Wer eine Website betreibt, denkt bei SEO meistens zuerst an Backlinks von anderen Domains. Das ist verständlich - externe Verlinkungen gelten seit Jahren als einer der stärksten Ranking-Faktoren. Dabei liegt ein genauso wirksames Instrument direkt in der eigenen Hand: die interne Verlinkung. Sie kostet nichts, lässt sich sofort umsetzen und beeinflusst, wie gut Google die eigene Website versteht.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen aus meiner Praxis als WordPress-Entwickler, was interne Links sind, wie sie Autorität zwischen Seiten weitergeben, warum der Ankertext so viel ausmacht und wie viele interne Links ein Artikel haben sollte. Keine Strategie, keine Cluster-Theorie - nur die Grundlagen, die jeder kennen sollte, bevor er eine Website oder einen Online-Shop aufbaut.

Ein interner Link ist ein Hyperlink, der von einer Seite Ihrer Website auf eine andere Seite derselben Domain zeigt. Wenn Sie in einem Blogartikel über WordPress-Sicherheit auf Ihren Artikel über Passwort-Manager verweisen, ist das ein interner Link. Wenn Sie in der Fußzeile Ihrer Website auf die Datenschutzerklärung verlinken, ist das ebenfalls ein interner Link.

Im Unterschied dazu führt ein externer Link auf eine andere Domain - zum Beispiel auf eine Quelle, die Sie zitieren, oder auf den Website-Hoster Ihres Kunden.

Interne Links entstehen an verschiedenen Stellen einer Website:

  • Hauptnavigation und Untermenüs
  • Fußzeile (Footer)
  • Breadcrumb-Leisten (Brotkrümelpfade)
  • Verlinkungen im Fließtext der Seiten und Artikel
  • Widgets wie "Ähnliche Artikel" oder "Das könnte Sie auch interessieren"

Für die SEO-Optimierung sind vor allem die Links im Fließtext entscheidend - also jene, die Sie manuell in einem Absatz setzen, weil der Zusammenhang inhaltlich passt. Diese sogenannten kontextuellen Links werden von Google stärker gewichtet als rein strukturelle Navigationslinks.

Bevor eine Seite in den Google-Suchergebnissen erscheinen kann, muss der Googlebot sie zuerst finden und auslesen - das nennt man Crawling. Der Bot folgt dabei Links: Er ruft eine Seite auf, liest ihren Inhalt, folgt allen Links auf dieser Seite und arbeitet sich so durch die gesamte Website.

Das bedeutet: Eine Seite, die von keiner anderen URL verlinkt ist, findet Google oft gar nicht. Sie existiert zwar technisch, bleibt aber für Suchmaschinen unsichtbar. Ich habe das in der Praxis mehr als einmal erlebt - ein Kunde wundert sich, warum eine Leistungsseite nicht rankt, und der Grund ist schlicht, dass kein einziger interner Link auf sie zeigt.

Die interne Verlinkung hat also zwei Funktionen für Google:

1. Sie zeigt dem Crawler, welche Seiten existieren und wie er sie erreichen kann.
2. Sie signalisiert, welche Seiten inhaltlich zusammengehören und wie wichtig eine Seite im Verhältnis zu anderen ist.

Seiten, die von der Startseite aus in weniger als drei Klicks erreichbar sind, werden von Google deutlich häufiger gecrawlt als tief verschachtelte Unterseiten. Interne Links reduzieren diese Klicktiefe.

Hinter jedem Link steckt mehr als nur eine Navigation. Google bewertet jede Seite mit einem internen Autoritätswert - ursprünglich als PageRank bekannt. Dieser Wert hängt davon ab, wie viele und wie hochwertige Links auf eine Seite zeigen.

Wenn Seite A auf Seite B verlinkt, gibt sie einen Teil ihrer Autorität weiter. In der SEO-Praxis spricht man von "Link Juice" - ein anschaulicher Begriff, der zeigt, dass Autorität wie eine Flüssigkeit durch Links fließt.

