf drei Suchen pro Tag begrenzt. Das klingt wenig, reicht aber für fokussiertes Arbeiten.
Die Stärke von Ubersuggest liegt in den Longtail-Vorschlägen. Geben Sie einen Hauptbegriff ein - zum Beispiel "Steuerberater Hamburg" - und Sie erhalten Dutzende verwandter Begriffe mit geschätztem Suchvolumen, einer Keyword-Schwierigkeitspunktzahl und einer Einschätzung zum CPC. Letzteres ist interessant: Ein hoher CPC zeigt an, dass Unternehmen für diesen Begriff in Google Ads zahlen, was auf kommerziellen Wert hindeutet.
Nutzen Sie die drei Tagessuchen strategisch: Einen Hauptbegriff je Themenbereich, den Sie gerade aufbauen. Exportieren Sie die Ergebnisse direkt nach jeder Suche als CSV, damit die Daten nicht verloren gehen.
Vorteile
- Longtail-Vorschläge in guter Qualität auch für den deutschen Markt
- Keyword-Schwierigkeit und CPC-Daten in einer Ansicht
- Kein Kreditkarteneintrag nötig
- Dauerhaft kostenlos nutzbar (kein Ablaufdatum)
Nachteile
- Nur 3 Suchen pro Tag im kostenlosen Account
- Suchvolumendaten sind Schätzungen, keine exakten Google-Zahlen
- Historische Trenddaten nur in der kostenpflichtigen Version
- Backlink-Analyse nur sehr eingeschränkt
Schritt 4: AnswerThePublic für Fragekeywords
Viele Nutzer suchen nicht nach Hauptbegriffen, sondern nach Fragen. "Wie lange dauert eine Steuererklärung", "Was kostet ein neues Dach" oder "Wann muss ich Impressum haben" sind typische Suchanfragen, die großes Potenzial für informationale Inhalte haben.
AnswerThePublic visualisiert, welche Fragen rund um einen Begriff gestellt werden. Das freie Konto erlaubt ebenfalls drei Suchen pro Tag. Das ist für gezielte Recherche ausreichend.
Geben Sie Ihren Kernbegriff ein und filtern Sie nach Deutschland als Region und Deutsch als Sprache. Die Ergebnisse werden nach Fragetyp sortiert: "Wer", "Was", "Wie", "Wann", "Wo", "Warum". Jede dieser Fragen ist ein potenzieller Blogartikel oder FAQ-Eintrag.
Kombinieren Sie AnswerThePublic mit Google Keyword Planner: Nehmen Sie die interessantesten Fragen aus AnswerThePublic und prüfen Sie deren Suchvolumen im Keyword Planner. So filtern Sie Fragen heraus, die auch tatsächlich gesucht werden.
Schritt 5: Google Trends für saisonale Einschätzungen
Google Trends ist der am häufigsten unterschätzte kostenlose Dienst. Er zeigt nicht das absolute Suchvolumen, sondern die relative Entwicklung des Interesses über Zeit. Das ist besonders nützlich, um saisonale Muster zu erkennen.
Ein Elektriker, der wissen möchte, wann er Inhalte zum Thema "Photovoltaik Kosten" veröffentlichen soll, sieht in Google Trends sofort, dass das Interesse stark im Frühjahr steigt. Ein Online-Shop für Gartenartikel erkennt, welche Produktkategorien gerade im Aufwind sind.
Nutzen Sie Google Trends auch, um zwei ähnliche Keywords zu vergleichen. Geben Sie beide ein und wählen Sie Deutschland als Region. Das Ergebnis zeigt, welcher Begriff häufiger gesucht wird - ohne dass Sie sich auf Schätzdaten verlassen müssen.
Die richtigen Keywords auswählen: Das praktische Auswahlkriterium
Nach der Recherche haben Sie eine Liste mit möglicherweise hundert Begriffen. Jetzt kommt die Priorisierung. Ich arbeite mit einer einfachen dreistufigen Bewertung:
- Suchvolumen: unter 100 (niedrig), 100 bis 1.000 (mittel), über 1.000 (hoch)
- Wettbewerb: gering, mittel, hoch (aus Google Keyword Planner oder Ubersuggest)
- Relevanz für Ihr Angebot: direkt, indirekt oder informationell
Keyword-Typen im Vergleich
| Keyword-Typ | Suchvolumen | Wettbewerb | Priorität |
|---|---|---|---|
| Brand-Keywords | niedrig bis mittel | sehr gering | hoch (sofort bearbeiten) |
| Longtail informationell | gering bis mittel | gering | hoch (Bloginhalte) |
| Longtail transaktional | mittel | mittel | sehr hoch (Landingpages) |
| Generische Hauptbegriffe | hoch | sehr hoch | niedrig (langfristig) |
| Lokal + Hauptbegriff | mittel | gering bis mittel | sehr hoch (Google Maps) |
Für die meisten kleinen Unternehmen sind lokale Longtail-Keywords der schnellste Weg zu messbaren Ergebnissen. "Webdesign Hamburg Festpreis" wird seltener gesucht als "Webdesign", aber die Konkurrenz ist kleiner und die Personen, die diesen Begriff eintippen, sind viel kaufbereiter.
Wenn Sie sich weitergehend mit SEO-Optimierung für Ihre Website beschäftigen möchten, lohnt es sich, Keyword-Recherche als kontinuierlichen Prozess zu verstehen, nicht als einmalige Aufgabe. Suchverhalten ändert sich, neue Themen entstehen, und Ihre Konkurrenten schlafen auch nicht.