Das klingt abstrakt, lässt sich aber mit einem einfachen Bild erklären: Stellen Sie sich Ihre Startseite als einen Tank vor, in den viele externe Quellen Wasser einleiten. Jeder interne Link, der von der Startseite auf eine Unterseite zeigt, leitet einen Teil dieses Wassers weiter. Eine Seite, auf die kein interner Link zeigt, bleibt leer.

Das hat praktische Konsequenzen: Wenn Sie möchten, dass eine bestimmte Leistungsseite gut rankt, sollten Sie sicherstellen, dass mehrere relevante Seiten Ihrer Website intern auf sie verlinken - zum Beispiel Blogartikel, die das Thema dieser Leistung behandeln.

SEO-SignalBedeutung für Google
Anzahl interner Links auf eine SeiteHinweis auf Wichtigkeit innerhalb der Website
Klicktiefe einer SeiteJe flacher, desto häufiger gecrawlt
Kontextuelle Links im FließtextStärker gewichtet als Navigationslinks
AnkertextSignalisiert Thema der Zielseite

Warum der Ankertext so viel ausmacht

Der Ankertext ist das klickbare Wort oder die klickbare Phrase eines Links - in HTML steht er zwischen den <a>-Tags. Was viele Anfänger unterschätzen: Google liest diesen Text und leitet daraus ab, worum es auf der verlinkten Seite geht.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ich betreue eine Möbelmanufaktur, die maßgefertigte Holzmöbel verkauft. Auf der Startseite stand ursprünglich der Link "Klicken Sie hier für unser Angebot". Nachdem ich den Ankertext auf "Massivholzmöbel nach Maß" geändert hatte, begann Google die verlinkte Seite deutlich stärker mit diesem Suchbegriff zu assoziieren - ohne eine einzige weitere Änderung.

Ankertexte im Vergleich

Ankertext-TypBeispielSEO-Wert
Nichtssagendhier klickensehr gering
Allgemeinmehr erfahrengering
Markennamedawidweb.committel
Thematisch beschreibendWordPress-Shop einrichtenhoch
Keyword-reich (natürlich)WooCommerce für Anfängersehr hoch
Überoptimiert (Keyword-Stuffing)bester WooCommerce-Shop WordPress kaufennegativ

Die wichtigsten Regeln für Ankertexte:

  • Formulieren Sie den Ankertext so, dass der Leser versteht, wohin der Link führt, ohne den umliegenden Satz zu lesen.
  • Nutzen Sie möglichst den Suchbegriff oder eine natürliche Variante davon, für den die Zielseite ranken soll.
  • Vermeiden Sie Wiederholungen: Wenn Sie zehnmal auf dieselbe Seite verlinken, reicht es, wenn zwei bis drei Ankertexte das Keyword enthalten - die restlichen dürfen variieren.
  • Keyword-Stuffing im Ankertext - also das mechanische Wiederholen exakter Suchbegriffe - wird von Google als unnatürlich erkannt und kann schaden.

Lesen Sie den Satz, in dem der Link steht, laut vor. Klingt der Ankertext natürlich? Würden Sie diesen Link in einem gedruckten Text genauso formulieren? Dann ist er gut.

Nicht jede Seite einer Website ist gleich wichtig. Eine Kontaktseite oder ein Impressum sind nützlich, müssen aber nicht in den Suchergebnissen ranken. Eine Leistungsseite oder eine Produktkategorie in einem Online-Shop hingegen sollte möglichst weit oben erscheinen.

Die Logik ist einfach: Seiten, die viele interne Links erhalten, signalisieren Google, dass sie wichtig sind. Leiten Sie also Autorität gezielt dorthin, wo sie wirken soll.

In der Praxis sieht das so aus: Ich schreibe für eine Webseite einen Blogartikel über ein Thema, das zur Hauptleistung des Kunden passt. Am Ende oder im Artikel selbst setze ich einen kontextuellen Link auf die entsprechende Leistungsseite. So fließt der Autorität aus dem Blogartikel - der vielleicht Backlinks von anderen Quellen gesammelt hat - in die Seite, die ranken soll.