Keyword-Recherche in der Praxis: Ein Beispiel
Angenommen, Sie betreiben einen kleinen Online-Shop für Naturkosmetik in München. Sie wollen einen Blogartikel schreiben und fragen sich, welches Thema Sinn ergibt.
Schritt 1: Search Console aufrufen, filtern nach Begriffen mit 20 bis 200 Impressionen und Position 10 bis 25. Sie finden "Naturkosmetik ohne Plastik" mit 80 Impressionen und Position 14. Das ist ein Near-Win.
Schritt 2: Den Begriff im Google Keyword Planner eingeben. Suchvolumen laut Planner: 1.000 bis 10.000, Wettbewerb: niedrig. Gutes Zeichen.
Schritt 3: Ubersuggest mit "Naturkosmetik ohne Plastik" aufrufen. Longtail-Vorschläge: "Naturkosmetik verpackungsfrei München", "plastikfreie Pflege", "zero waste Kosmetik kaufen". Alle mit niedrigem KD-Wert.
Schritt 4: AnswerThePublic zeigt Fragen: "Welche Naturkosmetik ist wirklich plastikfrei", "Naturkosmetik ohne Mikroplastik - was beachten". Das sind konkrete Überschriften.
Ergebnis: Ein Artikel zu "Naturkosmetik ohne Plastik - was wirklich stimmt" mit FAQ zu Mikroplastik und einem internen Link zur Produktkategorie. Fertig ist ein Inhalt, der echtes Suchvolumen anspricht, realistisch rankbar ist und zum Produkt führt.
Vermeiden Sie Keyword-Stuffing: Wenn ein Begriff zehnmal in einem 800-Wort-Text vorkommt, wirkt das auf Leser und Google gleichermaßen schlecht. Schreiben Sie für den Menschen, der die Frage hat - der Begriff kommt dann natürlich vor.
Wann kostenlose Tools nicht mehr reichen
Kostenlose Tools stoßen an Grenzen, wenn Sie ernsthaftes Wettbewerber-Monitoring brauchen, historische Backlink-Daten analysieren wollen oder mehr als 50 Seiten gleichzeitig optimieren. In diesem Fall sind Tools wie Sistrix (ab ca. 100 Euro monatlich für das deutsche Paket) oder Ahrefs (ab ca. 99 Euro monatlich) die bessere Investition.
Für die meisten kleinen Unternehmen, die ich betreue, kommt dieser Punkt nach 12 bis 18 Monaten konsequenter Content-Arbeit. Bis dahin ist der kostenlose Stack absolut ausreichend, und ehrlich gesagt: Ich kenne einige Betriebe, die jahrelang ausschließlich mit Search Console und Keyword Planner gearbeitet haben und trotzdem gute organische Ergebnisse erzielt haben.
Mehr dazu, was bei einem Website-Relaunch ohne Ranking-Verlust zu beachten ist, und wie SEO-Grundlagen für Einsteiger aufgebaut sind, erfahren Sie in weiteren Artikeln auf diesem Blog.
Für den Einstieg empfehle ich die Kombination aus Google Search Console und Google Keyword Planner. Die Search Console zeigt, wofür Ihre Seite bereits sichtbar ist, der Keyword Planner liefert Suchvolumendaten für neue Themen. Ubersuggest ergänzt beide gut durch Longtail-Vorschläge. Sie benötigen lediglich ein kostenloses Google Ads Konto. Beim Anlegen des Kontos fragt Google nach einer Kampagne - klicken Sie sich durch den Prozess, ohne Rechnungsdaten einzugeben, und wählen Sie die Option, ohne Kampagne fortzufahren. Danach ist der Keyword Planner unter 'Tools' dauerhaft zugänglich. Das Suchvolumen gibt an, wie oft ein Begriff pro Monat durchschnittlich gesucht wird. Die Keyword-Schwierigkeit (auch 'KD') beschreibt, wie hart der Wettbewerb unter den rankenden Seiten ist. Für kleine Websites lohnt es sich, Keywords mit moderatem Volumen aber niedriger Schwierigkeit zu priorisieren. Für die ersten drei bis sechs Monate reichen 20 bis 30 gut recherchierte Keywords völlig aus. Wichtiger als die Menge ist, dass Sie für jedes Keyword einen klaren Inhaltstyp (Blogartikel, Landingpage, Produktseite) festlegen und konsequent umsetzen. Quantität ohne Strategie erzeugt nur Inhalte, die sich gegenseitig kannibalisieren. Sobald Sie mehr als 50 Seiten aktiv optimieren, regelmäßig Wettbewerberanalysen brauchen oder Backlink-Daten auswerten möchten, werden kostenpflichtige Tools deutlich effizienter. Für einen frischen WordPress-Blog oder eine kleine Unternehmenswebsite sind die kostenlosen Alternativen vollkommen ausreichend. Die einfachste Methode: Suchen Sie den Begriff bei Google und schauen Sie sich die ersten fünf Ergebnisse an. Überwiegen Blogartikel, ist der Intent informationell. Dominieren Shop-Kategorien oder Produktseiten, ist er transaktional. Die SERP zeigt Ihnen direkt, welches Format Google für dieses Keyword belohnt.Häufige Fragen
Welches kostenlose Tool ist am besten für die Keyword-Recherche geeignet?
Wie nutze ich den Google Keyword Planner ohne aktive Werbekampagne?
Was ist der Unterschied zwischen Suchvolumen und Keyword-Schwierigkeit?
Wie viele Keywords brauche ich für den Start?
Wann lohnt sich ein kostenpflichtiges Tool wie Ahrefs oder Sistrix?
Wie finde ich heraus, welchen Suchintent ein Keyword hat?
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