Interne Verlinkung: Grundlagen-Checkliste

  • Jede wichtige Seite (Leistungen, Produkte, Kategorien) hat mindestens drei bis fünf interne Links von anderen relevanten Seiten.
  • Keine Seite ist eine sogenannte "verwaiste Seite" - also ohne einen einzigen eingehenden internen Link.
  • Ankertexte sind beschreibend und enthalten das Ziel-Keyword oder eine natürliche Variante.
  • Allgemeine Ankertexte wie "hier klicken" oder "mehr erfahren" wurden durch aussagekräftige Formulierungen ersetzt.
  • Neue Blogartikel verlinken auf mindestens zwei bis drei verwandte Seiten und erhalten selbst mindestens einen internen Link von einer bestehenden Seite.
  • Kaputte interne Links (404-Fehler) sind geprüft und behoben.

Häufige Anfängerfehler bei der internen Verlinkung

In meiner Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen begegnen mir immer wieder dieselben Fehler. Sie sind leicht zu beheben, wenn man sie erst einmal kennt.

Verwaiste Seiten. Neue Seiten werden erstellt und veröffentlicht, aber nirgends intern verlinkt. Google findet sie nicht oder nur verzögert, und sie ranken entsprechend schlecht.

Alles mit allem verlinken. Das Gegenteil ist genauso problematisch: wenn auf jeder Seite dutzende interne Links gesetzt werden, ohne dass ein inhaltlicher Zusammenhang besteht. Links, die keinen Mehrwert für den Leser haben, verdünnen die Autorität, statt sie zu lenken.

Ankertexte ignorieren. Viele Websites nutzen standardmäßig Formulierungen wie "hier klicken" oder "weiterlesen". Das ist eine verschenkte Gelegenheit, das Thema der Zielseite zu signalisieren.

Links nicht aktualisieren. Wenn eine Seite gelöscht oder eine URL geändert wird, zeigen bestehende interne Links plötzlich auf eine Fehlerseite. Dieser 404-Fehler unterbricht den Linkfluss und bietet Besuchern eine schlechte Erfahrung.

Vorteile

  • Vollständig unter Ihrer Kontrolle - keine externen Partner nötig
  • Sofort wirksam, keine langen Wartezeiten
  • Hilft Google, neue Seiten schneller zu entdecken
  • Verbessert die Nutzererfahrung durch sinnvolle Weiterführung
  • Lenkt Autorität gezielt auf wichtige Seiten

Nachteile

  • Erfordert regelmäßige Pflege, besonders bei gelöschten oder umbenannten Seiten
  • Wirkung bei kleinen Websites mit wenig Autorität begrenzt
  • Falsch eingesetzt (Überoptimierung, irrelevante Links) kann es schaden

Eine häufige Frage, auf die es keine magische Zahl gibt. Als verlässliche Orientierung gilt in der Praxis: zwei bis drei kontextuelle Links pro 500 Wörter Fließtext. Ein Artikel mit 1.000 Wörtern sollte also vier bis sechs interne Links enthalten, die thematisch passen.

Genauso wichtig ist die Richtung: Jeder neue Artikel sollte nicht nur selbst auf andere Seiten verlinken, sondern auch selbst einen eingehenden Link von einer bestehenden Seite erhalten. Wenn Sie einen neuen Artikel veröffentlichen, nehmen Sie sich fünf Minuten, um in einem bereits vorhandenen, thematisch verwandten Artikel eine Stelle zu finden, an der ein Link auf den neuen Inhalt sinnvoll ist. Dieser kleine Schritt ist einer der wirkungsvollsten Handgriffe in der SEO-Praxis.

Verlinken Sie nicht um der Verlinkung willen. Ein Link, der den Leser zu einer irrelevanten Seite führt, schadet der Nutzererfahrung und verwässert das Signal an Google. Jeder Link sollte dem Leser echten Mehrwert bieten.

Interne Verlinkung im Verhältnis zu anderen SEO-Maßnahmen

Wer mehr über die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung erfahren möchte, findet im Artikel Was ist SEO? Definition und Grundlagen einen guten Einstieg. Wer verstehen will, wie Google Seiten überhaupt findet und bewertet, dem empfehle ich den Artikel Wie funktioniert die Google-Suche: Crawler und Index erklärt.

Die interne Verlinkung ist kein Ersatz für guten Inhalt oder externe Backlinks. Sie ist aber das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Eine Website mit hervorragendem Inhalt, aber schlechter interner Verlinkung, verschenkt einen großen Teil ihres Potenzials.

Als WordPress- und WooCommerce-Entwickler habe ich Dutzende Websites gesehen, bei denen allein die Optimierung der internen Verlinkung messbare Verbesserungen in den Rankings gebracht hat - ohne neue Inhalte, ohne externe Linkaufbau-Kampagnen. Es ist oft der erste Hebel, den ich anfasse, wenn ich eine neue Website zur SEO-Betreuung übernehme.

Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen: Schauen Sie sich die fünf bis zehn wichtigsten Seiten Ihrer Website an und prüfen Sie, wie viele interne Links auf jede dieser Seiten zeigen. Wenn die Antwort "weniger als drei" lautet, haben Sie sofort etwas zu tun. Und wenn Sie dabei Hilfe möchten, stehe ich Ihnen gerne über die Kontaktseite zur Verfügung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen internen und externen Links?

Interne Links verbinden zwei Seiten innerhalb derselben Domain miteinander, zum Beispiel von einem Blogartikel zur Leistungsseite. Externe Links führen dagegen auf eine andere Domain, etwa wenn Sie auf eine Informationsquelle oder einen Partner verweisen. Für SEO spielen beide Arten eine Rolle, aber nur interne Links lassen sich vollständig von Ihnen steuern.

Wie viele interne Links sollte ein Blogartikel haben?

Eine bewährte Faustregel lautet: mindestens zwei bis drei kontextuelle Links pro 500 Wörter Fließtext. Bei einem Artikel von 1.000 Wörtern sind also vier bis sechs interne Links ein guter Richtwert. Entscheidend ist, dass jeder Link thematisch passt und dem Leser einen echten Mehrwert bietet - erzwungene Verlinkungen helfen weder Google noch dem Besucher.

Was ist ein Ankertext und warum ist er wichtig?

Als Ankertext bezeichnet man das sichtbare, klickbare Wort oder die Phrase eines Links. Google liest diesen Text und leitet daraus ab, worum es auf der verlinkten Seite geht. Ein beschreibender Ankertext wie 'WooCommerce-Shop einrichten' ist für das Ranking der Zielseite deutlich wertvoller als ein allgemeines 'hier klicken'.

Muss ich meine Website-Navigation als interne Verlinkung zählen?

Navigationslinks - Hauptmenü, Footer, Breadcrumbs - sind technisch gesehen ebenfalls interne Links und helfen dem Crawler, die Struktur der Website zu verstehen. Für den SEO-Effekt sind jedoch kontextuelle Links im Fließtext wertvoller, weil Google ihnen mehr Gewicht beimisst. Beide Arten ergänzen sich und sollten gepflegt werden.

Schadet es, wenn eine Seite zu viele interne Links erhält?

Grundsätzlich nicht. Erhält eine Seite viele Verlinkungen von relevanten anderen Seiten, wertet Google das als Signal für Wichtigkeit - ähnlich wie bei externen Backlinks. Problematisch wird es erst, wenn Links in großer Zahl auf einer einzelnen Seite angehäuft werden, ohne dass ein inhaltlicher Zusammenhang besteht. Qualität und Kontext bleiben die wichtigsten Kriterien.

Was passiert, wenn ich interne Links nicht pflege?

Nicht gepflegte interne Links können auf gelöschte oder umbenannte Seiten zeigen und einen 404-Fehler erzeugen. Der Crawler trifft auf eine Sackgasse, der Link Juice geht verloren und der Besucher sieht eine Fehlermeldung. Es lohnt sich daher, kaputte interne Links regelmäßig zu prüfen und zu korrigieren - dafür gibt es kostenlose Tools wie die Google Search Console.

Brauche ich ein spezielles Plugin für interne Links in WordPress?

Nein, für das grundlegende Setzen interner Links benötigen Sie kein Plugin - das geht direkt im WordPress-Editor über die Link-Funktion. Es gibt jedoch hilfreiche Plugins, die automatisch verwandte Beiträge vorschlagen oder vorhandene Links im Nachhinein prüfen. Für den Einstieg reicht der manuelle Ansatz vollkommen aus.